Wien. Dont be evil – sei nicht böse: Das hehre Leitmotto des Internetkonzerns Google droht neue Schrammen zu bekommen. Nach der laut gewordenen Kritik von Datenschützern, die Googles Umgang mit Nutzerrechten bemängeln, meldet sich nun auch die Werbe- und Contentbranche zu Wort. Google, das sich primär über Online-Werbeeinnahmen finanziert und es so zuletzt zu einem Quartalsumsatz von 8,14 Milliarden Dollar (6,19 Milliarden Euro) brachte, sieht sich dabei schwere Vorwürfen ausgesetzt: Das US-Unternehmen soll sich zur Generierung von Werbeeinnahmen nicht nur fremder Inhalte bedienen, sondern auch die heimische Branche in ihrer Existenz bedrohen und die erzielten Gewinne auch noch aus Europa abziehen – ohne Steuern abzuliefern. Das Unternehmen selbst will das allerdings nicht so stehen lassen.
"Das System macht unser Geschäftsmodell zunichte", findet Gerald Grünberger, Geschäftsführer des Verbandes Österreichischer Zeitungen (VÖZ), klare Worte. Konkret zielt die Kritik auf die Eigenschaft Googles als Vernetzer von Web-Inhalten ab: Nach Ansicht Grünbergers vernetzt Google fremde Inhalte wie Zeitungsartikel, die dann als Kurzeinträge auf Google News oder den Google-Suchergebnissen mit Werbung verknüpft werden. Werbung, deren Erlöse freilich nur Google und nicht den Produzenten der Inhalte zugute kommen würden. "Es geht um einen fairen Anteil, den die Contentwirtschaft generiert", gibt Grünberger zu bedenken.
Google selbst widerspricht dieser Darstellung. Man arbeite "mit
sehr vielen Verlagen und Künstlern wirtschaftlich erfolgreich zusammen" und verweist darauf, dass man alleine im Bereich
der Nachrichten-Herausgeber "jedes Monat mehr als 4 Milliarden Klicks
von Google zu deren Seiten" lenke. "
Das sind ca. 100.000
potenzielle Geschäftskontakte pro Minute, die wir ermöglichen", präzisiert Google Austria in einer Stellungnahme an die "Wiener Zeitung".
Sucht Google das Monopol?
Die Kritik der Content- und Werbebranche geht allerdings noch weiter: Weil Google das Ziel verfolge, die Nutzer in der eigenen Welt zu halten, also neben der Web-Suche auch Dienste wie Google+, Gmail oder Youtube intensiv miteinander verschränke, könne man einen Monopolisierungsversuch erkennen, meint Grünberger, der hier eine Form des "Marktmissbrauchs" ortet. Für die Werbewirtschaft ist dieses Begehren insofern problematisch, da von den rund 390 Millionen Euro, die jährlich in Österreich für Online-Werbung ausgegeben werden, Schätzungen zufolge rund ein Viertel – Google macht dazu keine offiziellen Angaben – auf Google entfällt. Würde es dem Unternehmen demnach gelingen, die Internetnutzer noch stärker innerhalb der eigenen Diensten zu halten und dort mit Werbung zu bespielen, kämen heimische Online-Werbeanbieter noch stärker unter Druck, als dies bereits bisher der Fall ist.