Wien. Im Tarifstreit mit dem Bordpersonal der AUA gehte heute eine vom Management gesetzte Frist zu Ende: Am Sonntag war eine Bordmitarbeiter-Abstimmung über das vorige Woche im Grund vereinbarte Personalkostensparpaket abgeblasen worden, weil es Gefahr lief, mehrheitlich abgeschmettert zu werden. Ob das Management nochmals nachgibt und die ursprünglich bis heute Mittag gesteckte Frist für ein Abstimmungsergebnis der Bord-Belegschaft erstreckt oder ob ganz auf eine Abstimmung verzichtet wird, ist bisher nicht bekannt.
Nach Gesprächen zu Mittag wollen am Nachmittag Management und Betriebsrat kommunizieren, wie es jetzt weiter geht. Betriebsratschef Karl Minhard hatte Sonntagabend im APA-Gespräch erklärt, das Paket hänge an einem seidenen Faden. Minhard fügte aber hinzu, dass die elektronische Abstimmung kurzfristig aufgenommen werden könnte, wenn man sich in den gestern Abend wieder aufgenommenen Gesprächen mit dem Management zu den offenen Punkten einigt.
Verständnis für Forderungen
Laut einem vom Branchenportal "Austrian Aviation Net" zitierten nächtlichen Schreiben an die Bordbelegschaft schrieb Minhard, dass AUA-Chef Jaan Albrecht Verständnis für die Forderung des fliegenden Personals nach einem fertig ausformulierten Text habe. Und es könnte heute zu einem Durchbruch kommen. Der Betriebsrat will für den Fall neue Abstimmungen.
Jedenfalls verzögert sich damit wieder einmal ein Zeitplan im Sparprogramm der AUA-Spitze. Die nachhaltige Senkung der Personalkosten durch tiefgreifende Reformen der Kollektivverträge sowie kostengünstigere Arbeitszeit- und Pensionsreglements sind wesentlicher Part des vom Eigentümer Lufthansa verlangten Sanierungsprogramms. Bei der Lufthansa sind Beschlüsse über den weiteren Weg bei der Tochter in Wien ebenfalls schon überfällig.
Der Lufthansa-Vorstand schnürt gerade für den gesamten Airlinekonzern ein umfassendes Sparpaket. Das hat bereits vorab den Widerstand der Gewerkschafter auf sich gezogen. Die Flugbegleitergewerkschaft UFO hat am Wochenende in deutschen Medien gegen "wenig abgestimmte Sparpläne" des Managements geätzt. Einzelne Maßnahmen würden immer nur scheibchenweise mitgeteilt. Die Arbeitnehmervertreter in Deutschland orten strategische Fehler des Managements als Grund für die jetzigen Sparbemühungen im Kranich-Konzern. Die Gewerkschaften fürchten das Aus für tausende Stellen.
Luftfahrt im Aufwind
Trotz aller Turbulenzen, die die Austrian Airlines (AUA) derzeit durchfliegen, ist Österreichs Luftfahrt im Aufwind: 25,8 Millionen Passagiere sind 2011 auf einem der sechs österreichischen Flughäfen gestartet oder gelandet. Das sind 5,6 Prozent oder 1,4 Mio. mehr als im Jahr davor. Damit wurde auch das bisherige Höchstniveau von 2008 um fast 1,1 Mio. Fluggäste übertroffen. Das Passieraufkommen unterteilt sich in Linienverkehr und Bedarfsverkehr: 24 Mio. Personen, das sind 92,9 Prozent aller Passagiere, flogen in einem Linienflugzeug, 1,8 Mio. (7,1 Prozent) in einem Business-Jet. So die aktuellen Zahlen der Statistik Austria, die am Montag veröffentlicht wurden.
Die Flughäfen in Wien, Graz, Innsbruck, Klagenfurt, Linz und Salzburg verzeichneten im Vorjahr zusammen 312.502 Starts und Landungen, womit sich die Anzahl der Flugbewegungen gegenüber 2010 um 2,5 Prozent verringerte. Durchschnittlich wurden pro Flug 83 Personen (2008 und 2009: 71, 2010: 76) mit den eingesetzten Verkehrsflugzeugen befördert. Das bedeutet, dass die durchschnittliche Anzahl der beförderten Passagiere pro Flug um 17 Prozent gegenüber 2008 zunahm. 246.003 Flugbewegungen entfielen auf den Flughafen Wien, womit in etwa drei Viertel aller Flüge (78,7 Prozent) mit dem Flughafen der Bundeshauptstadt in Verbindung standen.
84,6 Prozent der abgefertigten Fluggäste reisten innerhalb Europas, 8,3 Prozent flogen nach Asien, gefolgt von den Kontinenten Amerika (4,4 Prozent), Afrika (2,5 Prozent) und Australien (0,2 Prozent).
Das Frachtaufkommen sank 2011 um 7,3 Prozent. Insgesamt wurden 227.938 Tonnen Luftfracht umgeschlagen. Der Löwenanteil (96 Prozent) entfiel auf den Flughafen Wien. Das größte Frachtplus meldete Linz-Hörsching mit 27,2 Prozent, auf 8.341 Tonnen. Im Vorjahr wurden außerdem mehr Briefe in Flugzeugen transportiert: Das Luftpostaufkommen wuchs um 8,4 Prozent auf 13.551 Tonnen.