• vom 04.09.2017, 22:51 Uhr

International


Luftfahrt

Beihilfe für Air Berlin ist aus Sicht der EU-Kommission legal




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  • Die EU erlaubt den deutschen Staatskredit für die Fluglinie, weil er in Tranchen ausgezahlt wird.

Auf den Schwingen von 150 Millionen Euro Überbrückungskredit. - © reuters/Bensch

Auf den Schwingen von 150 Millionen Euro Überbrückungskredit. © reuters/Bensch

Berlin. Die Europäische Union verschafft der deutschen Pleite-Fluglinie Air Berlin, Mutter der österreichischen Niki Luftfahrt, mehr Luft im laufenden Verkaufspoker. Das 150 Millionen Euro schwere Überbrückungsdarlehen für die Airline sei geprüft und genehmigt worden, teilte die Europäische Kommission am Montag mit. Die Zahlung stehe im Einklang mit EU-Recht. Der Wettbewerb werde nicht übermäßig verfälscht. Entscheidend dafür ist nach Meinung der Kommission, dass der staatliche Kredit nur in Tranchen ausgezahlt werde. Die Fluggesellschaft müsse dabei ihren Finanzbedarf jede Woche nachweisen, neue Kredittranchen sollen jeweils erst dann freigegeben werden, wenn alle Mittel aufgebraucht sind. Deutschland müsse zudem sicherstellen, dass der Kredit vollständig zurückgezahlt werde oder einen Abwicklungsplan für Air Berlin vorlegen.

Der Staatskredit der deutschen Regierung ist hoch umstritten. Ryanair-Chef Michael O’Leary hatte die Staatshilfe als indirekte illegale Hilfe für die Lufthansa kritisiert, deren Marktanteil bei einer Übernahme auf Inlandsstrecken auf knapp 95 Prozent steigen würde.


Durch den nun durchgewunkenen Kredit soll die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft in die Lage versetzt werden, in den kommenden Monaten bis zum Abschluss der Verkaufsverhandlungen weiterzufliegen. Deutschland stellt die Kreditlinie zur Verfügung, doch musste Brüssel der Aktion noch zustimmen. Air Berlin selbst und die deutsche Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries begrüßten am Montag naturgemäß die Freigabe.

Interessenten mehren sich
Air Berlin musste Mitte August nach jahrelangen Verlusten Insolvenz anmelden. Zuvor hatte die arabische Fluglinie Etihad, die die Berliner mit Geldspritzen in der Luft hielt, den Geldhahn zugedreht. Seitdem wird händeringend nach Käufern gesucht. Derzeit gilt Platzhirsch Lufthansa als aussichtsreichster Bieter. Zu den weiteren Interessenten zählen die britische Easyjet und der deutsche Ferienflieger Condor. Aber der Kreis jener, die Interesse bekunden, wächst derzeit kontinuierlich.

Basisgeschäft Mallorca
Mitbieten will nun etwa auch der Berliner Unternehmer Alexander Skora, der Eigentümer des Hostels Happy Go Lucky in Berlin, gemeinsam mit einem Konsortium aus israelischen, kanadischen und US-Investoren. Dabei will er die Airline unter anderem zu ihrem Basisgeschäft mit Strecken nach Mallorca und zu anderen Zielen zurückführen. So könne Air Berlin "reduziert weiterfliegen" und "nach und nach wieder wachsen", erklärte er. Außerdem strebt Skora eine Art Auktionsmodell mit einem Mindestpreis für die Tickets an.

Interesse hat nach Recherchen des "Handelsblatts" und des "Spiegel" außerdem der frühere Chef des Energiekonzerns EnBW (Energie Baden-Württemberg), Utz Claassen. Demnach prüft er bereits Geschäftszahlen des Unternehmens. Konkreter wollte sich Claassen im "Handelsblatt" nicht äußern. Er betonte aber, es gebe "immer irgendwo restrukturierungswillige und -fähige Investoren - jedenfalls dann, wenn sie nicht schon vorab durch politisches Gepolter verschreckt werden". Claassen kritisierte die Einmischung der Politik in das Insolvenzverfahren als "dumm und inakzeptabel". Der Insolvenzverwalter müsse im Sinne der Gläubigerinteressen handeln und nicht im Sinne parteipolitischer Wahlkampfinteressen, sagte er. Spitzenpolitiker hatten in der Vergangenheit bereits ihre Präferenz für die interessierte Lufthansa erkennen lassen.

Bis zum 15. September sammeln die Air-Berlin-Insolvenzverwalter verbindliche Angebote von Investoren ein. Verhandlungskreisen zufolge könnte bestenfalls bereits am 21. September feststehen, wer welche Teile von Air Berlin bekommt. Das Unternehmen muss aufs Tempo drücken, da die finanziellen Mittel nun begrenzt sind. Um die Kosten zu drücken, wurde beschlossen, verlustträchtige Langstreckenflüge in rund vier Wochen einzustellen.




Schlagwörter

Luftfahrt, Air Berlin

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Dokument erstellt am 2017-09-04 18:57:05
Letzte nderung am 2017-09-04 21:33:06



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