• Artikel vom 31.01.2012, 13:29 Uhr

Österreich

Update: 31.01.2012, 19:10 Uhr
  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



2011 brachte Umsatzrückgang in nahezu allen Einzelhandelsbranchen

Wetter und Web trübten das Handelsgeschäft


  • Schlechtestes Ergebnis seit sechs Jahren.
  • Nomineller Zuwachs glich Inflation nicht aus.

Es war kein gutes Jahr für den Einzelhandel: 2011 brachte das schlechteste Ergebnis seit sechs Jahren. - APAweb/Georg Hochmuth

Es war kein gutes Jahr für den Einzelhandel: 2011 brachte das schlechteste Ergebnis seit sechs Jahren. APAweb/Georg Hochmuth

Wien. Der österreichische Einzelhandel blickt auf ein trübes Jahr zurück. Sieht man vom Elektrohandel (+1,2 Prozent) und Drogerien/Parfümerien (+0,5 Prozent) ab, fuhren 2011 alle Branchen real (inflationsbereinigt) einen Umsatzrückgang ein. Besonders hart traf es Schuhhändler (-8,5 Prozent), Sportartikelgeschäfte (-3,9 Prozent), Bekleidungshändler (-3,8 Prozent) und Buch- bzw. Schreibwarengeschäfte (-2,7 Prozent). Auch die größte Sparte, der Lebensmittelhandel, blieb mit einem Minus von 0,7 Prozent unter dem Jahr 2010. Größere Betriebe und Unternehmen im Westen standen tendenziell besser da als kleinere und Firmen im Osten oder Süden. Im EU-Vergleich schneidet Österreich schlecht ab.

Werbung

Während die modischen Branchen unter stets falschem Wetter zur falschen Zeit litten, macht dem Buchhandel die Kundenabwanderung Richtung Internet zu schaffen. Die zentrale Frage für heuer laute: "Welche Sparmaßnahmen stehen ante portas?", sagte Peter Voithofer von der KMU Forschung Austria am Dienstag bei der Präsentation der Zahlen vor Journalisten. Handelsobfrau Bettina Lorentschitsch hofft, dass die Politik das "zarte Konjunkturpflänzchen nicht wieder abwürgt". "Der Handel in Österreich ist nach wie vor ein Job-Motor", betonte Lorentschitsch in einer Aussendung und berief sich auf die Beschäftigtenzahlen: Im Durchschnitt verfügte der Einzelhandel in Österreich (exkl. geringfügig Beschäftigte) 2011 nämlich um 2,6 Prozent mehr Arbeitsplätze als 2010.

Nomineller Zuwachs, realer Rückgang
In Summe erwirtschaftete der Einzelhandel im Vorjahr netto 51,2 Mrd. Euro, nominell entspricht das einem Zuwachs um 1,2 Prozent, real allerdings einem Rückgang um 1,7 Prozent. Das ist das schlechteste Ergebnis innerhalb der vergangenen sechs Jahre. Auch das Weihnachtsgeschäft konnte das Ruder nicht mehr herumreißen. Zwar wurde der Rekordwert des Jahres 2010 von 1,57 Mrd. Euro erreicht, aber nicht wie erhofft übertroffen. Ab dem 4. Einkaufssamstag sei die Kauflaune der Konsumenten zurückgegangen, meinte Voithofer.

Im europäischen Vergleich steigt Österreich schlecht aus. Nach Eurostat-Daten entwickelte sich der heimische Einzelhandel im Zeitraum Jänner bis November 2011 mit Ausnahme von Juni und August schwächer als in der EU-27. So recht erklären kann man sich das nicht. Ganz allgemein zeige sich, dass ein zunehmend geringerer Anteil des privaten Konsums in den Einzelhandel fließe, so Voithofer.

Obwohl die Umsätze vor allem ab dem zweiten Halbjahr 2011 talwärts zeigten, sei die Beschäftigungsentwicklung positiv gewesen, wurde heute betont. Auch für 2012 geht Lorentschitsch nicht von einem Rückgang bei den Beschäftigten aus. Im Vorjahr waren im Einzelhandel im Schnitt rund 279.000 Personen angestellt, um 2,6 Prozent mehr als im Jahr 2010. Nicht enthalten in dieser Zahl sind die etwa 52.000 geringfügig Beschäftigten, die es in der Branche gibt. Doch auch deren Anzahl erhöhte sich zwischen 2010 und 2011 um 4 Prozent.

Dass der Wettbewerb im Handel vor allem über den Preis ausgetragen wird, zeigen die durchschnittlichen Preiserhöhungen im Vergleich zur Inflationsrate. Im Schnitt stiegen die Verkaufspreise um 2,9 Prozent und lagen damit unter der Teuerung, die im vergangenen Jahr 3,3 Prozent betrug. Besonders hart ist der Preiskampf im Lebensmittelhandel, was vor allem den Diskontern wie Hofer und Lidl zu schaffen macht. Weil das Wetter nicht mitspielte, lockten Bekleidungs-, Schuh- und Sportartikelhändler im vergangenen Jahr schon früh mit großzügigen Rabatten. Das pusht zwar die Umsätze, geht aber zulasten der Margen. Zahlen zur Rentabilität nannte Voithofer auf Nachfrage nicht, verwies aber auf die allgemein niedrige Ertragskraft im Handel im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen.



1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2012
Dokument erstellt am 2012-01-31 13:38:33
Letzte Änderung am 2012-01-31 19:10:21


Beliebte Inhalte



  • Privatbank bestreitet Investment in Baumarktkette - nur Kunden beteiligt.
  • weiter

Geht es nach dem Willen des EU-Parlaments könnte die 5-Cent-Münze bald die einzige im Umlauf befindliche Kupfermünze sein. - APAweb/dpa/Karl-Josef Hildenbrand
  • Neue Banknoten im Wert von einem und zwei Euro angedacht.
  • weiter

Viele Anleger können es kaum fassen: Statt angesagter Kursexplosionen verliert die Facebook-Aktie laufend an Boden. - APAweb/AP/Richard Drew
  • Kritik an den Börsengang begleitenden Großbanken wird lauter.
  • weiter

Tausende Schlecker-Beschäftigte hängen in der Luft. - APAweb/epa/Jochen Lübke
  • Gläubiger können Zerschlagung noch diese Woche veranlassen.
  • weiter

Wien. Der AUA-Pilotenstreit köchelt weiter. Jetzt steht Pfingsten vor der Tür, und viele Kurzurlauber, die bei Austrian gebucht haben...weiter




Werbung



Die Akte Hypo - Bild: APAweb


Porträt Emilie Flöge, 1902
Gustav Klimt
Öl auf Leinwand

Vergessenes wurde wiederentdeckt. Im Naturhistorischen Museum freut man sich über die Belebung des Museums durch die Arbeit des Künstlers Daniel Spoerri. (Im Bild: "Austernschabracken-Pferdeskelett-Spießbock-Kümmerer" von Spoerri.) Blick auf das Werk "Sevilla-Series, No. 1, Tapir" des Künstlers Daniel Spoerri im Rahmen der Ausstellung "ein inkompetenter Dialog?" im Naturhistorischen Museum in Wien. Die Ausstellung ist vom 23. Mai bis 17. September 2012 zu sehen. (21. Mai)
Siehe auch: http://bit.ly/JrMvnU

Ein Demonstrant zeigt der berittenen Polizei das Victory Zeichen.  Hunderte Amerikaner gingen am Wochenende auf die Straße, um gegen den NATO-Gipfel in Chicago zu protestieren. Das amerikanische Model Lydia Hearst posiert für die Kamera.

Werbung