• vom 01.06.2012, 18:11 Uhr

Österreich

Update: 01.06.2012, 18:20 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Inside

Schwerer Aderlass im Büro der Finanzministerin


Von Reinhard Göweil

  • Finanzmarkt-Experte Höllerer kehrt in die Raiffeisen Zentralbank zurück.

Zwei treue Mitarbeiter dürften Maria Fekter (r.) bald verlassen: Harald Waiglein (l.) und Michael Höllerer (M.). - archiv

Zwei treue Mitarbeiter dürften Maria Fekter (r.) bald verlassen: Harald Waiglein (l.) und Michael Höllerer (M.). archiv

Martin Hauer, früher Kabinettschef des damaligen Finanzministers Josef Pröll, ist seinem Chef Ende 2011 unters Giebelkreuz gefolgt und seit einigen Monaten als Generalsekretär bei der Raiffeisen Landesbank NÖ/Wien tätig. Nun geht der nächste Experte aus Maria Fekters Kabinett in Richtung Raiffeisen ab: Michael Höllerer, bisher für Finanzmarkt und Banken im Kabinett zuständig, kehrt in die RZB, die Holding des Raiffeisen-Sektors, zurück. Eine Rückkehr ist es, weil er davor als Assistent bei RZB-Chef Walter Rothensteiner arbeitete. Höllerer galt als zentrale Figur bei der Staatshilfe für die Banken sowie die Verstaatlichung von Kommunalkredit und nun (de facto) Volksbanken AG.

Für das Ministerbüro Fekters ist das ein herber Abgang, denn Höllerer war bis zuletzt auch eingebunden in die Gespräche zum geplanten Banken-Insolvenzrecht. Um eine Bank so pleite gehen zu lassen, dass es zu keinen gröberen Verwerfungen kommt (etwa einem Banken-Run), ist ein kompliziertes Gesetzeswerk notwendig. Mit den Banken laufen diskrete Gespräche. Und auch mit dem Koalitionspartner: Staatssekretär Andreas Schieder ist für eine österreichische Lösung so früh wie möglich. Fekter ist zuletzt auf die Linie eingeschwenkt, eine EU-weite Regelung abzuwarten (was allerdings wirklich länger dauern würde). Höllerer galt zwar - wegen seiner beruflichen Herkunft - auch im Ministerium als durchaus Raiffeisen-freundlich, gilt aber auch bei Kritikern als Experte. Welche Position Höllerer bei Raiffeisen einnimmt, ist noch nicht ausgemacht. Angeblich ist ihm ein Vorstandsposten zugesagt, was im RZB-Konzern aber niemand bestätigen will.

Das ist nicht der einzige Abgang im Büro Fekter: Die wirtschaftspolitische Beraterin der Ministerin, Elisabeth Hirschbichler, soll ebenso ausscheiden. Sie wechselt zur Industriellenvereinigung, ist zu hören. Hirschbichler, die Fekter auch beim Ecofin, dem EU-Ministerrat unterstützte, hat ihre Tätigkeit im Ministerium bereits beendet.

Und den Pressesprecher des Ministeriums, Harald Waiglein, den Josef Pröll ins Kabinett geholt hatte, soll es ebenfalls wegziehen: Ob er die Nachfolge von Sektionschef Thomas Wieser antritt, der nach Brüssel zur EU gewechselt ist, ist aber unsicher. Waiglein war allerdings schon vorher als Pressesprecher des Ministeriums (nicht der Ministerin) außerhalb des Ministerbüros angesiedelt. Das sei jederzeit wieder möglich, ist zu hören. Für die Wieser-Nachfolge im Ministerium habe sich auch der in Bankenaufsicht erfahrene Spitzenbeamte Alfred Lejsik beworben.

