
Wien. In der Wiener Stadthalle wird es am Mittwoch zu einer Abrechnung kommen. Denn die Hauptversammlung der Telekom Austria birgt Sprengstoff. Wilhelm Rasinger vom Interessenverband für Anleger (IVA), der bis zu zwei Millionen Stimmrechte vertritt, wird die Telekom-Aufsichtsratspitze um Markus Beyrer, Chef des staatseigenen Kernaktionärs ÖIAG (28,42 Prozent), ins Kreuzverhör nehmen.
"Ich erwarte mir eine nervöse und gereizte Stimmung seitens Herrn Beyers", sagt Rasinger zur "Wiener Zeitung". Ihn wurmt, dass der vom Aufsichtsrat beauftragte Prüfbericht des Wirtschaftsprüfers BDO über die mutmaßlichen Korruptionsfälle nicht offengelegt wird.
"Man versucht nicht, das Problem offensiv zu lösen, sondern defensiv", klagt der Aktionärsvertreter. "Mein Hauptvorwurf geht an den Aufsichtsratsvorsitzenden Beyer und gegen seine Stellvertreterin, Edith Hlawati, denn die hätten die Möglichkeit, hier einzugreifen. Das ist eine Alibiaktion und das typische Verhalten von einem, wie Herrn Beyrer, der aus der Politik kommt. Er versucht, dieses Problem auszusitzen, und jenen Leuten, die ihn auf diese Position gehievt haben, eine Mauer zu machen." Nachsatz: "Ich verstehe nicht, warum man nicht sauber einen Schlussstrich zieht." Und Aufsichtsrätin Hlawati, die Rasinger "als Schutzmantelmadonna aller Berater" bezeichnet, wirft er vor, nichts daran zu finden, "dass ihre Anwaltskanzlei ungefähr das Dreißigfache ihres Aufsichtsratsbezugs an Honoraren von der Telekom bezieht." Er fordert ihren Rücktritt. Hlawati bestreitet eine Unvereinbarkeit.
Dünne Eigenkapitaldecke
"Das Unternehmen ist in einer nicht einfachen wirtschaftlichen Situation. Und wenn sich alle so weiter spielen, dann wird die Telekom eine zweite AUA", wettert Rasinger. "Die Telekom ist mit einem Kurs von nicht einmal acht Euro je Aktie überbewertet. Der Buchwert je Aktie liegt bei zwei Euro, die hat in den vergangenen zwei Jahren praktisch nichts verdient. Die Eigenkapitalausstattung ist mehr als dünn." Er kritisiert auch die Dividendenausschüttung aus der Telekom-Substanz.
"Vom Cashflow alleine kann man nicht leben", sagt der IVA-Chef im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". "Manche leiden unter einem betriebswirtschaftlichen Realitätsverlust und agieren wie Politiker."
Das Investorengespann
Das 20-Prozent-Engagement des Telekom-Investorengespanns Naguib Sawaris und Ronny Pecik (siehe Bericht unten) betrachtet Rasinger mit Vorsicht. Das Duo will in den Telekom-Aufsichtsrat einziehen. "Herr Pecik wird in der Öffentlichkeit weit überbewertet", meint Rasinger. "Sie werden draufkommen, dass es bei der Telekom nicht so ein Spaziergang ist, wie damals bei VA Tech. Sawiris ist ein international anerkannter Manager, aber wer braucht den Dealmaker Pecik im Aufsichtsrat." Nachsatz: "Wenn man es genau nimmt, steht das Investorengespann mit dem Rücken zur Wand. Denn das, was sie sich vorgestellt haben, wird nicht aufgehen." Die von Pecik und Sawiris beantragte Aufstockung des Telekom-Aufsichtsrats von acht auf zehn Mitglieder lehnt Rasinger kategorisch ab. Das würde lediglich das Aufsichtsratspräsidium unter Beyrer stärken. Für Rasinger gilt aus Erfahrung: Je kleiner das Gremium, desto effektiver ist es. "Als einer von acht oder zehn Aufsichtsräten kann man fast nichts bewirken", ätzt der Anlegervertreter Richtung Ronny Pecik. "Auch mit 25 Prozent Aktienanteil können sie nichts gestalten, sondern nur gravierende Dinge verhindern."