• vom 07.09.2017, 17:28 Uhr

International

Update: 07.09.2017, 17:42 Uhr

Zinsentscheid

"Müssen Geduld haben"




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Von Konstanze Walther

  • Mario Draghi, Chef der EZB, vertröstet die Märkte: Die Zinsen bleiben noch lange bei null.

Kein Mann fürs Schnelle: Mario Draghi.

Kein Mann fürs Schnelle: Mario Draghi.© reuters/Kai Pfaffenbach Kein Mann fürs Schnelle: Mario Draghi.© reuters/Kai Pfaffenbach

Frankfurt. "Wir erwarten, dass die Zinsen noch lange auf dem Niveau bleiben - und zwar weit über den Zeithorizont unseres Anleihenkaufprogramms hinaus", eröffnet Mario Draghi die Pressekonferenz. Klingt verblümt und kompliziert. Aber der gelernte Beobachter der Europäischen Zentralbank (EZB) weiß sofort, was EZB-Chef Mario Draghi mit dem verbrämten Satz meint, den er übrigens im Laufe der Präsentation noch dreimal wiederholen wird. Die Zinssätze bleiben gleich. Und zwar noch lange. Das bedeutet, der Zinssatz für Hauptrefinanzierungsgeschäfte bleibt auf dem historischen Tief von 0,00 Prozent. Der für Spitzenfinanzierungsfazilitäten bleibt bei 0,25 Prozent. Und der Strafzins für Einlagen von Banken bleibt bei minus 0,40 Prozent. Noch lange. Aber wie lange noch? "Bis weit über den Zeithorizont unseres Anleihenkaufprogramms", wiederholt Draghi mechanisch.

Nun weiß der Beobachter: Das Anleihenkaufprogramm läuft geplanterweise bis Ende Dezember 2017. Noch vier Monate wird es also die geldpolitischen Sondermaßnahmen im Ausmaß von 60 Milliarden Euro geben, mit denen die EZB Anleihen kauft, um den wirtschaftlichen Kreislauf des Euroraums in Schwung zu bringen.


"Verbotene Staatsfinanzierung!", heißt es von den Skeptikern, die vor allem aus Deutschland kommen: Denn die EZB kaufe so auch Anleihen von Ländern, die sonst vielleicht Schwierigkeiten hätten.

"Europa versinkt demnächst in der Inflation!", heißt es von anderen Kritikern, die in der kontinuierlichen Ausweitung der Geldmenge die nächste große Blase sehen, deren Zerplatzen die Wirtschaft in die nächste große Krise stürzt. Alles nur, weil sich Draghi nicht dazu entscheiden könne, die geldpolitischen Sondermaßnahmen endlich zu kappen.

Deutsche Angst als Lehnwort
Er verstehe nicht, sagt ein Journalist aus Deutschland: Die volkswirtschaftlichen Parameter entwickeln sich doch gut. Wieso brauche es also weiter solche Sondermaßnahmen, die doch eine Gefahr darstellen, uns wieder an den Rand eines Abgrundes zu bringen.

Draghi hat mit dieser Frage gerechnet. Scharf weist er den Journalisten zurecht: "Bis jetzt haben alle Länder von unseren geldpolitischen Maßnahmen sehr stark profitiert", sagt Draghi und betont Worte wie "alle Länder" und "sehr stark profitiert". Diese Angst habe keine Grundlage, die sie rechtfertigen würde. Auch diesen Satz wiederholt Draghi, beim zweiten Mal sagt er das Wort "Angst" sogar auf Deutsch, als wäre es ein Lehnwort im Englischen so wie "Zeitgeist" - die Pressekonferenz ist selbstverständlich insgesamt auf Englisch gehalten.

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Dokument erstellt am 2017-09-07 17:33:16
Letzte nderung am 2017-09-07 17:42:19



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