Die Abgänge im Ministerbüro kommen für Fekter zur Unzeit, denn alle sind ausgewiesene Experten. Und die Euro-Krise beziehungsweise deren Lösung wird das Finanzministerium weiterhin fordern, auch politisch. Allerdings gilt die resolute Oberösterreicherin Fekter als tendenziell beratungsresistent. Für ihre Berater ist das wohl eher mittelgut. Und Fekter selbst haben ihre unbedachten Äußerungen in der "Süddeutschen Zeitung" den Titel "Die Hexe aus dem Süden" eingebracht . . .




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-06-01 18:17:10
Letzte Änderung am 2012-06-01 18:20:05


Beliebte Inhalte



Roman Leitner ist Honorarprofessor für Finanzstrafrecht an der Universität Graz, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und geschäftsführender Gesellschafter der in Österreich, Schweiz, Mittel- und Osteuropa tätigen LeitnerLeitner GmbH. Er ist dort auf die Beratung in Steuerstrafangelegenheiten spezialisiert. - LeitnerLeitner
  • Welle an Selbstanzeigen in Österreich und Deutschland.
  • weiter

Simpler Schotter oder gefährliche Preistreiber? Der Berg der Kleinstmünzen wird die Experten noch eine Zeitlang beschäftigen. - dpa/Boris Rössler
  • Abschaffung der kleinsten Cent-Münzen lassen Verbraucherschützer hellhörig werden.
  • weiter

  • FCC pocht angeblich auf neue Kredite und auf Haftungen der Republik.
  • weiter

Die Schlupflöcher werden enger, die sicheren Häfen machen dicht: Kapitalflucht wird schwieriger. - WZ Online
  • Die EU und die OECD wollen "automatischen Informationsaustausch" als Standard.
  • weiter

Ergänzen sich gut als Interessensvertreter der Hotellerie: die Wienerin Michaela Reitterer und der Vorarlberger Gregor Hoch. - M. Hetzmannseder
  • Lehrlinge, Steuern, Online-Vertrieb: ein Anliegen des neuen Präsidentenduos der Hoteliervereinigung.
  • weiter

"Bevor uns das Rohöl ausgeht, geht uns das Wasser aus" , ist Brabeck-Letmathe überzeugt. - dpa
  • Spitzenmanager über Europas Defizite und emotionale Debatten.
  • weiter

Notenbank-Direktor Ittner: Seit 2002 erzielt Österreichs Volkswirtschaft Leistungsbilanzüberschüsse.
  • Leistungsbilanz für 2012 weist
  • 5,5 Milliarden Euro Überschuss aus.
  • weiter

Was sagt Karl-Heinz Rummenigge (L)  wohl zu Uli Hoeness (R)? Vielleicht - "Uli, deine Zeit ist abgelaufen". - APAweb/EPA/ANDREAS GEBERT
  • Angeblicher Deal: Freiheitsstrafe auf Bewährung und hohe Strafe
  • weiter

Der Pfad zum Nulldefizit dürfte durch die Kosten für die Hypo versperrt sein. - apa
  • Erst wurden Probleme mit Hypo oder Kommunalkredit auf die lange Bank geschoben, jetzt bricht Hektik aus.
  • weiter

Milliardenloch Banken: Wie viel die Steuerzahler noch nachwerfen müssen, ist offen. - fotolia
  • 4,8 Milliarden für Bankenhilfe könnten sich rasch um 2,5 Milliarden erhöhen.
  • weiter




Werbung



Die Akte Hypo - Bild: APAweb

Firmenmonitor






Frankreich: Amandine Bourgeois - "L'enfer et moi"

Der Teil einer Installation des pakistanischen Künstlers von Imran Qureshi im Metropolitan Museum in New York. Die letzten Stufen werden noch eingekleidet, und dann kanns los gehen:

18. 5. 2013: Ein lesbisches Paar in Myanmar: Der "Internationale Tag gegen Homophobie" geriet weltweit zu einem bunten und eindringlichen Protest gegen Diskriminierung. Noch herrscht auf der Croisette vor dem Palais des Festivals in Cannes die Ruhe vor dem Sturm.

Werbung