• vom 13.01.2018, 11:00 Uhr

International


Weltwirtschaft

Industrie 4.0 als elitärer Klub




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Von Ronald Schönhuber

  • Laut einer neuen Studie sind nur 25 Länder gut auf die Umwälzungen durch Digitalisierung und Automatisierung vorbereitet.

Roboter übernehmen in Fabriken derzeit vor allem noch simple und monotone Routinearbeiten. In nicht allzu ferner Zukunft sollen sie aber auch in komplexe und selbstlernende Systeme eingebunden werden.

Roboter übernehmen in Fabriken derzeit vor allem noch simple und monotone Routinearbeiten. In nicht allzu ferner Zukunft sollen sie aber auch in komplexe und selbstlernende Systeme eingebunden werden.© reuters Roboter übernehmen in Fabriken derzeit vor allem noch simple und monotone Routinearbeiten. In nicht allzu ferner Zukunft sollen sie aber auch in komplexe und selbstlernende Systeme eingebunden werden.© reuters

Wien. Die vierte industrielle Revolution ist zu allervorderst ein Effizienzversprechen. In nahezu voll automatisierten Fabriken kommunizieren intelligente Komponenten selbständig miteinander, sie verwalten Bestellungen, organisieren den Nachschub und sorgen sogar dafür, dass sie gewartet werden, wenn der Verschleiß ein bestimmtes Maß überschritten hat. Dabei lernen die Maschinen und die sie steuernden Systeme auch fortwährend dazu, wodurch Fehler minimiert werden und der gesamte Produktionsprozess immer effizienter wird. Um bis zu 30 Prozent sollen solche Fabriken ihren aktuellen Pendants überlegen sein, mit dementsprechenden Vorteilen bei Produktions- und Lohnkosten.

Doch von den Heilsversprechen der Industrie 4.0 dürften weltweit nur wenige Staaten profitieren. So geht eine neue Studie, die im Auftrag des am 23. Jänner beginnenden Davoser Weltwirtschaftsforum erstellt worden ist, davon aus, dass die umfassende Transformation der Produktionsprozesse in vielfacher Hinsicht zu einer globalen Zwei-Klassen-Gesellschaft führen dürften. Denn gut auf die vierte industrielle Revolution vorbereitet sind derzeit nur rund 25 Staaten, die allesamt in Europa, Nordamerika oder Ostasien liegen und in der globalen Hackordnung ohnehin schon weit oben stehen. So werden aktuell etwa 70 Prozent aller Roboter nach China, Deutschland, Japan, Südkorea und in die Vereinigten Staaten verkauft.


Sorgen in Asien
Laut den Studienautoren kommt es allerdings nicht auf die Größe einer Volkswirtschaft an, wenn es darum geht, welches Land wie gut auf die Umwälzungen der kommenden Jahre vorbereitet ist. So können auch kleine Länder wie die Schweiz oder Singapur dank ihrer hochkomplexen Wirtschaftsstruktur und ihrem hohen Innovationspotenzial vorne mitmischen. Auch Österreich, wo die Alpen Adria Universität Klagenfurt und die Technische Universität Graz am Freitag die Einrichtung einer gemeinsamen Stiftungsprofessur für die Industrie 4.0 angekündigt haben, gehört zu dieser Spitzengruppe der 25.

90 Prozent der Länder in Afrika, in Lateinamerika, im Nahen Osten und in Zentralasien sind dagegen nur schlecht für die zukünftigen Herausforderungen gerüstet und dürften dementsprechend auch kaum von der zunehmenden Digitalisierung und Automatisierung profitieren. Viele von ihnen werden nach Ansicht der Studienautoren daher weiterhin ihr Heil in ihrer Rolle als Niedriglohnland und verlängerter Werkbank suchen, obwohl diese Strategie zunehmend geringeren Erfolg haben wird. Bereits jetzt schon geht in vielen asiatischen Ländern die Angst um, dass mit der Automatisierung und dem damit einhergehenden Verlust des Standortvorteils ein gewaltiges Heer an Arbeitslosen entstehen könnte. Denn in Vietnam arbeiten 41 Prozent der Beschäftigten als ungelernte Kräfte, die wohl am ehesten durch Roboter ersetzt werden könnten. Auf den Philippinen sind es 33 Prozent.

Digitalisierung als Sprungbrett
Allerdings könnten Automatisierung und Digitalisierung in einigen Fällen auch als Sprungbrett fungieren und eine Aufholjagd ermöglichen. Denn für Länder ohne starke Fertigungsinfrastruktur wie etwa die Vereinigten Arabischen Emirate bietet die Industrie 4.0 die seltene Gelegenheit, viele kostspielige Zwischenschritte der Industrialisierung zu überspringen und gleich bei der Vollautomatisierung einzusteigen. Analog dazu könnten ehemals in Niedriglohnländern ausgelagerte Produktionsstätten im Zuge der vierten industriellen Revolution wieder zurückgeholt oder näher an die eigentlichen Absatzmärkte gebracht werden.




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Dokument erstellt am 2018-01-12 18:29:06



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