• vom 08.08.2017, 17:49 Uhr

International


Golf von Mexiko

Zone der Vernichtung




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  • Im Golf von Mexiko breitet sich ein Todesstreifen aus, der alle Lebewesen unter Wasser tötet. Eine Umweltorganisation macht Düngemittel für die US-Fleischindustrie dafür verantwortlich.

Aus dem Weltraum sichtbar: Phytoplanktonteppich, hier vor der Küste New Yorks. - © Nasa via ap

Aus dem Weltraum sichtbar: Phytoplanktonteppich, hier vor der Küste New Yorks. © Nasa via ap

Washington. (leg) Vor der Küste der USA spielt sich ein ökologisches Drama ab. Im Golf von Mexiko breitet sich eine Todeszone aus, die mittlerweile zu einer der größten unseres Planeten zählt. Das Gebiet dehnt sich mit enormer Schnelligkeit aus. Forscher erwarten, dass die Zone, die sich in ihren Ausläufern von der Küste vor Texas bis nach Florida erstreckt und derzeit eine Fläche von rund 23.000 Quadratkilometern umfasst, Ende des Jahres die größte maritime "Todeszone" des Planeten sein wird.

Innerhalb einer solchen Zone gibt es keinen Sauerstoff mehr. Die Folgen: Fische und andere Meeresbewohner sterben oder wandern ab, das Leben im Meer erlischt. Nur wenige, an solche extremen Bedingungen angepasste Lebewesen können noch überleben. Die Nachricht, dass die Zone sich so schnell ausdehnt, hat die Fachwelt überrascht. Forscher der US-Wetter- und Ozeanbehörde NOAA hatten noch im Juni in einer ohnehin stark pessimistischen Schätzung "nur" mit einer Gesamtausdehnung von 21.000 Quadratkilometern gerechnet.


Algenblüte frisst Sauerstoff auf
Wie konnte es zu dem apokalyptischen Szenario kommen? Die Umweltschutzorganisation "Mighty" macht für die Ökokatastrophe die US-Fleischindustrie verantwortlich. Nachforschungen hätten ergeben, dass toxische Substanzen und Nitrate in großen Mengen in Jauche und Düngemitteln gefunden worden waren. Tatsächlich entstehen die "toten Zonen" im Meer vor allem wegen der Überdüngung landwirtschaftlicher Flächen. Über Bäche und Flüsse werden die Düngemittel, die der Boden nicht mehr aufnehmen kann, ins Meer, in diesem Fall in den Golf von Mexiko geschwemmt.

Dort spielt sich dann der nächste Akt des Öko-Dramas ab: Die Verschmutzung durch die Pflanzennährstoffe, durch Nitrate und Phosphate, führt zur ausgedehnten Blüte von Phytoplankton und Algen. Die Trübung des Wassers ist sogar aus dem All gut zu erkennen. Im Wasser befindet sich immer weniger Sauerstoff. Sterben die Algen ab, sinken sie zu Boden. Sie lagern sich dort ab und produzieren Millionen von Bakterien. Diese Bakterien wiederum brauchen den gesamten Sauerstoff im Meereswasser auf - Fische, Krustentiere und Muscheln haben keine Chance mehr. Sie müssen, wenn es geht, abwandern - oder sie sterben.

Mighty beschuldigt vor allem den Großkonzern Tyson Foods, an der Verschmutzung des Meeres hauptschuldig zu sein. Das Fleischunternehmen, das unter anderem die Fast-Food-Kette McDonald’s beliefert, benötigt für die Fütterung seiner Tiere enorme Mengen Mais und Soja. Tyson Foods baut auf fünf Millionen Hektar Mais an. Mighty-Kampagnendirektorin Lucia von Reusner sieht laut dem Magazin "Focus" in nachhaltigeren Unternehmenspraktiken und in einer Verringerung des Fleischkonsums den einzigen Weg, die Umweltbelastung zu reduzieren. Es ist freilich nicht nur das Fleisch, das an der Überdüngung schuld ist: Auch die Produktion von Biosprit benötigt große Mengen an Mais und Soja.

Nicht irreversibel
Seit Beginn der ozeanografischen Erfassung in den 1970er Jahren haben sich die Todeszonen weltweit an Zahl und Größe in jedem Jahrzehnt verdoppelt. Trotz all der negativen Entwicklungen ist allerdings auch diese extreme Meeresverschmutzung nicht irreversibel: Beispielsweise verschwand nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion die Verschmutzung im Schwarzen Meer größtenteils wieder - von selbst. Der Grund war ein handfester: Die Preise für Düngemittel waren gestiegen.




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Dokument erstellt am 2017-08-08 17:54:10



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