• Artikel vom 21.12.2011, 12:14 Uhr

Österreich

Update: 21.12.2011, 14:18 Uhr
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"Kopfgeld" und Klagsandrohungen sorgen für Spott und Empörung

Westbahn patzt im Internet


Von Stefan Meisterle
  • Graffiti als Ausgangspunkt für hitzige Debatten.

Westbahn sieht im Web trotz hoher Interaktivität unglücklich aus. - APAweb/Herbert Neubauer

Westbahn sieht im Web trotz hoher Interaktivität unglücklich aus. APAweb/Herbert Neubauer

Wien. Knappe zwei Wochen ist die Westbahn erst auf Schiene und schon muss das private Bahnunternehmen um sein Image fürchten. Und zwar nicht etwa wegen unpünktlicher Züge oder enttäuschender Serviceleistungen - sondern wegen umstrittener Postings auf Facebook und in einigen Webforen. Dabei war der Anlass für die Aufregung ein vermeintlich geringer: ein Grafiti auf einem der Westbahnzüge.

"Graffiti auf der WESTbahn!", beklagte die Westbahn in ihrem folgenschweren Posting auf der eigenen Facebook-Seite. Zu dem groß in Szene gesetzten Bild des Graffiti fand sich folgender Text: "Für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen, ist eine Belohnung in der Höhe von 5.000,-€ ausgesetzt." Für besondere Häme und umgehende kritische Reaktionen der Facebook-Community sorgte speziell zunächst dieser Zusatz: "Gestern zwischen 20.45 und 21.00Uhr in Salzburg hat jemand einen großen Fehler begangen. Er hat die WESTbahn beschädigt."

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"Ich verstehe keinen Spaß"
Kaum war das Posting publiziert, fanden sich die ersten ironischen Kommentare. Westbahn-Geschäftsführer Manfred Wehinger platzte offenbar der Kragen, er griff selbst in die Tasten: "Ich verstehe keinen Spass in diesem Zusammenhang und wir werden NULL Toleranz nach Ergreifung der Täter einräumen."

Doch der Ton sollte sich noch weiter verschärften. Ein Facebook-Nutzer behauptete an anderer Stelle, die Westbahn-Zugsführer würden Warnsignale überfahren - und zog damit den Ärger von Wehinger auf sich. Per Facebook stellte der Bahnunternehmer dem Poster ein Ultimatum: Löschen des Beitrags oder die Konsequenzen spüren. Konkret drohte Wehinger: "Sie haben bis 18:00 Zeit diese unrichtigen Anschuldigungen im Sinne einer strafrechtlichen Kreditschädigung zurück zu nehmen. Danach erfolgt die Anzeige bei der Staatsanwaltschaft auf Basis dieses Straftatbestandes. MfG  Stefan Wehinger, GF".

Der Poster lenkte ein, zog seine Behauptung zurück, wie Wehinger im Forum zum entsprechenden Artikel auf derstandard.at betonte. Doch der Geschäftsführer beließ es nicht dabei, sondern begründete seine Vorgehensweise. "
Er (der Poster, Anm.) hat uns Sicherheitsmängel vorgeworfen, die 'das Leben der Passagiere' gefährdeten. Da diese Behauptung bewiesener Maßen unrichtig ist (Schreiben der ÖBB Infra liegt vor) handelt es sich um eine Kreditschädigung nach § 152 StGB. Kein privates Unternehmen würde so etwas akzeptieren, vor allem wenn es um Sicherheitsfragen geht." Rechtfertigungen, die in ähnlicher Weise auf bahnforum.info erschienen - und da wie dort für Hohn und Spott sorgte.

"Möglicherweise zu drastisch"
Inzwischen gestand die Westbahn, dass man "möglicherweise zu drastisch" formuliert habe, wie Westbahn-Sprecher Manfred Mader einräumte. Doch die Debatten auf mehreren Social Media-Kanälen sind damit nicht verstummt. "So wird ihr Unternehmen sicherlich nicht lange halten, mangels Kundenunfreundlichkeit", schreibt ein Poster, "Ihr wisst echt, wie man sich beliebt macht", kritisiert ein anderer. Inzwischen hat sich auch eine eigene Facebook-Gruppe, die "Offiziellen Westbahn-Fans" formiert. Ironie und Spott scheint hier großgeschrieben zu werden.

Im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" betont Mader:"Wir haben die Message verstanden und werden künftig vorsichtiger kommunizieren." Problematisch sehe die Westbahn vor allem die harte Formulierung bei der Meldung des Graffiti. Weniger Bedenken hat die Westbahn freilich in Hinblick auf die Klagsandrohung per Facebook. "Die Klagsandrohung sehen wir weniger problematisch. Damit soll man nicht spaßen. Da geht es um die Sicherheit unserer Fahrgäste", so Mader. Und auch an den Social-Media-Aktionen Wehingers werde man nicht rütteln. "Der Geschäftsführer hat die Aufgabe, nach außen zu kommunizieren. Das passiert eben heute auf Facebook", meint Mader.

Dass die Vorkommnisse nicht überbewertet werden, vergisst der Unternehmenssprecher freilich nicht zu betonen. Und den Vorfällen könne man sogar Positives abgewinnen: "Immerhin haben wir so Aufmerksamkeit für unsere Facebook-Seite bekommen." Statt 4000 "Likes" habe man jetzt 5000. Mader: "Wir sind halt jetzt im Sturm - halten das aber aus."



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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2012
Dokument erstellt am 2011-12-21 12:38:04
Letzte Änderung am 2011-12-21 14:18:58


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