• vom 03.01.2018, 17:35 Uhr

International

Update: 03.01.2018, 17:41 Uhr

Frankreich

Weitere Privatisierungen in Frankreich geplant




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Von Anja Stegmaier

  • Macron will zehn Milliarden Euro für seinen Innovationsfonds.

Paris. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron geht mit zahlreichen Reformprojekten ins neue Jahr. Darunter ein enormes Privatisierungsvorhaben von staatlichen Anteilen an französischen Unternehmen. Die geplanten Einnahmen von zehn Milliarden Euro sollen in einen Innovationsfonds fließen, aus dem zukunftsträchtige Projekte in Industrie und Forschung finanziert werden sollen.

Der Steuerzahler werde sehen, dass das Geld "für die Zukunft und nicht die Vergangenheit" ausgegeben werde, versprach Macron bereits im Präsidentschaftswahlkampf. Er fordert damit ein Umdenken in Frankreich heraus - weg vom traditionellen Wirtschaftsprotektionismus hin zu mehr Privatinitiative. Frankreich hält Anteile an 81 französischen Unternehmen im Wert von etwa 100 Milliarden Euro - beim Rüstungsunternehmen Safran, über Autohersteller Renault bis zur Elektrizitätsgesellschaft EDF.


Privatisierung von Aéroports de Paris?
Bereits Anfang September des vergangenen Jahres begann Macron mit dem Ausverkauf staatlicher Minderheitsanteile. Seine Regierung hatte Aktien beim Energieversorger Engie losgeschlagen. Mit den veräußerten 4,5 Prozent wurden rund 1,53 Milliarden Euro eingenommen. Damit reduzierten sich die Staatsanteile bei Engie auf 25,5 Prozent. Auch bei Renault wurden in Folge fünf Prozent der Anteile für 1,2 Milliarden Euro verkauft, der Staat hält somit noch 15,1 Prozent. Da es sich hier um Minderheitsbeteiligungen handelt, ändert sich der strategische Ansatz in Bezug auf die Unternehmen nicht wesentlich.

2018 sollen weitere Verkäufe folgen, Analysten erwarten neben dem Verkauf von weiteren Anteilen bei Engie auch einen Ausverkauf bei der staatlichen Lotto-Gesellschaft Française des Jeux und Orange, dem größten Telekommunikationsanbieter in Frankreich.

Im Fokus der Beobachter steht allerdings der börsennotierte Flughafenbetreiber Aéroports de Paris (ADP). Das Unternehmen betreibt unter anderen die drei großen Verkehrsflughäfen von Paris: Charles de Gaulle, Orly und Le Bourget. Laut einem Bericht der "Financial Times" soll die Regierung gemäß mehreren Quellen die Tochter der Bank of America, Merill Lynch, bereits mit dem Ausloten der Optionen eines Verkaufs der ADP beauftragt haben. Frankreich besitzt 50,6 Prozent an dem Unternehmen mit einem Börsenwert von 15,6 Milliarden Euro. Die staatliche Agentur, die die Anteile Frankreichs an Unternehmen verwaltet, bestätigte dies gegenüber der Wirtschaftszeitung jedoch nicht. Keine Entscheidungen seien diesbezüglich getroffen worden, heißt es. Beobachter erwarten, dass der Anteil auf zehn oder 20 Prozent 2018 verringert wird.

Das Vorhaben erntet auch Kritik. Banker warnen vor Komplikationen bei der Privatisierung eines von Frankreichs größten Infrastrukturanbietern. Zum einen wären rechtliche Hürden zu nehmen - ADP ist im Besitz des Flughafengrundes mit unbefristeter Lizenz. Das Vorhaben gilt zudem als politisch sensibel - würde doch ein großer öffentlicher Dienstleister damit in private Hände wandern. Beobachter halten einen Kauf der Anteile von Vinci - der Konzessions- und Baukonzern ist nach dem Staat mit acht Prozent zweitgrößter Anteilseigner - für sehr wahrscheinlich.




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Dokument erstellt am 2018-01-03 17:38:06
Letzte ńnderung am 2018-01-03 17:41:06



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