• vom 12.10.2017, 19:18 Uhr

International


Air Berlin

Es kommt doch auf die Größe an




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Von Ronald Schönhuber

  • Die Air Berlin sollte einmal der Lufthansa Paroli bieten. Dass sie nun von ihr geschluckt wird, ist nicht nur das Resultat von Management-Fehlern. Denn Überleben werden in der Luftfahrt langfristig wohl nur die Branchen-Riesen.

Die Übernahme wird am Donnerstag perfekt gemacht: Die Lufthansa bezahlt für die Air Berlin 210 Millionen Euro. - © reuters

Die Übernahme wird am Donnerstag perfekt gemacht: Die Lufthansa bezahlt für die Air Berlin 210 Millionen Euro. © reuters

Berlin. Dass es einmal so enden wird, hat sich Joachim Hunold im April 1991 wohl nicht gedacht. Damals steckt der ehemalige LTU-Manager das Geld aus seiner Abfindung in die zu diesem Zeitpunkt noch sehr kleine Air Berlin, um eine neue Art von Fluglinie zu schaffen. Dafür setzt der neue Mehrheitseigentümer den Sparstift an und stellt Mitarbeiter nicht mehr direkt, sondern über externe Dienstleister an. Aus Kostengründen fliegen die Air-Berlin-Maschinen zudem vorwiegend billigere Regionalflughäfen an, später ist die Airline auch eine der Ersten, die auf den Ticketverkauf im Internet setzt. Begleitet wird all das von einer großangelegten Expansionsstrategie: Zunächst wird die Frequenz auf den klassischen Urlaubsrouten massiv erhöht, in den folgenden Jahren kommen auch zahlreiche Langstreckendestinationen dazu. Welches Ziel Hunold damit verfolgt ist so gut wie jedem in der Branche klar: Die Air Berlin soll ein ernstzunehmender und auf Augenhöhe agierender Gegenspieler der Lufthansa werden.

26 Jahre nach Hunolds Einstieg ist dieser Traum nun am Donnerstag mit dem bitterst möglichen Ausgang zu Ende gegangen: Die Lufthansa übernimmt große Teile der seit 2008 immer tiefer in die roten Zahlen gerutschten und mittlerweile insolventen Air Berlin. "Wir werden heute einen echten Meilenstein in der Geschichte der Lufthansa und Berlin sehen", kündigt Lufthansa-Chef Carsten Spohr noch kurz vor der Vertragsunterzeichnung an. Schließlich sei die Lufthansa ja 1926 auch in Berlin gegründet worden.


Die Lufthansa will mit den 81 Maschinen der zuletzt 130 Flugzeuge starken Air-Berlin-Flotte vor allem ihre Billigtochter Eurowings ausbauen, um sie für den Wettbewerb mit der irischen Ryanair und der britischen EasyJet zu stärken. Von Bedeutung sind für die Lufthansa aber auch die sogenannten Slots. Denn die Start- und Landerechte sind an den großen Flughäfen zu einem knappen Gut geworden, für das sich vor allem Airlines mit Expanisongelüsten interessieren. Mit der Übernahme der Air-Berlin-Slots hat die Lufthansa daher auch vorgebaut, dass die Konkurrenz in großem Stil in den innerdeutschen Luftverkehrsmarkt eintreten kann.

Easy Jet zögert
Für die Übernahme der Air Berlin zahlt die Lufthansa rund 210 Millionen Euro. Zusätzlich sollen noch 100 Millionen Euro fließen, um den Flugbetrieb weiter aufrechterhalten zu können. Von den gut 8000 Mitarbeitern hat zudem ein großer Teil der Piloten und Flugbegleiter gute Chancen, bei der Lufthansa unterzukommen. Um ihre Jobs zittern müssen allerdings die Air-Berlin-Mitarbeiter von Verwaltung und Technik.

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Schlagwörter

Air Berlin, Lufthansa, Luftfahrt

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Dokument erstellt am 2017-10-12 19:24:09



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