• vom 20.07.2017, 16:06 Uhr

International


Notenbanken

EZB belässt Leitzins in der Eurozone bei 0,0 Prozent




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief






    Frankfurt/Tokio. Europas Währungshüter halten zunächst unverändert Kurs - ungeachtet drängender Forderungen nach einem Ende der Geldflut. Die Europäische Zentralbank (EZB) belässt den Leitzins in der Eurozone weiterhin auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent und knöpft Geschäftsbanken für das Geldparken nach wie vor 0,4 Prozent Strafzinsen ab. Zudem steckt die EZB noch bis mindestens Ende Dezember 2017 Monat für Monat 60 Milliarden Euro in den Kauf von Staats- und Unternehmensanleihen. Diesen Kurs bekräftigte der EZB-Rat bei seiner Sitzung am Donnerstag in Frankfurt.

    Mit viel billigem Geld versucht die EZB seit Jahren, der Konjunktur auf die Sprünge zu helfen und die Teuerung anzuheizen. Angestrebt wird Preisstabilität bei einer Inflationsrate von knapp unter 2,0 Prozent - weit genug entfernt von der Nullmarke. Weil die Zeiten einer Inflationsrate nahe null vorerst vorbei sind und die Konjunktur im Euroraum wieder besser läuft, wächst der Druck auf die Währungshüter, ihren Anti-Krisen-Kurs zu beenden. Konkrete Schritte erwarten Ökonomen aber frühestens in der Sitzung des EZB-Rates am 7. September, wenn die neuesten Prognosen zur Entwicklung von Konjunktur und Inflation vorliegen.


    Die EZB hält jedenfalls an der Option fest, im Notfall ihr in Deutschland umstrittenes Anleihenkaufprogramm erneut zu verstärken. Der EZB-Rat sei bereit, den Umfang und die Dauer der Käufe auszuweiten, sofern dies erforderlich werde, hieß es am Donnerstag. Die EZB bekräftigte gleichzeitig in ihrem Ausblick, dass die Schlüsselzinsen weit über die Zeit der Anleihenkäufe hinaus auf dem derzeitigen Niveau liegen werden.

    Japans Notenbank denkt nicht ans Eindämmen der Geldflut
    Auch Japans Notenbank wird die Geldschleusen trotz brummender Exporte wohl noch länger offen halten. Die Bank of Japan geht davon aus, dass sie die vor sich hin dümpelnde Inflation erst bis 2020 - ein Jahr später als geplant - auf den Zielwert von 2,0 Prozent treiben kann. Auf breiter Front fallende Preise haben die Konjunktur gelähmt. Verbraucher hielten sich in der Hoffnung auf Schnäppchen zurück, Löhne sanken, Firmen stellten Investitionen zurück.

    Laut Notenbankchef Haruhiko Kuroda ist es trotz aller Geldspritzen noch immer nicht gelungen, bei Firmen und Verbrauchern Konsum- und Investitionslust zu wecken: "Dennoch besteht derzeit keine Notwendigkeit, die Geldpolitik weiter zu lockern", sagte er nach dem Zinsbeschluss. Die Notenbank beließ den Strafzins auf Einlagen von Finanzinstituten bei 0,1 Prozent.

    Die Bank of Japan versucht seit Jahren mit erheblichem Aufwand, die Konjunktur anzuschieben. Sie kauft Anleihen und andere Wertpapiere im Volumen von jährlich 80 umgerechnet 620 Milliarden Euro auf und strebt eine Rendite von 0 Prozent auf zehnjährige Staatsanleihen an. Dieses Feinsteuerungsmanöver kommt letztlich den Banken zugute, die wegen der niedrigen Zinsen im klassischen Kreditgeschäft kaum noch etwas verdienen.




    Schlagwörter

    Notenbanken, EZB, Leitzinsen, Eurozone

    Leserkommentare




    Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


    captcha Absenden

    * Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


    Dokumenten Information
    Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
    Dokument erstellt am 2017-07-20 16:12:02



    Beliebte Inhalte

    Meistgelesen
    1. "Da wird die liebe Post auf etwas sitzen bleiben"
    2. Mit einem Stups zum Nobelpreis
    3. Der tschechische Boom
    4. Mehr Zuckerl für die private Pensionsvorsorge?
    5. Warten auf den Party-Crasher
    Meistkommentiert
    1. Österreicher sind ihrem Bargeld treu - Banken trotzdem unter Druck
    2. Der tschechische Boom
    3. Mehr Zuckerl für die private Pensionsvorsorge?
    4. Es kommt doch auf die Größe an
    5. Europas Himmel wird neu geordnet

    Werbung



    Quiz


    Firmenmonitor







    Werbung


    Werbung