• vom 18.06.2012, 18:07 Uhr

Österreich

  • Artikel
  • Lesenswert (2)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Kulterer droht Versäumungsurteil in Hypo-Millionenverfahren


Von Stefan Melichar

  • Klage nicht fristgerecht beantwortet - nun ist die Richterin am Zug.

Ex-Hypo-Chef Kulterer stellt Gegenantrag.

Ex-Hypo-Chef Kulterer stellt Gegenantrag.© APA/GERT EGGENBERGER Ex-Hypo-Chef Kulterer stellt Gegenantrag.© APA/GERT EGGENBERGER

Wien/Klagenfurt.Noch hat der 50-Millionen-Euro-Prozess rund um den Verkauf der früheren Hypo-Kärnten-Beteiligungstochter Hypo-Consultants gar nicht wirklich begonnen, dennoch könnte Ex-Bankchef Wolfgang Kulterer bereits Ungemach drohen. Wie die "Wiener Zeitung" erfahren hat, ist Kulterers schriftliche Beantwortung der von der Hypo Ende März eingebrachten Klage nicht innerhalb der vorgesehenen Frist beim Landesgericht Klagenfurt eingelangt. Damit steht die Möglichkeit eines sogenannten Versäumungsurteils im Raum - mit potenziell weitreichenden Folgen.

"Erstattet der Beklagte die Klagebeantwortung nicht rechtzeitig, so ist auf Antrag des Klägers ein Versäumungsurteil zu fällen. Sein auf den Gegenstand des Rechtsstreites bezügliches tatsächliches Vorbringen ist für wahr zu halten, soweit es nicht durch die vorliegenden Beweise widerlegt wird (. . . )", heißt es in der Zivilprozessordnung (§ 396). Die Hypo hätte also beste Karten, ihre Vorwürfe gegen Kulterer - er ist allerdings nur einer von 13 Beklagten in diesem Verfahren - in erster Instanz durchzubringen.

Die Bank hat das Klagebegehren in Bezug auf Kulterer sowie auf andere beklagte Ex-Vorstände und -Aufsichtsräte mit jeweils zwei Millionen Euro beziffert. Allerdings sollen die früheren Manager primär nur dann in die Pflicht genommen werden, wenn die beklagten Ex-Hypo-Eigentümer Hypo-Mitarbeiterstiftung, Bank Burgenland (Grawe), Kärntner Landesholding und B & Co BeteiligungsgmbH im Fall einer Verurteilung eine 2008 erhaltene Sonderdividende aus dem Consultants-Verkauf nicht zurückzahlen können. Das äußerst komplex formulierte Klagebegehren lässt aber auch die Möglichkeit einer Haftung für Schäden offen, die über den offiziellen Streitwert von 50,1 Millionen Euro hinausgehen.

Prämie für Verkauf?
Kulterer soll laut Klage nach seinem Ausscheiden bei der Hypo im Jahr 2007 eine Prämie von 30.500 Euro brutto für "entscheidende Verdienste um den Verkauf" der Hypo-Consultants gewährt worden sein. Er habe also "vom eklatant misslungenen Verkauf" direkt profitiert, heißt es. Beim Beschluss der Dividendenausschüttung war Kulterer selbst nicht mehr in der Bank tätig. Alle Betroffenen haben sämtliche Vorwürfe immer zurückgewiesen.

Um dem Versäumungsurteil zu entgehen, hat Kulterer einen Wiedereinsetzungsantrag gestellt. Darin wird üblicherweise erklärt, weshalb ein Versäumnis unverhinderbar gewesen sein soll. Über den Antrag entscheidet die zuständige Richterin. Weist sie ihn ab, dürfte die Angelegenheit zum Oberlandesgericht Graz wandern.




Schlagwörter

Hypo, Kulterer, Hypo Consultants

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-06-18 18:17:04


Beliebte Inhalte



  • FCC pocht angeblich auf neue Kredite und auf Haftungen der Republik.
  • weiter

Simpler Schotter oder gefährliche Preistreiber? Der Berg der Kleinstmünzen wird die Experten noch eine Zeitlang beschäftigen. - dpa/Boris Rössler
  • Abschaffung der kleinsten Cent-Münzen lassen Verbraucherschützer hellhörig werden.
  • weiter

Roman Leitner ist Honorarprofessor für Finanzstrafrecht an der Universität Graz, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und geschäftsführender Gesellschafter der in Österreich, Schweiz, Mittel- und Osteuropa tätigen LeitnerLeitner GmbH. Er ist dort auf die Beratung in Steuerstrafangelegenheiten spezialisiert. - LeitnerLeitner
  • Welle an Selbstanzeigen in Österreich und Deutschland.
  • weiter
  • 1
  • Update vor 5 Min.

Funktionieren die "Abenomics"? Japans Premier Shinzo Abe sieht seinen Kurs bestätigt. - epa
  • Lockere Notenbankpolitik ermöglicht höchsten Zuwachs aller Industriestaaten.
  • Wunderwaffe oder Strohfeuer?
  • weiter

Die Regierung hofft, die EU davon abzubringen, dass sie einen Zwangsverkäufer einsetzt. - apa/Techt
  • Kommunalkredit Austria: Verzicht auf neues Geschäft soll EU umstimmen.
  • weiter

"Bevor uns das Rohöl ausgeht, geht uns das Wasser aus" , ist Brabeck-Letmathe überzeugt. - dpa
  • Spitzenmanager über Europas Defizite und emotionale Debatten.
  • weiter

Notenbank-Direktor Ittner: Seit 2002 erzielt Österreichs Volkswirtschaft Leistungsbilanzüberschüsse.
  • Leistungsbilanz für 2012 weist
  • 5,5 Milliarden Euro Überschuss aus.
  • weiter

Was sagt Karl-Heinz Rummenigge (L)  wohl zu Uli Hoeness (R)? Vielleicht - "Uli, deine Zeit ist abgelaufen". - APAweb/EPA/ANDREAS GEBERT
  • Angeblicher Deal: Freiheitsstrafe auf Bewährung und hohe Strafe
  • weiter

Der Pfad zum Nulldefizit dürfte durch die Kosten für die Hypo versperrt sein. - apa
  • Erst wurden Probleme mit Hypo oder Kommunalkredit auf die lange Bank geschoben, jetzt bricht Hektik aus.
  • weiter

Milliardenloch Banken: Wie viel die Steuerzahler noch nachwerfen müssen, ist offen. - fotolia
  • 4,8 Milliarden für Bankenhilfe könnten sich rasch um 2,5 Milliarden erhöhen.
  • weiter




Werbung



Die Akte Hypo - Bild: APAweb

Firmenmonitor






Frankreich: Amandine Bourgeois - "L'enfer et moi"

Der Teil einer Installation des pakistanischen Künstlers von Imran Qureshi im Metropolitan Museum in New York. Die letzten Stufen werden noch eingekleidet, und dann kanns los gehen:

18. 5. 2013: Ein lesbisches Paar in Myanmar: Der "Internationale Tag gegen Homophobie" geriet weltweit zu einem bunten und eindringlichen Protest gegen Diskriminierung. Noch herrscht auf der Croisette vor dem Palais des Festivals in Cannes die Ruhe vor dem Sturm.

Werbung