Wien. "Terminal 3", "Skylink" und "Check-in 3": Das dritte Flughafenterminal in Wien Schwechat hat seit seinem Planungsstart im Jahr 1999 nicht nur mehrere Namensänderungen erfahren, sondern auch eine bewegte Geschichte hinter sich gebracht. Mit der Öffnung von "Check-in 3" um 3:30 Uhr morgens wird eine Bauphase, die im Zeichen von Missmanagement, Planungsfehler und Korruptionsaffären stand, abgeschlossen. Von einem erfolgreichen Start ist man beim Flughafen Wien trotz mehrfacher Verzögerungen in den vergangenen Jahren überzeugt . Man habe "alles Menschenmögliche getan", um sich optimal auf die Öffnung des Terminals vorzubereiten, ließ Flughafen-Vorstand Julian Jäger wissen.
Monatelang wurde der 150.000 Quadratmeter große Zubau in einem Probebetrieb mit 3200 Testpassagieren getestet, um beim nun startenden Vollbetrieb keine böse Überraschung zu erleben. Kleinere "Kinderkrankheiten" könnte es zwar anfangs geben, wie Jäger einräumte, schwerwiegende Probleme sollten aber auszuschließen sein. Dass das Terminal dem Ansturm von den erwarteten 37.000 Passagieren am ersten Tag standhält, die ab dem ersten Anflug um 4:45 Uhr die Anlage bevölkern werden, ist wahrscheinlich. Eine ernsthafte Panne, wie sie sich etwa bei der Eröffnung eines Terminals in London-Heathrow oder am Flughafen Berlin-Brandenburg ereignete, wäre eine große Überraschung.
Pannen, Betrugsverdacht & Hausdurchsuchungen
Zumal es der "Check-in 3" unter dem Namen "Skylink" an Pannen und Problemen in der Bauphase ohnehin nicht mangeln ließ. Der Flughaften, der jeweils zu 20 Prozent im Eigentum der Länder Wien und Niederösterreich steht, musste die Baukosten mehrfach nach oben korrigieren, aus ursprünglich veranschlagten 400 Millionen Euro und einer Inbetriebnahme im Jahr 2008 wurden 770 Millionen und die Öffnung im Juni 2012. Auch mehrere Vorstände verloren als Konsequenz aus der Kostenexplosion ihren Job.
Denn hinter dem Anstieg der Kosten für den Terminalbau wurden nicht nur Planungsfehler, sondern auch Betrug vonseiten beteiligter Baumfirmen vermutet. So sollen "unter Täuschung der verantwortlichen Mitarbeiter der Flughafen Wien AG" Planungsleistungen zu teuer und bereits erbrachte Zusatzaufträge doppelt verrechnet sowie wirtschaftlich wertlose bzw. überhaupt nicht erbrachte Leistungen in die Rechnungen aufgenommen und bezahlt worden sein, teilte die Staatsanwaltschaft Korneuburg 2011 mit. Es bestehe der Verdacht des schweren Betruges, "falls Verfügungsberechtigte der Flughafen Wien AG mittels Täuschung über Umfang der erbrachten Leistungen zur Bezahlung überhöhter Forderungen verleitet wurden", hieß es.
Die Justiz leitete Ermittlungen ein, führte Hausdurchsuchungen und über 100 Einvernahmen durch. Und auch am Flughaften griff man durch, nacheinander wurden die Vorstände Christian Domany, Herbert Kaufmann, Gerhard Schmid und Ernest Gabmann ausgetauscht.
Sicherer Schlussstrich?
Nun soll unter die brisante Geschichte - zumindest für den Flughafen - endlich ein Schlussstrich gezogen werden - was auch die Namensänderung in "Check-in 3" symbolisiert. "Wir haben gar nicht die Absicht, mit neuem Namen von den riesigen Problemen der Vergangenheit abzulenken", sagte Jäger. Allerdings wäre "die Marke Skylink keine, die ich noch schützen lassen würde".
"Wir wollen langsam, aber sicher starten", bekundete Flughafen-Vorstand Christian Domany noch im August 2008, als er die Verzögerung der Inbetriebnahme kommunizieren musste. Die mehrjährige Verspätung dürfte dem "langsam" gerecht werden - nun steht nur noch der sichere Start bevor.