
Wien. (kle) Lufthansa-Chef Christoph Franz stellt der AUA die Rute ins Fenster. Im Konzern gebe es keine "geschützte Zone" mehr, in der man Verluste dauerhaft hinnehmen werde, sagte er dem "Manager Magazin". Die schwer kriselnde AUA steht damit unter hohem Druck ihrer Mutter Lufthansa, eisern zu sparen, um bei der Sanierung voranzukommen.
Vor allem muss aus Sicht des Managements auch beim Flugpersonal der Austrian Airlines an der Kostenschraube gedreht werden. Da es im Streit um einen neuen, abgespeckten Kollektivvertrag für die AUA-Piloten bis zuletzt keine Einigung gab, wird der Aufsichtsrat in seiner Sitzung am heutigen Donnerstag nun Tatsachen schaffen und den Plan B beschließen. Der sieht vor, den Flugbetrieb der AUA auf deren Tochter Tyrolean zu übertragen und so das Bordpersonal zwangsweise in den um 20 bis 25 Prozent günstigeren Tyrolean-Vertrag zu drängen.
Der Beschluss dieses Betriebsübergangs, für den im AUA-Vorstand die Vorbereitungen bereits seit mehr als einem Monat laufen, gilt nur noch als Formsache. Karl Minhard, der im Aufsichtsrat als oberster Belegschaftsvertreter des Bordpersonals sitzt, kündigte am Mittwoch an: "Wir werden unsere Bedenken äußern und dann dementsprechend abstimmen." Ist die Katze aus dem Sack, der Betriebsübergang also eine fix beschlossene Sache, muss die AUA-Führung freilich mit einer Klagsflut rechnen. Das hatte Minhard dem Management vor rund zwei Wochen bereits angedroht: "Alle Fragen hätten ein rechtliches Nachspiel. Die AUA wäre jahrelang mit Klagen befasst und müsste dafür hohe Rückstellungen bilden", hatte der Bord-Betriebsratschef zu bedenken gegeben.
Außerdem, so Minhard, hätte der Zwangsumstieg in den Tyrolean-Kollektivvertrag eine Austrittswelle von 200 bis 300 AUA-Piloten zur Folge. Die AUA und auch Airline-Experten halten diese Zahlen aber für zu hoch gegriffen.
Komplexe Rechtsfragen
Was in Sachen Betriebsübergang ebenfalls brisant ist: Hatte im Februar zunächst der AUA-Vorstand den Kollektivvertrag (KV) für die fliegenden AUA-Mitarbeiter aufgekündigt, um sie zu Verhandlungen über eine KV-Reform zu bewegen, kündigte die Gewerkschaft Vida - im Übrigen ohne Wissen des Tyrolean-Personals - den Tyrolean-Vertrag. Was das für einen rechtswirksamen KV-Umstieg nun wirklich bedeutet, werden zahlreiche Gutachter und Gerichte noch zu klären haben.
Die Tyolean selbst ist als AUA-Tochter kein kleiner Regionalflieger mehr, sondern fliegt Ziele in ganz Europa an. Mehr als jeder zweite Flug der AUA-Gruppe wird von ihr durchgeführt. Besonders gut sind die Crews von AUA und Tyrolean jedoch nicht aufeinander zu sprechen. Daran hat sich seit 1994, seit dem Einstieg der Austrian Airlines bei der damaligen Innsbrucker Fluglinie von Gernot Langes-Swarovski, bis heute nicht viel geändert.