Wien. (sf) "Trotz der Zunahme von Telefon- und Videokonferenzen reisen Österreichs Manager so viel wie nie zuvor - und die Unternehmen erwarten weiterhin mehr Dienstreisen", sagt Wilfried Kropp, Chef des Tourismus-IT-Dienstleisters Amadeus Austria. Heuer rechnen 29 Prozent von 300 befragten Travel Managern mit einer steigenden Reisetätigkeit, nur sechs Prozent erwarten eine sinkende Anzahl für Dienstreisen. 63 Prozent gehen von einem gleichbleibender Reisetätigkeit aus, wie aus der Geschäftsreise-Studie 2012 der Abta (Austrian Business Travel Association) hervorgeht. Parallel dazu rechnen 42 Prozent der Firmen mit steigenden Reisekosten, sechs Prozent mit sinkenden Budgets.
Im Zuge der Wirtschaftskrise sei das Geschäftsreiseaufkommen in Österreich 2009 um ein Viertel eingebrochen, erst 2011 habe die Anzahl der Flugtickets und der Umsatz wieder das Vorkrisenniveau erreicht. Für dieses Jahr rechnet Kirsch mit einstelligem Wachstum.
Business Class auf der Kurzstrecke ist mittlerweile Geschichte
82 Prozent der befragten Unternehmen halten Telefonkonferenzen ab, Video-Konferenzen werden dagegen nur von der Hälfte genutzt, weil sie mehr technische Ausstattung voraussetzen. Diese Formen der Kommunikation haben sich zwar etabliert, Dienstreisen bleiben aber wesentlich für den Geschäftserfolg: "Firmeninterne Meetings werden durch Telefonkonferenzen ersetzt. Mit Kunden bleiben Mitarbeiter aber lieber im persönlichen Kontakt", sagt Abta-Vorstandsmitglied Kropp. Im Durchschnitt sind die Mitarbeiter 2,7 Tage auf Achse, 70 Prozent der Dienstreisen dauern zwischen zwei und drei Tagen. "In der Wirtschaftskrise wurden die Reiserichtlinien verschärft - unter anderem genehmigen viele Unternehmen eine Übernachtung in einem Hotel nicht mehr, wenn ein Meeting nur zwei Stunden dauert", sagt Abta-Präsident Hanno Kirsch, Geschäftsführer des Kreditkartenunternehmens Airplus. Auch Business Class auf ein- bis zweistündigen Flügen innerhalb Europas zu buchen sei Geschichte.
Seit dem Jahr 2009 wird bei Geschäftsreisen kräftig gespart. Mehr als die Hälfte der Befragten sieht das größte Einsparungspotenzial darin, Billig-Fluglinien zu nutzen. "Beim Einkauf von Reiseleistungen haben die Unternehmen schon bisher gut verhandelt, jetzt wollen sie auch bei den internen Prozessen einsparen, etwa bei der Genehmigung oder bei der Reisekostenabrechnung", sagt Kirsch.
Selbstbucher buchen oft über dem vereinbarten Preis bei Hotels
Nur 18 Prozent der Unternehmen haben interne Reisestellen, elf Prozent haben professionelle Reisemanager, wie aus der Studie hervorgeht. In vielen Klein- und Mittelbetrieben bucht der Reisende - auch der Geschäftsführer - selbst. "In vielen dieser Fälle werden teurere Hotelraten gebucht als ursprünglich vereinbart", heißt es von der Abta.
Mit der Zusammenarbeit mit Reisebüros, Kreditkartenunternehmen, Airlines und Hotels sind die Befragten überwiegend zufrieden. 17 Prozent der Befragten geben jedoch an, dass sich die Zusammenarbeit mit Fluglinien verschlechtert habe.