• vom 16.08.2017, 19:31 Uhr

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Luftfahrt

Gezerre um Air Berlins Filetstücke




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  • Ryanair pocht auf Start- und Landerechte. Was passiert mit Niki?

Berlin. Der Kampf um die Überreste von Air Berlin ist eröffnet: Der irische Billigflieger Ryanair will die Aufteilung der Start- und Landerechte der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft unter den Rivalen Lufthansa und Easyjet nicht hinnehmen. Vorstandschef Michael O’Leary legte Beschwerde bei der EU-Kommission ein. "Das ist ein völlig abgekartetes Spiel", sagte er am Mittwoch. Ryanair habe kaum eine Chance, sich attraktive Start- und Landerechte (Slots) aus der Konkursmasse zu sichern.

Die Gespräche mit der Lufthansa und - Insidern zufolge - mit Easyjet liefen bereits Monate, als Air Berlin am Dienstag einen Insolvenzantrag stellen musste. "Die Slots sind das einzig Werthaltige. Die Ideallösung wäre, das so zu filetieren, dass nichts übrig bleibt", sagte ein mit den Überlegungen Vertrauter. "Lufthansa und Easyjet ergänzen sich dabei gut." In der Insolvenz werden aber die Karten neu gemischt.


Die Regierung in Berlin nannte Ryanairs Vorwürfe "abwegig". Zugleich verteidigte die deutsche Kanzlerin Angela Merkel den Übergangskredit in Höhe von 150 Millionen Euro an die insolvente Fluggesellschaft. Zehntausende Kunden von Air Berlin im Stich zu lassen, "weil Benzin nicht bezahlt werden kann und die Tickets verfallen, das wäre, glaube ich, nicht angemessen gewesen".

"Sehen 150 Millionen Euro nie"
Mit dem Übergangskredit will der Bund nach eigenen Angaben den Flugbetrieb vorerst sicherstellen, um etwa Urlaubern die Heimreise zu gewährleisten. Der Kredit sorgt dafür, dass Air Berlin die nächsten drei Monate überbrücken kann und die Maschinen nicht am Boden bleiben müssen. Allerdings gibt es auch in Merkels CDU Zweifel ob der Rückzahlung: "Die 150 Millionen Euro werden wir nie wieder sehen", sagte Michael Fuchs, stellvertretender Vorsitzender der Bundestagsfraktion.

Deutsche Medien erwarten eine Totalzerschlagung und das baldige Aus der Marke Air Berlin. Die österreichische Tochter Niki (850 Beschäftigte) soll jetzt aus der Insolvenz herausgehalten werden. Am Mittwoch informierte der Niki-Vorstand die Mitarbeiter über den Fortbestand der Airline. Es galt auch Kunden zu beruhigen. Eine für Mittwoch anberaumte Kollektivvertragsverhandlungsrunde wurde auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Niki könnte dem Vernehmen nach Teil von Eurowings werden oder beim Reisekonzern Thomas Cook andocken.

Air Berlin betreibt derzeit eine Flotte von rund 140 Flugzeugen. 38 davon fliegen mit Besatzungen bereits seit Februar für Lufthansa beziehungsweise Eurowings - fünf davon bei der Lufthansa-Tochter AUA. Laut "Süddeutscher Zeitung" hält die Lufthansa bis zu 80 zusätzliche Jets für genehmigungsfähig. Für die ebenfalls interessierte Easyjet würden dann noch etwa 20 bleiben.




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Dokument erstellt am 2017-08-16 17:54:03



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