Wien. (kle/apa) Viele Fluglinien in Europa haben seit Jahren ihre Kosten nicht im Griff. Die Folge sind empfindliche Verluste (siehe AUA). Um gegenzusteuern, bleibt den Airlines nichts anderes übrig, als einen scharfen Sparkurs einzuschlagen. Air Berlin, nach der AUA-Mutter Lufthansa die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft, versucht ebenfalls gerade, das Ruder herumzureißen, um wieder in die Gewinnzone zu kommen. Von ihrem bereits laufenden Sparprogramm im Volumen von 250 Millionen Euro ist auch Niki, die von Nikolaus Lauda gegründete Billigfluglinie, die inzwischen komplett zu Air Berlin gehört, mit einem zweistelligen Millionenbetrag betroffen.
Niki-Geschäftsführer Christian Lesjak sprach am Montag konkret von zwölf Millionen Euro im Jahr. Diese Summe sei aber im Großen und Ganzen bereits "gestemmt", sagte Lesjak in einer Pressekonferenz mit Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn. Es geht um Treibstoffersparnisse, Gebührennachlässe am Flughafen, aber auch um Einsparungen bei Lieferanten wie beim Catering (und hier wieder vor allem mit dem traditionellen Bordverpfleger Do & Co).
"Wir schauen unter jeden Teppich, unter jeden Stein, suchen in jeder Jacke den letzten Cent", betonte Mehdorn mit Blick auf die gesamte Air-Berlin-Gruppe. Allerdings will er weiterhin ohne betriebsbedingte Kündigungen auskommen. Heuer soll das Ergebnis nach dem Riesenverlust 2011 ausgeglichen sein, im kommenden Geschäftsjahr soll es dann wieder Gewinne geben.
Regionalverkehr bedroht
Alle Airlines kämpften aber weiter mit der Finanzkrise, so Mehdorn, der in früheren Jahren Chef der Deutschen Bahn war. "Die Eurokrise hat vielleicht einen Moment Pause gemacht. Sie wird sich die nächsten Monate sicher noch von ihrer hässlichen Seite zeigen." Was außerdem nicht nur Air Berlin Sorgen macht: Die Preise für Kerosin (Flugbenzin) sind in den vergangenen Monaten sprunghaft angestiegen. Obendrein, so Mehdorn, kämen noch die Belastungen aus der Ticketsteuer. Das alles dürfte Fliegen künftig teurer machen.
Bei Air Berlin belief sich die Luftverkehrssteuer im Vorjahr auf rund 160 Millionen Euro, bei Niki im ersten Dreivierteljahr nach der Einführung neun Millionen. Richtig fatal wirkt sie laut Niki-Chef Lesjak seit Herbst, heuer werden es rund 20 Millionen Euro sein.
Wie andere Airline-Chefs wollen auch Mehdorn und Lesjak diese Steuer ganz weghaben. Für den Tourismus, die Hotellerie und die Flughäfen in den Bundesländern haben sie sonst nur düstere Prognosen parat.
"In kleineren Märkten schaffen wir es nicht, diese Steuer an die Passagiere weiterzugeben, wo sie zehn Prozent vom Ticketpreis kostet", klagte Mehdorn. Als Konsequenz würden die Strecken auf allen Bundesländerflughäfen ausgedünnt. Besonders betroffen seien Graz, Salzburg und Linz. Im Winter etwa sei es gänzlich unmöglich, auf der Strecke Graz-Palma die Steuer weiterzugeben. Lesjak: "Österreich ist im Destinationen-Wettbewerb teurer geworden."
Wien als "Südosteuropa-Hub"
Den Flughafen Wien will Mehdorn indes als "Südosteuropa-Hub" für die Air-Berlin-Gruppe aufwerten. Neben dem neuen Heimatflughafen Berlin und den Drehkreuzen Düsseldorf, Palma de Mallorca und Wien wird gemeinsam mit dem Golf-Carrier Etihad, den Air Berlin seit heuer als neuen Großaktionär an Bord hat, auch Abu Dhabi als Asien-Knotenpunkt für die Gruppe ausgebaut.
Im Übrigen werden die Niki-Flieger ab Herbst dem Design von Air Berlin angenähert. Bei weißer Grundfarbe prangt an der Heckflosse dann das Air-Berlin-Logo, am Bauch bleibt es beim Niki-Logo. Die Marke Niki werde nicht aufgegeben, wie betont wurde.
Lesjak ist ab 1. Juli Alleingeschäftsführer bei Niki. Der langjährige Vorstand Otmar Lenz geht als operativer Manager in Pension, bleibt aber Konsulent.
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