Wien. Die rund 3.000 Schlecker-Beschäftigten in Österreich können vorerst aufatmen. Mit der Übernahme der schwer angeschlagenen Drogeriekette durch den Investor Rudolf Haberleitner sind ihre Jobs erst einmal gesichert. Auch ums Geld müssen sie nicht mehr zittern. "Die Juli-Gehälter wurden wie immer am Monatsende angewiesen", sagte Gewerkschafter Manfred Wolf am Mittwoch. Der GPA-Funktionär will dem neuen Geschäftskonzept - aus den Schlecker-Filialen sollen Nahversorger namens "daily" werden - eine Chance geben.
"Die Konsumenten und der Markt werden sich überraschen lassen müssen, was passiert", sagte Wolf. Die Gewerkschaft ist positiver Dinge. Gestern sei bereits die Betriebsratsspitze von Haberleitner über die Pläne informiert worden. "Sie hatten einen sehr guten Eindruck." Auch die Gewerkschaft selbst habe bereits "die Fühler ausgestreckt", will rasch mit Haberleitner ins Gespräch kommen.
Für die Mitarbeiterinnen sei durch die am Dienstag bekanntgegebene Übernahme "viel Last weggefallen", das zeigten erste Reaktionen der Beschäftigten.
Der österreichische Finanzinvestor TAP 09 um Haberleitner kauft nicht nur die von der Zahlungsunfähigkeit bedrohte Österreich-Tochter des deutschen Schlecker-Konzerns, sondern auch Schlecker-Filialen in Italien, Polen, Belgien und Luxemburg. Der Kaufvertrag wurde am Montagabend in Linz unterschrieben. Der neue Eigentümer will den insgesamt 4.600 Mitarbeiterinnen in 1.350 Filialen eine Weiterbeschäftigung anbieten. Hierzulande betreibt Schlecker rund 900 Filialen, vereinzelt wurden auch in jüngster Zeit Läden zugedreht.
Kreditversicherer zeigen sich skeptisch
Die größten heimischen Kreditversicherer Prisma und Coface haben auf die Übernahme von Schlecker Österreich durch den bisher unbekannten Finanzinvestor TAP 09 um Rudolf Haberleitner zurückhaltend reagiert. Geplant ist alle 900 Filialen in Österreich zu erhalten und zu einem Nahversorger unter dem neuen Namen "daily" umzubauen. "Das Konzept wirft viele Fragen auf. Außerdem müssen wir wissen, wer als Investor dahinter steht", sagte Prisma-Vorstandsdirektorin Bettina Selden am Mittwoch im Gespräch mit der APA. Zur Zeit könne man die Bonität des Finanzinvestors nicht einschätzen.
Daher werde Prisma derzeit auch keine Warenkreditversicherungen für Schlecker/"daily" übernehmen. Gelieferte, aber noch unbezahlte Produkte und Dienstleistungen werden als Warenkredite bezeichnet. Diese offenen Forderungen der Lieferanten sichern Kreditversicherer wie Prisma und Coface gegen Nichtzahlung ab. Ohne grünes Licht der Versicherer muss "daily" alle Lieferungen sofort bar bezahlen.