
Wien. Die österreichische Lufthansa-Tochter AUA (Austrian Airlines) muss für ihr Personalkostensparprogramm recht tief in die Tasche greifen: In der Betriebsversammlung der AUA-Bordcrews in Wien-Schwechat haben Montagvormittag AUA-Bordbetriebsratschef Karl Minhard und der Anwalt der Pilotenvertreter, Roland Gerlach, die Kosten des vom AUA-Vorstand betriebenen Übertrags des Flugbetriebs der "Austrian" auf Tyrolean mit 160 Mio. Euro beziffert.
Wie Teilnehmer der APA berichteten, umfasst die genannte Summe Abfertigungen für ausscheidende AUA-Piloten, weitere Folgekosten und auch Erlöseinbußen. Dazu käme ein enormer Imageschaden.
Der Rechtsvertreter des Bordbetriebsrats riet den Piloten und Flugbegleiterinnen, in den nächsten Wochen und Monaten auf keine Unterschriftsangebote des Managements einzugehen und alle Fristen auszureizen.
Drei Möglichkeiten
Bei allen drei Möglichkeiten der Reaktion auf die umstrittene Auslagerung - Betriebsübergang mit anschließender juristischer Auseinandersetzung, Austritt über Sonderkündigungsrecht oder Widerspruch mit Verbleib im Dienstverhältnis der AUA AG - sind in den Augen des Juristen keine individuellen Unterschriften von AUA-Bord-Beschäftigten nötig. Überall ergäben sich die Rechtsfolgen durch Gesetz. Die Gewerkschaft und der Betriebsrat wollen rechtliche Schritte einleiten, das wurde heute bekräftigt. Einen Anlass für individuelle Klagen sieht die Pilotenvertretung dagegen nicht, heißt es aus der Betriebsversammlung.
Nach Meinung der Betriebsräte gilt für die AUA-Bordcrews trotz der KV-Kündigung durch den Vorstand der AUA-Kollektivvertrag auch über Ende Juni hinaus nach. Dagegen sieht der Vorstand die AUA-Piloten ab Sommer im "KV-freien" Raum.
Am vorigen Donnerstag hat der Aufsichtsrat den Vorstand zum Betriebsübergang ermächtigt, eingeleitet ist er noch nicht, hieß es heute von den Belegschaftsvertretern. Das habe das Management am Freitag gegenüber der Belegschaftsvertretung bestätigt. In dem Moment, in dem der Vorstand dies tatsächlich beschließe, würden die Fristen für die Mitarbeiter zu laufen beginnen.
AUA-Bordbetriebsrat Karl Minhard hat am Montag in der Betriebsversammlung des fliegenden Personals für weitere Verhandlungen mit dem AUA-Management plädiert. "Wir glauben immer noch, dass Verhandlungen möglich sind". Er räumte ein, dass diese nicht einfach seien. Man werde sich aber nicht mit den Tyrolean-Kollegen auseinanderdividieren lassen. Das habe schon in der Vergangenheit nicht funktioniert.
Nun geht es auch der Belegschaftsvertretung darum, unter welchen Bedingungen ein Betriebsübergang auf Tyrolean statt findet, hieß es laut Teilnehmern - wobei Minhard zufolge das Karriere- und Kündigungsreglement (Senioritätsprinzip) bei der AUA noch bis 31. Dezember gelte. Wenn Tyolean-Piloten jetzt ab Mai auf A-320-Flugzeuge der AUA umgeschult werden, müssten sie sich "hinten einreihen".
In der Betriebsversammlung war nach Teilnehmern von umfassenden Sozialplänen die Rede, die die Belegschaft im Zusammenhang mit der Auslagerung auf Tyrolean fordert. Piloten vermuteten, dass die AUA als "Sandkiste" für irgendwelche größere Luftfahrtlösungen missbraucht wird. Das Wort Streik fiel angeblich nicht in der Versammlung, die zur Stunde noch andauert.