• vom 12.09.2017, 17:52 Uhr

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Air Berlin strich 100 Flüge wegen kranker Piloten




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  • Kriselnde Fluglinie kritisierte ihre Flugkapitäne - Pilotengewerkschaft rief die Kollegen auf, zu arbeiten.

Berlin. Air Berlin sieht ihre Rettung durch Krankmeldungen vieler Piloten in Gefahr. Denn mitten im Verkaufsprozess musste die insolvente Fluggesellschaft am Dienstag rund 100 Flüge streichen, davon acht von oder nach Wien. "Heute ist ein Tag, der die Existenz der Air Berlin bedroht", schrieb Flottenchef Oliver Iffert in einem Brief an die Belegschaft. Tausende von Passagieren würden vergeblich auf ihren Abflug warten. Viele Kunden machten ihrem Ärger in den sozialen Netzwerken Luft.

"Spontane Aktion"
Der Grund für die Flugstreichungen sei eindeutig, erklärte Air Berlin: "Es gibt heute rund 200 Krankmeldungen im Cockpit, vor allem von Kapitänen." Die "Bild"-Zeitung berichtete, Hintergrund sei, dass am Montag Verhandlungen zum Übergang von 1200 der 1500 Air-Berlin-Piloten auf den potenziellen neuen Käufer von der Geschäftsführung abgebrochen worden seien. Ein Air-Berlin-Sprecher dementierte dies allerdings. Vielmehr hätte es am Dienstag Gespräche mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) gegeben. Diese sprach von spontanen Aktionen und erklärte, sie habe Piloten nicht dazu aufgerufen, sich krankzumelden. Die Piloten müssten den aktuellen Flugbetrieb sicherstellen. Ansonsten sei ein Lösungsweg am Verhandlungstisch "unmöglich".


Ein Hauptgrund für die Krankmeldungen könnte sein, dass das Management bisher Verhandlungen darüber ablehne, nach welchen Maßstäben die Piloten in eine neue Gesellschaft übernommen würden, sagte ein VC-Sprecher. "Das sorgt natürlich für wahnsinnig viel Unmut." Wichtig seien nun Verhandlungen über einen geregelten Übergang der Mitarbeiter. Für Missstimmung habe auch die Ankündigung von Air Berlin geführt, ab 25. September das Karibik-Flugprogramm zu beenden und die Streichung von USA-Flügen vorzuziehen. Die Langstrecken-Flüge werden häufig von erfahrenen Piloten absolviert und sind besonders attraktiv für die Flugzeugführer. "Das Management nutzt die Situation dafür, um die teureren Piloten zu kündigen. Hier wird die Braut ganz offensichtlich für den Verkauf hübsch gemacht."

Schaden in Millionenhöhe
Air Berlin hatte im August Insolvenz angemeldet, weil der Großaktionär Etihad den Geldhahn zudrehte. Nun lotet Sachwalter Lucas Flöther zusammen mit dem Management Lösungen für eine Sanierung aus. Interessenten können ihre Angebote bis zum 15. September abgeben. Eine Entscheidung über den Verkauf der Airline als Ganzes oder Teile davon könnte kurz danach fallen. "Unser Ziel ist, dass wir bereits im Gläubigerausschuss am 21. September zu konkreten Entscheidungen kommen", schrieb Iffert.

Die Flugausfälle könnten einem Brancheninsider zufolge zu vier bis fünf Millionen Euro Verlust führen. Konzernchef Thomas Winkelmann sagte nur: "Der heutige Tag kostet uns mehrere Millionen Euro." Die Airline müsse nun schnellstmöglich zu stabilen Betriebsabläufen zurückfinden. Das sei die zwingende Voraussetzung für erfolgreiche Verhandlungen mit Investoren.

Die Gewerkschaft Verdi zeigte derweil Verständnis für die Krankmeldungen. Sie seien "in dieser Situation keinesfalls verwunderlich". Es sei nicht auszuschließen, dass es auch bei anderen Beschäftigten dazu kommen könne. In den Gesprächen der Investoren müssten nicht nur wirtschaftliche Interessen im Fokus stehen, sondern auch die mehr als 8000 Arbeitsplätze. "Angst und Wut der Air Berliner eskalieren, weil es hier um Existenzen ganzer Familien geht", warnte Verdi-Bundesvorstand Christine Behle.




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Luftfahrt, Air Berlin

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