Wien.

Am Freitag - also nur einen Tag später - bezifferte Erste-Chef Andreas Treichl anlässlich der Präsentation der Bilanz zum dritten Quartal vor Analysten den tatsächlichen Zusatzbedarf dann allerdings mit 750 Millionen Euro. Grund für die drastische Veränderung sind offensichtlich massive Abschreibungen auf Firmenwerte und Wertpapiere, die die Erste im dritten Quartal vornehmen musste. Diese Maßnahmen waren freilich bereits vor mehreren Wochen angekündigt worden.
Auch damals hat die Erste Group ihren Investoren einen Schock verpasst: Positive Gewinnerwartungen im hohen dreistelligen Millionenbereich wurden mit einem Schlag zu einer Verlustprognose für das Gesamtjahr von 700 bis 800 Millionen Euro. Nun ermittelt die Finanzmarktaufsicht wegen des Verdachts der Marktmanipulation und Verletzung der Ad-hoc-Pflicht. Treichl soll nur zwei Wochen vor der Verlustwarnung in einem Interview erklärt haben, die Bank halte an ihrer Gewinnprognose für 2011 fest. Der Bankchef weist dies nun in einem Brief an die Aktionäre zurück: Es habe "Unklarheit" gegeben. Die Erste habe seit mehr als drei Jahren keine Gewinnprognosen gemacht. "Während mein Hinweis auf ein starkes Betriebsergebnis im ursprünglichen, deutschsprachigen Bericht von Reuters sehr wohl enthalten war, war dies bei darauf folgenden Medienberichten offenbar nicht mehr der Fall", meint Treichl. Das sei "äußerst bedauerlich", aber "nicht verhinderbar".
CDS weitgehend abgebaut
Tatsächlich beträgt der Verlust nach den ersten drei Quartalen nun 973 Millionen Euro. Nach einer - nun durchgeführten - nachträglichen Abschreibung von mehr als hundert Millionen Euro erwirtschaftete die Bank im Vergleichszeitraum des Vorjahres einen Gewinn von 633,8 Millionen Euro. Im dritten Quartal 2011 büßte die Bank 1493,8 Millionen Euro ein.
Da nachträglich der Vorjahresgewinn von 1015,4 auf 878,9 Millionen Euro gesenkt wurde, mussten die Bank-Vorstände insgesamt 1,9 Millionen Euro an zu viel erhaltenen Bonus-Zahlungen zurücküberweisen. Dies sei bereits erledigt, hieß es am Freitag.
Fast erledigt ist auch das Thema CDS: Ein gewichtiger Teil der Verluste ist auf diese sogenannten Kreditausfallsversicherungen zurückzuführen. Innerhalb weniger Wochen wurde deren Volumen durch Verkäufe nun von 5,2 auf 0,3 Milliarden Euro reduziert, bis zum Jahresende will man sämtliche derartigen Papiere los sein. Der zusätzliche Kapitalbedarf soll durch das Einbehalten von Gewinnen, den Abbau von Risiken - aber möglicherweise auch durch Änderungen in der Bilanzierung des Sparkassen-Verbundes - gedeckt werden.
Anlass zur Sorge gibt die Entwicklung in Ungarn: Dort mussten in den neun Monaten netto 701,3 Millionen Euro als Vorsorgen für problematische Kredite und andere - teils als politisch angesehene - Risiken zurückgelegt werden. Nach einem jüngst verabschiedeten Gesetz, durch das Banken einen Teil der Verluste ihrer Fremdwährungskreditnehmer tragen müssen, hat Ministerpräsident Viktor Orban nun eine "Re-Regulierung" des Bankensektors angekündigt.
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