Frankfurt/Wien. Die Europäische Zentralbank (EZB) empfiehlt Europas Regierungen zur Bewältigung der Schuldenkrise einen ausgewogenen Mix aus Sparen und Reformen. Die Sanierung der Staatsfinanzen sei unabdingbar, um Vertrauen an den Märkten zurückzugewinnen, bekräftigten die Währungshüter in ihrem am Donnerstag veröffentlichten Monatsbericht Mai. "Neben der Haushaltskonsolidierung müssen zugleich auch das Wachstum sowie das Wachstumspotenzial im Eurogebiet durch entschlossene Strukturreformen verbessert werden." Es sei "Aufgabe der nationalen Regierungen, Divergenzen zwischen einzelnen Euroländern zu begegnen". Viele Länder hätten Fortschritte erzielt, "aber einige Regierungen müssen ehrgeiziger sein".

Für die Euroraum-Konjunktur sieht die EZB nach wie vor Risiken. Jüngste Frühindikatoren unterstrichen die anhaltend hohe Unsicherheit, heißt es im Monatsbericht. Zuletzt hatten die Einkaufsmanagerindizes insbesondere in den Krisenländern Spanien und Italien deutlich nachgegeben. Aber auch für Deutschland waren die Zahlen enttäuschend ausgefallen. Dies hatte die Frage aufgeworfen, ob sich die Euro-Wirtschaft tatsächlich wie allgemein erhofft im Jahresverlauf erholen wird.
Dementsprechend spricht die EZB weiter von Abwärtsrisiken für die Wirtschaftsentwicklung. Sie erwartet aber immer noch, dass die konjunkturelle Dynamik in den nächsten Monaten etwas an Fahrt gewinnt, allerdings ausgehend von einem niedrigen Niveau. Die Inflationsrisiken beurteilt die Notenbank unterdessen als ausgeglichen. Im laufenden Jahr werde die Teuerung über der Marke von zwei Prozent verharren und erst Anfang 2013 unter diese Schwelle sinken. Die EZB, die mittelfristig eine Inflationsrate von knapp zwei Prozent ansteuert, hat ihr Preisziel seit Ende 2010 nicht mehr einhalten können.
Österreichs Wirtschaft trotzt der Krise
Während der Euro-Raum unter der Schuldenkrise stöhnt, geht es Österreich vergleichsweise gut. Die Konjunkturaussichten sind laut Wifo weiterhin stabil. Die Erholung der Weltwirtschaft halte an, vor allem in den Schwellenländern Asiens und Lateinamerikas sowie in den USA expandierte im Frühjahr die Wertschöpfung, so das Wifo Donnerstag in einer Pressemitteilung. Der weltweite Konjunkturaufschwung sei jedoch fragil, Risiken werden vor allem in einem möglichen Ölpreisanstieg sowie der anhaltenden Schuldenkrise gesehen.