• vom 28.02.2012, 18:14 Uhr

Österreich

Update: 28.02.2012, 18:33 Uhr
  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (2)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Dringender Verdacht auf illegale Preisabsprachen mit Lieferanten führte zu groß angelegter Hausdurchsuchung

Kartellhüter filzten Rewe-Zentrale


Von Sophia Freynschlag und Kid Möchel

  • Rewe will Causa nicht kommentieren, man kooperiere mit den Behörden.

Wiener Neudorf.

Im Visier der Kartellfahnder: Rewe-Zentrale in Wiener Neudorf erhielt unerwarteten Besuch.

Im Visier der Kartellfahnder: Rewe-Zentrale in Wiener Neudorf erhielt unerwarteten Besuch.© APA/GEORG HOCHMUTH Im Visier der Kartellfahnder: Rewe-Zentrale in Wiener Neudorf erhielt unerwarteten Besuch.© APA/GEORG HOCHMUTH

Seit Montag ist in der Zentrale des Lebensmittelhändlers Rewe International AG (Billa, Merkur, Penny, Adeg, Bipa) die Hölle los. Denn die Ermittler der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) sind mit einem Hausdurchsuchungsbefehl und Beamten des Landeskriminalamts Niederösterreich eingeritten. Der Verdacht: illegale Preispreisbindungen mit Lieferanten, Preisabstimmungen über Lieferanten und Abstimmung des Marktverhaltens mit Wettbewerbern.

Für den Rewe-Vorstandschef Frank Hensel war die Adhoc-Aktion ein Grund, eine Schar Firmenanwälte auffahren zu lassen. "Wir sind sehr bemüht, die Hausdurchsuchung so schnell wie möglich zum Abschluss zu bringen", sagte ein BWB-Mitarbeiter am späten Dienstagnachmittag zur "Wiener Zeitung". Denn die Suche nach mutmaßlichem Belastungsmaterial war da noch im Gange.

Bereits im Jänner hatte die BWB die Razzia beim Kartellgericht am Oberlandesgericht Wien beantragt, am 3. Februar wurde die behördliche Aktion auch genehmigt, wie OLG-Richter Reinhard Hinger bestätigt. Die Anordnung basiert unter anderem auf Paragraf 1 Kartellgesetz (Kartellverbote), nach dem "die unmittelbare oder mittelbare Festsetzung der An- oder Verkaufspreise oder sonstiger Geschäftsbedingungen" untersagt ist. Solche Vereinbarungen würden "eine Verhinderung, Einschränkung oder Verfälschung des Wettbewerbs bewirken".

Mindestpreise für Marken?
"Preisbindungen zwischen Lebensmittelhändler und Lieferanten sind Teil der Untersuchung", bestätigte BWB-Sprecherin Veronika Haubner. "Es handelt sich dabei um ein breites Spektrum an Waren, aber Kaffee wird dabei speziell genannt." Nachsatz: "Ob das mit den Eigenmarken in Zusammenhang steht, kann ich ihnen nicht sagen."

Unbestätigten Gerüchten zufolge könnte es um eine Festlegung von Mindestpreisen bei Markenprodukten gehen, um darunter die Eigenmarken positionieren zu können. "Das sind Mutmaßungen, diese Spekulationen kann ich nicht kommentieren", sagt Rewe-Sprecherin Corinna Tinkler. "Wir kooperieren mit der Behörde und stellen entsprechende Unterlagen zur Verfügung." Fakt ist, durch die Marktmacht der großen Supermarktketten, die in den vergangenen Jahren weiter gestiegen ist, wird der Preisdruck auf die Lieferanten verschärft. Die drei größten Lebensmittelhändler Rewe, Spar und Hofer kommen hierzulande gemeinsam auf mehr als 80 Prozent Marktanteil. Die BWB hat den Lebensmittelhandel bereits einmal unter die Lupe genommen. Stein des Anstoßes war die Auslistung der Wurstmarke Neuburger bei Billa 2004, weil Billa die Preiserhöhung von Neuburger nicht akzeptierte. Die BWB konnte damals keinen Missbrauch der marktbeherrschenden Stellung nachweisen. Im Endbericht der Untersuchung zur Einkaufsmacht der Lebensmittelhändler hielt die BWB 2007 fest, dass Lieferanten mit den meisten Händlern einen "Dschungel" an Konditionen und Rabatte vereinbaren, bei deren "Titulierung" der Phantasie kaum Grenzen gesetzt seien. Die Preiszugeständnisse reichten von Listungsgebühren über Platzierungsboni bis hin Umbauunterstützungen für Filialen.




1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-02-28 18:20:06
Letzte Änderung am 2012-02-28 18:33:28


Beliebte Inhalte



Herbert Stepic am Freitag vor der Presse. - APAweb/GEORG HOCHMUTH
  • Stepic stolperte über seine publik gewordenen privaten Offshore-Geschäfte.
  • weiter

Mehr als 5000 "Siemensianer" arbeiten derzeit noch in der neuen "Siemens-City" in Wien-Floridsdorf. - apa
  • Auch in Österreich wackeln bis zu 1000 Arbeitsplätze
  • weiter

  • FCC pocht angeblich auf neue Kredite und auf Haftungen der Republik.
  • weiter

  • Johann Strobl als Nachfolger von Stepic im Gespräch.
  • weiter

  • Was die Dorf-Genossen schafften, reicht heute von Rust bis Russland.
  • weiter

Herbert Stepic am Freitag vor der Presse. - APAweb/GEORG HOCHMUTH
  • Stepic stolperte über seine publik gewordenen privaten Offshore-Geschäfte.
  • weiter

Notenbank-Direktor Ittner: Seit 2002 erzielt Österreichs Volkswirtschaft Leistungsbilanzüberschüsse.
  • Leistungsbilanz für 2012 weist
  • 5,5 Milliarden Euro Überschuss aus.
  • weiter

Durch die Betriebsversammlungen der Eisenbahner kann es heute zu Verspätungen im Zugverkehr kommen. - APAweb/HERBERT PFARRHOFER
  • Einige Zugsausfälle im Nahverkehr.
  • weiter

  • FCC pocht angeblich auf neue Kredite und auf Haftungen der Republik.
  • weiter

Keine Wachstumsimpulse für die heimische Produktion durch Aufträge aus dem Ausland.  (Symbolbild: Stahlarbeiter) - APA/HANS KLAUS TECHT
  • Letztes nennenswertes Quartalswachstum liegt schon ein Jahr zurück.
  • weiter




Werbung



Die Akte Hypo - Bild: APAweb

Firmenmonitor






Stammgast beim Life Ball: Bill Clinton.

Gottfried Helnwein, Peinlich, 1971, Die Wolldecke eines Navajo-Häuptlings wurde bei Sothebys in New York für rund 221.000 US-Doller versteigert. Es war die erste Auktion aus dem Nachlass der Sammlung Andy Williams, des bekannten US-amerikanischen Popsängers und Fernsehentertainers.

Chondrocladia lyra, ein fleischfressender Schwamm, lebt über drei Kilometer tief im Pazifik vor der Küste von Kalifornien. Die Art wurde von der Universität von Arizona in Tempe (USA) für die Liste der skurrilsten Entdeckungen 2012 ausgewählt. "Erstbegehung" des Wiener Wahrzeichens:  Slackliner Christian Waldner arbeitete sich in 60 Metern über dem Boden Schritt für Schritt vom großen Steffl-Turm (Südturm) bis zum südlichen Heidenturm vor und tänzelte nach kurzer Verschnaufpause wieder retour. Der Drahtseilakt dauerte rund zehn Minuten.

Werbung