Graz. Der Wirtschaftskrimi um den dreimal insolventen Fußballklub GAK gewinnt an Spannung. Im seit Ende März 2007 anhängigen Strafverfahren (16 St 12/07y) gegen 19 Ex-Vorstands- und Präsidiumsmitglieder und Geschäftsführer, eine Buchhalterin und drei Steuerberater hat Staatsanwalt Johannes Winkelhofer den neuen Sachverständigen Thomas Keppert mit Arbeit eingedeckt. Laut dem 30-seitigen Sachverständigenauftrag muss Keppert 22 brisante betriebswirtschaftliche Fragen binnen 40 Wochen klären. Denn der Ankläger verfolgt nach wie vor den Verdacht der Lohnabgabenhinterziehung, des schweren Betruges, der Untreue, der betrügerischen Krida und der grob fahrlässigen Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen. Mutmaßlicher Tatzeitraum: Oktober 1998 bis März 2007. Vor allem die Ex-GAK-Präsidenten Rudolf Roth, Peter Svetits, Harald Sükar und Stephan Sticher sind im Fadenkreuz des Anklägers. Sie bestreiten die Vorwürfe vehement.
Winkelhofer will nun von Keppert wissen, wann der GAK und wodurch der Klub tatsächlich pleiteging und ob "kridaträchtige Handlungen" die Insolvenzen ausgelöst haben. Keppert muss dabei die Schulden aus angeblich hinterzogenen Steuern einrechnen. Zur Erinnerung: Gutachter Fritz Kleiner wurde wegen angeblicher Befangenheitsgründe abberufen. Er hatte in seiner letzten Expertise die faktische Pleite des GAK bereits Ende Juni 2000 errechnet, die Finanz bezifferte die gesamte Abgabenschuld des GAK im Herbst 2011 mit 4,749 Millionen.
Auftrag zur Aufklärung
Keppert muss den Fall nun nochmals aufrollen. "Welche Geldflüsse erfolgten zwischen den beschuldigten GAK-Präsidenten Svetitis, Roth, Sükar und Sticher und den GAK-Gesellschaften, und wie sind diese Geldflüsse aus betriebswirtschaftlicher Sicht zu bewerten", will der Staatsanwalt wissen. "Ich kann diese Fragestellung für einen Mandanten nicht nachvollziehen", sagt Andreas Öhler, Verteidiger von Peter Svetits. Die Präsidenten haben laut Öhler vor allem viel Geld in den Verein gesteckt.
Viele der 22 Fragen betreffen den Mineralölhändler Roth. "Informierte Roth im Zusammenhang mit einem Steuer-Stundungsansuchen die Vertreter des Finanzamts Graz-Stadt umfassend über die tatsächliche wirtschaftliche Lage des GAK oder stellte Roth die Lage unter Verschweigung hoher Verbindlichkeiten gegenüber dem Finanzamt Graz-Stadt geschönt dar?", will der Ankläger wissen. "Verwendete Roth die an den GAK eingegangene Zahlung der Torafin Trading & Finance Ltd (600.000 Euro) zur Tilgung seiner Darlehensforderung gegenüber dem GAK?"
"Es gibt keinen Konnex zwischen Roth und Torafin, es kann absolut ausgeschlossen werden, dass es in diesem Punkt zu irgendwelchen strafrechtlich relevanten Erkenntnissen gekommen ist", kontert Alexander Isola, Roths Verteidiger. "Wir arbeiten daran, gegen zahlreiche Fragen Einspruch zu erheben, die schon von Kleiner für Herrn Roth entlastend beantwortet wurden, jetzt aber noch einmal gestellt werden, weil der Staatsanwalt vom Buchsachverständigen bloße Rechtsfragen beantwortet wissen will." Nachsatz: "Auch das Vorliegen einer Zahlungsunfähigkeit ist übrigens eine Rechtsfrage. Rechtsfragen dürfen und können aber nur vom Gericht selbst gelöst werden." Viele Fragen hätten keine Verdachts-Deckung oder seien bereits aufgeklärt. Und aufgrund "bloßer Vermutungen" (Erkundungsbeweis) dürfe niemand verfolgt werden. Isola kritisiert auch scharf, dass Roth seit fünf Jahren "keine vollständige Akteneinsicht gewährt wird".