Wien.

Der Bund muss der KA Finanz deshalb mit weiteren Zuschüssen unter die Arme greifen, um die aktuellen Verluste und Verlustvorträge abzudecken. Dafür wurden am Mittwoch in einer Hauptversammlung entsprechende Beschlüsse gefasst. Insgesamt geht es um 1,27 Milliarden Euro, davon rund eine Milliarde in Cash und 250 Millionen Euro in Form einer neuen Bundesbürgschaft.
Das staatliche Grundkapital der KA Finanz von 22,3 Millionen Euro wurde ebenso wie das von der Volksbanken AG und und der Dexia gezeichnete Partizipationskapital von 434 Millionen Euro auf null herabgesetzt. Dieses Geld ist damit abgeschrieben.
Das Grundkapital wurde vom Bund sogleich mit 389 Millionen Euro wieder aufgefüllt. Außerdem gibt es einen schon Ende 2011 zugesagten Gesellschafterzuschuss von 609,6 Millionen Euro. Das sind die Cash-Komponenten.
Daneben gibt es eine neue Haftung der Republik von 250 Millionen Euro, wovon 235 Millionen ergebniswirksam sind. Das macht zusammen mehr als 1,23 Milliarden Euro. Mit der Abschreibung auf das bisherige Grundkapital der KA Finanz sind es dann 1,27 Milliarden Euro.
Die Kommunalkredit, die einst zum Konzern des Volksbanken-Spitzeninstituts ÖVAG gehört hatte, musste 2008 als erste österreichische Bank in der Finanzkrise notverstaatlicht werden. Danach wurde sie aufgespalten, in die zur Abwicklung vorgesehene KA Finanz und in die Kommunalkredit Austria. In der KA Finanz sind alle problembehafteten Wertpapiere der vormaligen Kommunalkredit geparkt.
Abbau von Risiken
Ende 2011 hatte die KA Finanz in Griechenland ein Gesamt-Obligo von einer Milliarde Euro. Darin enthalten waren 522,8 Millionen Euro CDS. Die Griechenland-Umschuldung ließ die CDS fällig werden und wurde damit erstmals als "Default" eines Eurolandes gewertet. Gegenüber dem Problemfall Griechenland verbleibt in der KA Finanz nach Wertpapierumtausch, Wertberichtigungen und Bundesbürgschaft ein Netto-Obligo von 80,7 Millionen Euro, wie es am Mittwoch hieß.
Laut KA Finanz wurden alle Risikopapiere 2011 um drei Milliarden Euro abgebaut (vor Griechenland-Umschuldung), seit Beginn der Restrukturierung Ende 2008 um zehn Milliarden Euro - sodass die Risiken per Ende Dezember 2011 bei 19 Milliarden Euro lagen. Im ersten Quartal 2012 wurde der Portfolio-Stand weiter auf 17,7 Milliarden Euro reduziert.
Was das gesamte Portfolio der KA Finanz betrifft, entfielen 54 Prozent der gehaltenen Wertpapiere auf den Euro-Raum (inklusive Österreich) und 22,6 Prozent auf die restlichen EU-Staaten. Der Gesamtanteil europäischer Risken liege damit bei 76,6 Prozent, hieß es. Das "Exposure" in sonstigen Ländern belief sich auf 23,4 Prozent.
Detail am Rande: Aus der Bad Bank der Kommunalkredit Austria ist mit den Hauptversammlungsbeschlüssen vom Mittwoch der bisher noch minimal beteiligte Gemeindebund ausgeschieden.
ÖVAG-Hauptversammlung
Für die schwer ramponierte ÖVAG beginnt heute, Donnerstag, eine völlig neue Ära unter dem neuen Mitaktionär Republik Österreich, der bis zu 49 Prozent, auf alle Fälle aber mehr als 40 Prozent der Anteile übernimmt. Um 1,34 Milliarden Euro Verlust wegzubringen, wird das Kapital der Krisenbank um 70 Prozent herabgesetzt (700 Millionen der 2009 zugeführten Staatsmilliarde sind damit weg). Gleichzeitig wird frisches Kapital zugeschossen. Neben dem Staat (250 Millionen Euro) nehmen auch die Haupteigentümer der ÖVAG, die 62 regional tätigen Volksbanken, Geld in die Hand.