
Wien. Ob beim Bildungssystem oder bei der Gleichbehandlung von Männern und Frauen - Schweden gilt in vielen gesellschaftlichen Bereichen als Musterland. So auch beim Pensionssystem, gehen schwedische Arbeitnehmer doch deutlich später in den Ruhestand als ihre österreichischen Kollegen. Was macht Schweden in Sachen Pensionssystem also besser als Österreich? Um diese Frage zu beantworten, verglichen Forscher des Instituts für Wirtschaftsmathematik der Technischen Universität (TU) Wien die Transfersysteme beider Länder. Das Fazit der Studie "Indikatoren für Generationengerechtigkeit und Nachhaltigkeit sozialer Transfersysteme": Österreich könnte von Schweden - nicht zuletzt bei der Umverteilung zwischen den Altersgruppen - einiges lernen.
Ungerechte Verteilung
Sowohl die Bildung für die Jugend als auch die Versorgung älterer Menschen kostet Geld. Diese Mittel werden durch die arbeitende Bevölkerung erwirtschaftet, die so Kinder und Alte (mit-)versorgt. Die Verteilungsgerechtigkeit zwischen den Generationen und die langfristige Finanzierbarkeit dieser Transfers hängen von der demografischen Entwicklung, aber auch von politischen Entscheidungen ab. In Schweden ist jene Erwerbsphase, in der man durch Steuern mehr Geld in die Gesellschaft investiert, als man in Form von Transferleistungen zurückbekommt, deutlich länger als in Österreich.
Der Grund: Während die schwedische Bevölkerung im Durchschnitt erst mit etwa 64 Jahren von der Nettozahler-Gruppe in die Nettoempfänger-Gruppe, sprich Pension, wechselt, tun das in Österreich bereits die 58-Jährigen. "Die Stauchung des Erwerbslebens in Österreich auf wenige Jahre führt zu einer hohen Belastung der Altersgruppen der 25- bis 50-Jährigen, durch deren Beiträge zu öffentlichen Transfers", erklärt Studienautorin Alexia Fürnkranz-Prskawetz. Zum Vergleich: In Schweden werden die höchsten Beiträge zum staatlichen Transfersystem von der Gruppe der 50- bis 60-Jährigen geleistet, deren Kinder meist bereits aus dem Haus sind. Da die schwedische Bevölkerung somit länger zur Finanzierung des Staates beiträgt und weniger lang Pensionen konsumiert, stehen dort mehr Ressourcen für Investitionen und Transfers zur jüngeren Bevölkerung vor allem für Bildung zur Verfügung. In Österreich kommen die höchsten Beiträge hingegen von Familien mit kleinen Kindern.