• vom 01.09.2017, 16:56 Uhr

International

Update: 01.09.2017, 17:16 Uhr

Fairtrade

"Die sozialen Dimensionen gehen verloren"




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Bietet die Digitalisierung hierfür Chancen?

Nachhaltiger, verantwortungsvoller Konsum ist nicht einfach, die Entscheidungen zu treffen ist kompliziert. Digitalisierung kann helfen, an sämtliche Informationen zu gelangen und diese auch auszuwerten. Das betrifft wichtige Aspekte wie Gesundheit, Soziales und Umwelt, denn die Frage ist immer: Wie können wir das alles wissen? Ein Label ist nur ein Sticker, aber es gibt bereits Innovationen in der mobilen Technologie, die Anwendung finden, wie etwa Barcode-Scanning. Mit dem Smartphone kann der Kunde den Strichcode scannen und erhält Informationen zum Produkt aus einer Datenbank. Das ist immer noch viel Arbeit, denn kaum ein Konsument will in den Supermarkt gehen und jedes Produkt erst einmal scannen und sich etwas dazu durchlesen - das nimmt zu viel Zeit in Anspruch. Es ist keine perfekte Lösung. Außerdem: Selbst wenn alle in den Supermarkt gehen und scannen, ist das beste Produkt vielleicht das vom Nachbarn, das gar keinen Barcode hat. Ich sehe da positive Möglichkeiten, aber auch die Grenzen der neuen Technologie.

Wie ändert die Digitalisierung die Rolle der Konsumenten?

Natürlich bieten neue Technologien und Medien die Möglichkeit, sich besser zu informieren und zu organisieren. Das ist wichtig. Aber unsere Kaufentscheidungen sind stark geprägt von sozialen Gewohnheiten. Es ist vielmehr die Frage, was wir immer getan haben und welche Handlungen wir bei anderen gesehen haben. Das ist ein wichtiger Hebel, wenn es darum geht, wie wir verantwortungsvoller handeln können. Soziale Lösungen sind vielleicht doch wichtiger. Die bisherige Beobachtung von Konsumenten zeigt: Was du kaufst, hat schon deine Mutter gekauft und kaufen deine Freunde - das beeinflusst unsere Konsumgewohnheiten viel stärker als technische, theoretisch verfügbare Information.

Zertifizierungen, Barcode-Scanning - das sind Chancen für große Händler und Produzenten, die bereits mitmischen. Welche Chance haben die Kleinen?

Die Chancen für die kleinen Produzenten, besonders bei Lebensmitteln, wachsen ungemein schnell. Es gibt immer mehr Konsumenten, die lieber Lokales essen und in kleineren Läden kaufen. Sie besuchen Bauernmärkte, bestellen Bauernkisten - all diese alternativen Wege, auch mittels Sharing Economy, Lebensmittel zu erwerben, wachsen weltweit. Kleinere Landwirte generieren neue Märkte und steigern ihre Einnahmen mit dem Verkauf von Produkten, die gar nicht im Supermarkt zu finden sind und es auch nie hinein schaffen würden.

Auf dem Land wird gerne mit dem Auto zum großen Supermarkt gefahren, während der Greißler im Ort zusperrt . . .

Die Handelskonzentration in Europa ist sehr hoch, das ist eine ziemliche Herausforderung. In den USA ist die Konzentration des Einzelhandels geringer, wir haben mehr Supermärkte. Wir haben aber auch mehr alternative Wege, über die Bauern ihre Produkte verkaufen. Wir haben zahlreiche Bauernmärkte, aber auch die Kistenlieferung von Bauern direkt an die Kunden wächst enorm.


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Dokument erstellt am 2017-09-01 17:00:06
Letzte Änderung am 2017-09-01 17:16:53



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