Wien. Der österreichische Einzelhandel blickt auf ein trübes Jahr zurück. Sieht man vom Elektrohandel (+1,2 Prozent) und Drogerien/Parfümerien (+0,5 Prozent) ab, fuhren 2011 alle Branchen real (inflationsbereinigt) einen Umsatzrückgang ein. Besonders hart traf es Schuhhändler (-8,5 Prozent), Sportartikelgeschäfte (-3,9 Prozent), Bekleidungshändler (-3,8 Prozent) und Buch- bzw. Schreibwarengeschäfte (-2,7 Prozent). Auch die größte Sparte, der Lebensmittelhandel, blieb mit einem Minus von 0,7 Prozent unter dem Jahr 2010. Größere Betriebe und Unternehmen im Westen standen tendenziell besser da als kleinere und Firmen im Osten oder Süden. Im EU-Vergleich schneidet Österreich schlecht ab.
Während die modischen Branchen unter stets falschem Wetter zur falschen Zeit litten, macht dem Buchhandel die Kundenabwanderung Richtung Internet zu schaffen. Die zentrale Frage für heuer laute: "Welche Sparmaßnahmen stehen ante portas?", sagte Peter Voithofer von der KMU Forschung Austria am Dienstag bei der Präsentation der Zahlen vor Journalisten. Handelsobfrau Bettina Lorentschitsch hofft, dass die Politik das "zarte Konjunkturpflänzchen nicht wieder abwürgt". "Der Handel in Österreich ist nach wie vor ein Job-Motor", betonte Lorentschitsch in einer Aussendung und berief sich auf die Beschäftigtenzahlen: Im Durchschnitt verfügte der Einzelhandel in Österreich (exkl. geringfügig Beschäftigte) 2011 nämlich um 2,6 Prozent mehr Arbeitsplätze als 2010.
Nomineller Zuwachs, realer Rückgang
In Summe erwirtschaftete der Einzelhandel im Vorjahr netto 51,2 Mrd. Euro, nominell entspricht das einem Zuwachs um 1,2 Prozent, real allerdings einem Rückgang um 1,7 Prozent. Das ist das schlechteste Ergebnis innerhalb der vergangenen sechs Jahre. Auch das Weihnachtsgeschäft konnte das Ruder nicht mehr herumreißen. Zwar wurde der Rekordwert des Jahres 2010 von 1,57 Mrd. Euro erreicht, aber nicht wie erhofft übertroffen. Ab dem 4. Einkaufssamstag sei die Kauflaune der Konsumenten zurückgegangen, meinte Voithofer.
Im europäischen Vergleich steigt Österreich schlecht aus. Nach Eurostat-Daten entwickelte sich der heimische Einzelhandel im Zeitraum Jänner bis November 2011 mit Ausnahme von Juni und August schwächer als in der EU-27. So recht erklären kann man sich das nicht. Ganz allgemein zeige sich, dass ein zunehmend geringerer Anteil des privaten Konsums in den Einzelhandel fließe, so Voithofer.
Obwohl die Umsätze vor allem ab dem zweiten Halbjahr 2011 talwärts zeigten, sei die Beschäftigungsentwicklung positiv gewesen, wurde heute betont. Auch für 2012 geht Lorentschitsch nicht von einem Rückgang bei den Beschäftigten aus. Im Vorjahr waren im Einzelhandel im Schnitt rund 279.000 Personen angestellt, um 2,6 Prozent mehr als im Jahr 2010. Nicht enthalten in dieser Zahl sind die etwa 52.000 geringfügig Beschäftigten, die es in der Branche gibt. Doch auch deren Anzahl erhöhte sich zwischen 2010 und 2011 um 4 Prozent.
Dass der Wettbewerb im Handel vor allem über den Preis ausgetragen wird, zeigen die durchschnittlichen Preiserhöhungen im Vergleich zur Inflationsrate. Im Schnitt stiegen die Verkaufspreise um 2,9 Prozent und lagen damit unter der Teuerung, die im vergangenen Jahr 3,3 Prozent betrug. Besonders hart ist der Preiskampf im Lebensmittelhandel, was vor allem den Diskontern wie Hofer und Lidl zu schaffen macht. Weil das Wetter nicht mitspielte, lockten Bekleidungs-, Schuh- und Sportartikelhändler im vergangenen Jahr schon früh mit großzügigen Rabatten. Das pusht zwar die Umsätze, geht aber zulasten der Margen. Zahlen zur Rentabilität nannte Voithofer auf Nachfrage nicht, verwies aber auf die allgemein niedrige Ertragskraft im Handel im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen.