Wien. (apa) Die in Wien ansässige VTB Bank (Austria), eine 100-Prozent-Tochter der mehrheitlich staatlichen russischen Bank VTB, ist im vergangenen Jahr stark gewachsen und will deshalb im laufenden Jahr etwas kürzertreten. Die Österreich-Tochter der zweitgrößten russischen Bank steigerte ihre Bilanzsumme um 43 Prozent auf 10,7 Milliarden Euro, der Nettogewinn stieg von 118,3 auf 165,4 Millionen Euro. "Wir haben gezeigt: Wir können wachsen, wir können das Geschäft sinnvoll ausdehnen. Wir gehen jetzt aber ab von diesem aggressiven Wachstum auf ein moderates Wachstum und legen für heuer den Fokus auf interne Konsolidierung", sagte Vorstand Christian Müllner, verantwortlich für das Risikomanagement, am Montag bei einer Pressekonferenz in Wien.
Im vergangenen Geschäftsjahr habe man den Personalstand in Wien um rund 50 auf derzeit 130 Personen aufgestockt, berichtete Müllner. Dazu komme die Filiale in Frankfurt, wo man seit der Gründung der VTB Direktbank im vergangenen Jahr auch im deutschen Privatkundengeschäft vertreten ist. "So ein Wachstum muss man erst einmal verdauen", sagte Müllner. Das Ziel, bis 2013 eine Bilanzsumme von 12 Milliarden Euro zu erreichen, bleibe aber aufrecht. Das Geschäft in Österreich und Europa soll weiter ausgebaut werden. "Dabei werden wir dieses Jahr unsere Zusammenarbeit mit österreichischen Banken noch verstärken", so Müllner.
In Deutschland hat die VTB Direktbank mit besonders attraktiven Zinsen für Privatkunden unter den Mitbewerbern für einige Unruhe gesorgt. Die Konkurrenz kritisiert, dass die Russen mit der österreichischen Einlagensicherung von 100.000 Euro pro Person im Rücken den deutschen Banken Kunden abspenstig machen.
Es habe darüber eine lange Diskussion der Finanzmarktaufsicht, der Einlagensicherung der österreichischen Banken und der deutschen Bafin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) gegeben, sagte Müllner. Aber es sei alles regelkonform: "Es ist hier in Europa der Standard, dass sich die Einlagensicherung einer Filiale am Sitzland der Mutter orientiert." Im Übrigen sei es eher von theoretischer Bedeutung, dass die Einlagensicherung einmal schlagend werden könnte, sagte Vorstandschef Igor Strehl. "Die VTB ist die zweitgrößte russische Staatsbank. Die russische Zentralbank besitzt die drittgrößten Währungsreserven der Welt."
Pläne für Direktbank in Österreich
Wie hoch die Einlangen bei der VTB Direktbank inzwischen sind, wollte Strehl nicht verraten. "Unsere Position ist, dass wir das nicht unbedingt publik machen wollen. Der Markt ist sehr heiß umkämpft", so der gebürtige Russe. "Wir reduzieren mittlerweile die Zinssätze. Den ersten Schritt haben wir vor einigen Wochen eingeleitet mit einer Senkung von 2,7 auf 2,5 Prozent." Man plane in Kürze eine weitere Zinssenkung, "damit sich der Zufluss etwas stabilisiert", denn "unsere Liquiditätslage ist zur Zeit mehr als ausreichend". Derzeit wird die Gründung einer Direktbank auch in Österreich überlegt.