• vom 30.03.2012, 16:00 Uhr

Österreich

Update: 30.03.2012, 16:36 Uhr

Telekommunikation

Von 23 auf 4 Cent




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  • Orange-Chef Michael Krammer sieht Regulierungen als Grund für den Rückzug der Telekom-Unternehmen
  • "Pseudo-konsumentenfreundliche Politik" verunmögliche Mobilfunkgeschäft.



Wien. (wak) Minuten, SMS, Gigabytes - die Nachfrage nach Mobilfunk-Produkten ist ungebrochen im Steigen. Doch der Umsatz der heimischen Mobilfunker ist im Sinkflug. "Wenn wir eine einfache Rechnung anstellen", erklärt Michael Krammer, CEO von Orange Österreich, "und jede Sprachminute, jede SMS und jedes Megabyte als eine Mobilfunk-Einheit betrachten. Dann hat es zwischen 2006 und 2011 in Österreich eine Verdreifachung der Zahl der Einheiten gegeben." Gleichzeitig ist der Umsatz pro SIM-Karte von 33 auf 19 Euro pro Monat zurückgegangen. "Das heißt, rechnerisch ist der Preis pro Einheit von 23 Cent auf 4 Cent gesunken. Vergleichen Sie das einmal mit ihrer Strom- oder Wasserrechnung", fordert Krammer, dessen Unternehmen im Februar von dem Mutterkonzern, der französischen France Telecom an Hutchinson "3" verkauft worden ist. (Wie berichtet, ist der Kauf noch von der Genehmigung der Bundeswettbewerbsbehörde abhängig, die, so glaubt Krammer, bis zum Sommer entscheiden wird.)

Es sei schon seit Anfang 2011 nach einem Käufer für Orange Österreich gesucht worden, erzählt Krammer. Das war der Wunsch des neuen Managements der France Telecom, das sich mehr auf die afrikanischen Märkte ausrichten wollte. Auch der andere europäische Mobilfunk-Gigant, die britische Vodafone, ziehe sich seit Jahren langsam aus Europa zurück.

Dabei, erinnert Krammer, wollte Orange anfangs als Käufer bei der Konsolidierung im österreichischen Mobilfunkmarkt mitmischen, nicht als Gekaufter.

Doch Orange muss in Österreich, wie seine Mitbewerber auch, an zwei Fronten kämpfen: mit der österreichischen Regulierung sowie mit der europäischen Regulierung. Beim Mobile World Congress habe EU-Kommissarin Neelie Kroes für die Digitale Agenda zwar versucht, von Visionen zu reden, habe aber klargemacht, dass es ihr in erster Linie nur um eine Senkung der Gebühren gehe, so Krammer. Die EU habe das Problem zu glauben, sie sei ein Binnenmarkt, aber die 27 nationalen Player, die jeweils um die drei nationalen Lizenzen vergeben, verhalten sich anders.

Die Zukunft ist noch ungeschrieben für Krammer.

Die Zukunft ist noch ungeschrieben für Krammer.© APA/HERBERT NEUBAUER Die Zukunft ist noch ungeschrieben für Krammer.© APA/HERBERT NEUBAUER

Die Folge sei, dass den Unternehmen das Geld für Investitionen fehle - und die gesamte Telekomindustrie weiter Richtung Asien abwandere. Schon jetzt komme die Hardware fast ausschließlich aus dieser Region.

EU verliert Industrie
Gleichzeitig seien in den USA Internetgiganten entstanden, die alte europäische Industriekonzerne wie die Deutsche Telekom "aus der Handkassa bezahlen". Für Apple gebe es dazu noch die Telekom Austria als Gratis-Draufgabe, meint Krammer. Mittel- und langfristig müsse sich die EU überlegen, ob das wirklich die Industriepolitik sei, die verfolgenswert sei.

Krammers Vertrag läuft jedenfalls bis zum Closing mit "3", dann sei alles offen. Was er sicher nicht werde? - Chef der Telekom Austria. Der Job eines CEO in einem teilstaatlichen Unternehmen sei an sich undankbar, da sich ein Aktionär, dem nur ein kleiner Teil gehört - sprich der Staat - erwartet, dass man das Unternehmen ausschließlich in seinem Sinne führt.




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Dokument erstellt am 2012-03-30 16:08:09
Letzte Änderung am 2012-03-30 16:36:48