• vom 05.06.2012, 18:07 Uhr

Österreich

Update: 05.06.2012, 18:32 Uhr
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Einen Monat nach dem Insolvenzantrag unterschrieb Anton Schlecker die Kaufverträge

Schleckers Unterschrift


Von Kid Möchel

  • Schlecker-Kinder soll sieben Millionen Euro für drei Immobilien bezahlt haben.

Linz/Pucking/Ulm.

Anton Schlecker beschäftigt die Ermittler.

Anton Schlecker beschäftigt die Ermittler.© dpa/dpaweb Anton Schlecker beschäftigt die Ermittler.© dpa/dpaweb

Die fragwürdigen Liegenschaftsverkäufe der oberösterreichischen Schlecker Logistik-Service-Center GmbH an die Schlecker-Kinder Meike und Lars werfen viele Fragen auf. Wie berichtet wurden diese Deals Anfang 2012 in Angriff genommen - sechs Tage vor der Einleitung des vorläufigen Insolvenzverfahrens am 23. Jänner 2012 in Deutschland. Zumindest zwei Kaufverträge wurden erst am 29. Februar 2012 verbüchert.

Für das Logistik-Center im niederösterreichischen Pöchlarn zahlten die Kinder 2,5 Millionen Euro, wie aus dem Kaufvertrag hervorgeht, welcher der "Wiener Zeitung" vorliegt. Für das Lager im steirischen Gröbming sollen Meike und Lars rund 2,7 Millionen Euro hingeblättert haben und für das Logistik-Center samt Zentrale im oberösterreichischen Pucking 1,8 Millionen Euro. Lars und Meike Schlecker waren bei den Vertragsabschlüssen persönlich nicht anwesend.

Die Kaufverträge, die vom Linzer Notar Ernst Wittmann abgesegnet wurden, trugen vorerst nur Unterschriften von Irmgard Auer. Lars und Meike hatten Frau Auer Vollmachten ausgestellt, die ein Ulmer Notar beglaubigte. Detail am Rande: Frau Auer ist auch Prokuristin der Verkäuferin, der Schlecker Logistik-Service-Center GmbH, eine Schwesterfirma der operativen Anton Schlecker GmbH. Geschäftsführer diese Firma ist der Pleitier Anton Schlecker. Erst am 29. Februar 2012 - also mehr als einen Monat nach der Beantragung des Insolvenzverfahrens - setzte Anton Schlecker in Ehingen seine Unterschrift unter die drei Verträge, wie aus handschriftlichen Vermerken ersichtlich ist. Die Unterschrift des Firmenpatriarchen wurde erst am 7. März von einem Notar beglaubigt. Nun ist auch klar, warum Anton Schlecker mit seiner Ehefrau rund um Ostern das Logistik-Center in Gröbming besucht hat.

Prüfung angekündigt
Die zwei österreichischen Gesellschaften sind derzeit solvent. Die Mannschaft von "Schlecker Österreich" dürfte die Deals nur am Rande mitbekommen haben.

Laut Aktenlage sollen die Liegenschaften bereits am 31. Jänner an die "neuen Eigentümer" übergeben worden sein; Bedingung dafür war, dass bis dahin die Kaufpreise auf das Schlecker-Logistik-Konto mit der Nummer 88.195 bei der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich überwiesen worden sind.

Indes bestätigte die Stadtgemeinde Pöchlarn am 13. Februar 2012 dem Melker Grundbuchamt, dass es sich bei der verkauften Liegenschaft um ein rechtskräftig gewidmetes "Bauland-Betriebsgebiet" handelt. Und dem Bezirkshauptmannschaft Gröbming bestätigten Lars und Meike Schlecker per eigenhändiger Unterschrift, dass sie auf dem Baugrundstück in der Anton-Schlecker-Straße 870 in Gröbming keinen Zweitwohnsitz begründen wollen. Diesmal führten sie aber nicht den Firmensitz als Heimatadresse an, wie in den Verträgen, sondern ihre privaten Wohnadressen.

Die "Wiener Zeitung" konfrontierte Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz mit den Deals. "Der Vorfall ist der Insolvenzverwaltung bekannt und wird genauestens geprüft", heißt es in seiner Stellungnahme. "Im Rahmen des Insolvenzverfahrens werden alle Übertragungsvorgänge, vor allem die der vergangenen vier Jahre - also auch dieser - unter anfechtungsrechtlichen Gesichtspunkten genau untersucht." Wegen der Komplexität der Vorgänge werde diese Untersuchung aber noch einige Zeit in Anspruch nehmen.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-06-05 18:14:06
Letzte Änderung am 2012-06-05 18:32:08


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