• vom 07.05.2012, 14:38 Uhr

Österreich

Update: 07.05.2012, 17:47 Uhr
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Neue Medienkampagne rückt zentrale Anliegen von Menschen mit Behinderung ins Rampenlicht

Von Anfang an dazugehören


Von Rosa Eder-Kornfeld

  • Was bedeutet Inklusion? -
  • Die Lebenshilfe Wien klärt auf.

Inklusion ist mehr als Integration.

Inklusion ist mehr als Integration. Inklusion ist mehr als Integration.

Wien. Inklusion? - Diesen Begriff hat man schon irgendwann einmal gehört, doch was er konkret bedeutet, wissen die wenigsten. Die Lebenshilfe Wien will mit Hilfe einer Medienkampagne Aufklärungsarbeit leisten.

Information

Der Verein Lebenshilfe ist seit mehr als 40 Jahren die größte Interessenvertretung für Menschen mit intellektuellen Beeinträchtigungen in Österreich. 10.000 Menschen mit intellektueller Behinderung leben mit der Lebenshilfe, 4000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten österreichweit für die Organisation. Sie werden von 800 Ehrenamtlichen und 500 Zivildienern unterstützt. 400 Einrichtungen wie Werkstätten und Wohnhäuser stehen für Menschen mit Behinderungen zur Verfügung.
Als Ziel nennt die Organisation die gelebte Gleichstellung von Menschen mit Lernschwierigkeiten in Österreich.
Das ehrenamtliche Präsidium der Lebenshilfe Österreich leitet seit November 2004 Universitätsprofessor Germain Weber, Dekan der Fakultät für Psychologie an der Uni Wien, als Bundesgeschäftsführer fungiert seit Oktober 2005 Albert Brandstätter, zuvor Generalsekretär der Eurodiaconia in Brüssel.

"Die Lebenshilfe will erreichen, dass Menschen mit Behinderungen von Geburt an mitten in unserer Gesellschaft leben können", betonte der Präsident der Organisation, Germain Weber, anlässlich des bundesweiten Tages der Inklusion am 5. Mai. Dahinter steht die Vision, dass Integration - also die Eingliederung dieser Menschen in die bestehende Gesellschaft und in die bestehenden Strukturen - nicht mehr notwendig ist. Dazu muss allerdings Vielfalt willkommen sein.

In der Kampagne, an deren Entstehen zahlreiche Firmen lobenswerterweise zum Nulltarif mitgearbeitet haben, erklären Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung in ihren eigenen Worten, was für sie Inklusion bedeutet. Plakate, Onlinewerbung, Printanzeigen und Hörfunkspots in erdigem Wiener Dialekt machen die Werte, die Inklusion ausmachen, sichtbar und hörbar . Ein bundesweiter Fotowettbewerb ("Mach’ dein Bild von Inklusion") rundet die Kampagne ab.

"Söba denkn, söba mochn, söba tuan"
Die Klientinnen und Klienten der Lebenshilfe Wien pochen vor allem auf Selbstbestimmung. "Sein Leben selbstbestimmt zu führen, bedeutet Kontrolle und Wahlmöglichkeiten über und für das eigene Leben zu haben und selbst für sich entscheiden zu können", heißt es. Weiters wünschen sie sich, in ihrer Einzigartigkeit und Individualität wahrgenommen zu werden und am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können - möglichst von Geburt an.

Die Sujets für die Inklusionskampagne wurden von der Wiener Werbeagentur pjure isobar in Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe kreiert, die Media-Schaltungen verhandelte ihre Muttergesellschaft Aegis Media Austria aus. Weiters unterstützten die Lebenshilfe die Fotoschule Wien, das Tonstudio gosh!_audio, das Produzentenduo Maur Due & Lichter, die Fotografen Ritchy Pobaschnig und Markus Hippmann sowie der TV- und Radiosprecher Otto Clemens.

Die eigentlichen "Stars" der Kampagne sind jedoch die Betroffenen selber. So stellen sich Sylvia Zagler, Manfred Holub und Martin Schwerter von der Gruppe ExAkt (Experten Aktiv) der Lebenshilfe Wien als Testimonials für die Plakatwerbung zur Verfügung.

In der Gruppe ExAkt sind Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen aktiv, die sich speziell auf Öffentlichkeitsarbeit konzentrieren. So halten sie etwa Vorträge in Schulen oder Krankenhäusern und informieren darüber, was für behinderte Menschen wichtig ist und wie besser auf sie eingegangen werden kann. Die ExAkt-Mitglieder haben sich weiters darauf spezialisiert, Texte in leicht verständlicher Sprache zu verfassen.

Die Proponenten der Lebenshilfe nutzten den Tag der Inklusion, um Politiker und Politikerinnen in die Pflicht zu nehmen, für alle Bürger und Bürgerinnen die vollständige Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Einmal mehr forderte die Organisation die Verantwortlichen im Bund und in den Ländern auf, die inklusive Bildung für alle Kindergärten, Volksschulen und allgemeinen Schulen bis zur 12. beziehungsweise 13. Schulstufe gesetzlich festzuschreiben.

Gleichstellung im Arbeitsleben
Ein weiteres wichtiges Anliegen: die Gleichstellung im Arbeitsleben. Derzeit würden viele Menschen mit Behinderungen, die in der Beschäftigungstherapie, in Werkstätten oder in sogenannten fähigkeitsorientierten Aktivitäten, arbeiten, keine eigenen Ansprüche aus der gesetzlichen Kranken-, Unfall- und Pensionsversicherung erwerben und statt eines Entgelts nur ein Taschengeld bekommen. Die Lebenshilfe weist darauf hin, dass die Artikel 25 bis 28 der UN-Behindertenrechtskonvention das Recht auf Arbeit verankern, die so bezahlt wird, dass die Menschen davon leben können und später im Alter versorgt sind.

www.lebenshilfe.at




Schlagwörter

Inklusion, Lebenshilfe

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-05-07 14:44:06
Letzte Änderung am 2012-05-07 17:47:20


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