• vom 01.08.2017, 17:37 Uhr

International

Update: 02.08.2017, 08:41 Uhr

Bitcoin

Große Fallhöhe




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  • Die Onlinewährung Bitcoin ist von einer Spaltung bedroht.

Freie Währung im freien Netz - das Ideal von Bitcoin. - © ap/Jeff Chiu

Freie Währung im freien Netz - das Ideal von Bitcoin. © ap/Jeff Chiu

Frankfurt/Main. (leg/apa) Ein Programmierer soll den ersten Schritt gewagt haben. Vor sieben Jahren soll er als erster Mensch weltweit mit der Internetwährung Bitcoin, die im Jänner 2009 ins Leben gerufen worden war, bezahlt haben. 10.000 Bitcoins musste er der Legende nach ausgeben - ganze zwei Pizzen hat er dafür bekommen. Sieben Jahre später wäre er mit 10.000 Bitcoins zum reichen Mann geworden: Auf beinahe 3000 Dollar ist die Kryptowährung kürzlich geklettert, der Wert des Bitcoins hat sich in den vergangenen zwölf Monaten vervierfacht.

Zwar ist die Kunstwährung, die inmitten der Finanzkrise mit dem Anspruch angetreten war, den Menschen von Zentralbanken und ihren Manipulationen unabhängiges Geld anbieten zu können, immer wieder anfällig für starke Kursschwankungen und Krisen. Bis 2011 hatte sich der Wechselkurs zum Dollar meistens im einstelligen Bereich bewegt, 2013 war es rasant bergauf gegangen - auf 266 Dollar pro Bitcoin. Im selben Jahr fiel die Internetwährung allerdings auch wieder um 80 Prozent auf 50 Dollar - und das binnen einer einzigen Woche. Wer sein Vermögen in Bitcoin anlegt, braucht also starke Nerven.


Das könnte auch jetzt bald wieder nötig sein - denn die Kryptowährung wird erneut nach einem Höhenflug auf die Probe gestellt. Seit dem gestrigen Dienstag gibt es nicht mehr nur Bitcoin am Markt, sondern auch "Bitcoin Cash" - keine Unterabteilung einer Mutterfirma, sondern ein eigenständiges Konkurrenzunternehmen. Ein Teil der Bitcoin-Entwickler hat sich nach einem firmeninternen "Bitcoin-Bürgerkrieg" abgespalten. Auslöser war ein Update für den Bitcoin-Algorithmus, eine technische Umstellung bei der Onlinewährung, die am 1. August in Kraft trat. Diese wurde nötig, weil die Transaktionen mit Bitcoin immer behäbiger umgesetzt wurden - und weil unter anderem eben die Schnelligkeit bei Transaktionen einer der Vorteile von Bitcoin gegenüber gewöhnlichen Kontoüberweisungen darstellt. Bezahlen in Echtzeit - das war einst das Firmenideal.

Spaltung oder Abspaltung?
Für die Macher von Bitcoin soll das Software-Update Segwit2x der Onlinewährung wieder auf die Sprünge helfen. Die Maßnahme stieß allerdings auf Widerstand bei Usern, die befürchten, dass dadurch die sogenannten "Miner" - das sind Leute, die Rechenleistung zur Verfügung stellen - zu viel Macht bekommen. Vergangene Woche kündigte dann ein chinesischer "Miner" selbst an, mit "Bitcoin Cash" künftig eigene Wege zu gehen. Ob die Gründung des neuen Unternehmens eine veritable Spaltung oder doch nur eine unbedeutende Abspaltung einiger Unzufriedener darstellt, ist derzeit noch unklar. Experten räumen "Bitcoin Cash" nur geringe Chancen am Markt ein, da die neue Firma von Softwareentwicklern nur wenig Unterstützung erfahren werde. Wie sich die Turbulenzen auf den Kurs des hochvolatilen Bitcoins auswirken wird, kann gegenwärtig aber noch keiner sagen.

Was ist dieser Bitcoin eigentlich, wozu gibt es diese Kryptowährung? Das Konzept stammt von dem Japaner Satoshi Nakamoto und es war auch eine Antwort auf die Finanzkrise, die zu diesem Zeitpunkt über die Wirtschaftswelt hereinzubrechen begann. Der Programmierer Nakamoto wollte eine von Staaten, Zentralbanken und anderen Finanzinstituten unabhängige Währung, die dennoch sicher sein sollte - unter anderem deshalb, weil die Zentralbanken das Vertrauen der Bürger verloren hätten. Die Zentralbanken hätten ihr Versprechen, die Währungen nicht zu entwerten, nicht eingelöst. Die Idee war und ist, dass die Bürger auch ohne staatliche Aufsicht kaufen und verkaufen können.

Der Preis für diese Freiheit sind allerdings stark schwankende Wechselkurse zu "echten" Währungen - was den Bitcoin besonders für Spekulanten attraktiv macht. Dazu kommt, dass jemand nur dann US-Dollar oder Euro für Bitcoins erhält, wenn er einen Tauschpartner findet. Auch Skandale hat es gegeben, etwa den Fall des Chefs der Bitcoin-Plattform MtGox, Mark Karpeles, der wegen Datenmanipulation und Veruntreuung von Kundengeldern angeklagt ist. Auch wird die Internetwährung in großem Stil von Geldwäschern genutzt. Dennoch wird die Digitalwährung immer beliebter - und weltweit von immer mehr Händlern akzeptiert.




Schlagwörter

Bitcoin, Spaltung, Wirtschaft

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-08-01 17:42:05
Letzte nderung am 2017-08-02 08:41:00



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