
Wien. (sf) Elf Prozent der österreichischen Arbeitnehmer reicht das Einkommen nicht aus, sodass ihnen kaum Geld für Lebensmittel übrig bleibt. Die Hälfte der Beschäftigten kommt mit ihrem Einkommen kaum aus und hat Probleme, Sonderanschaffungen und Reparaturen zu zahlen. Das geht aus dem aktuellen Arbeitsklima-Index der Arbeiterkammer (AK) Oberösterreich hervor. Der Wert jener Beschäftigten, denen ihr Einkommen kaum oder gar nicht reicht, ist somit von 50 auf 61 Prozent gestiegen.
Die deutlichste Verschlechterung zeige sich bei Frauen, die in Teilzeit arbeiten. "Besonders betroffen sind Geringverdiener, aber es ist erschreckend, dass diese Entwicklung weit in den Mittelstand hineingeht", sagt Johann Kalliauer, Präsident der AK Oberösterreich. Schuld an der Verschlechterung seien die Kosten für Wohnen, Energie und Sprit, Lebensmittel und Ausbildung, die teilweise über der Inflationsrate gestiegen seien. Außerdem sei die Wirkung der Lohnabschlüsse durch die hohe Teuerung gering.
Migranten verdienen weniger
Der Arbeitsklima-Index ist geringfügig auf 107 Punkte gesunken, wobei die Zufriedenheit der Pflichtschulabsolventen im Vergleich zum Frühjahr 2011 deutlich auf 96 Punkte zurückgegangen ist. "Nichtqualifizierte haben es derzeit schwer, am Arbeitsmarkt unterzukommen", weiß Christoph Hofinger vom Sora-Institut. Benachteiligt seien Migranten, da ihr Schulabschluss oft nicht anerkannt werde, sagt Kalliauer. Jeder sechste unselbständig Beschäftigte in Österreich hat Migrationshintergrund, wobei die größte Gruppe aus Ex-Jugoslawien kommt. Im Durchschnitt verdienen Vollzeitbeschäftigte ohne Migrationshintergrund 1575 Euro netto, Migranten 150 Euro weniger. Türkische Arbeitnehmer bekommen hierzulande sogar 300 Euro weniger. Ein Grund dafür ist, dass zwei Drittel der Türken als Arbeiter - oft in schlecht bezahlten Jobs - beschäftigt sind.