• vom 01.08.2012, 18:05 Uhr

Österreich

Update: 01.08.2012, 21:14 Uhr
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Nach der Schlecker-Übernahme will Rudolf Haberleitner mit Nahversorger expandieren

Zweifel am "daily"-Konzept


Von Sophia Freynschlag und Helmut Dité

  • Handelsexperte bezeichnet bereits den Erhalt der 900 Filialen als "ambitioniert".

Wien.

Selbständig: Die ehemalige deutsche Schlecker-Mitarbeiterin Margit Wilhelm will "ihre" geschlossene Filiale in Sonneberg in Thüringen jetzt in Eigenregie als Nahversorger weiterführen.

Selbständig: Die ehemalige deutsche Schlecker-Mitarbeiterin Margit Wilhelm will "ihre" geschlossene Filiale in Sonneberg in Thüringen jetzt in Eigenregie als Nahversorger weiterführen.© dapd Selbständig: Die ehemalige deutsche Schlecker-Mitarbeiterin Margit Wilhelm will "ihre" geschlossene Filiale in Sonneberg in Thüringen jetzt in Eigenregie als Nahversorger weiterführen.© dapd

Kreditversicherer, Handelsexperten und unterlegene Mitbieter zeigen sich ob der Erfolgschancen des neuen Nahversorgers "daily" skeptisch. Rudolf Haberleitner aber will mit seinem Investmentfonds TAP 09 nicht nur alle 900 österreichischen Schlecker-Filialen erhalten, sondern hierzulande bis 2016 weitere 250 "Daily"-Filialen eröffnen. "Es ist absolut daran gedacht - auch in Österreich -, die Filialen jetzt zu halten und noch auszubauen", erklärte der Restrukturierungsexperte in der "ZiB24" des ORF in der Nacht auf Mittwoch.

TAP 09 übernimmt insgesamt 4600 Mitarbeiter in 1350 Filialen in Österreich, Teilen Italiens, Polen, Belgien und Luxemburg. Garantieren könne "niemand etwas", aber "unser Plan ist, bis 2016 auf 1980 Filialen auszubauen", so der 67-Jährige. In fünf bis zehn Jahren sei sogar ein Gang an die Börse denkbar.

Schlecker soll vom Drogeriemarkt zu einem "echten Nahversorger" - teilweise auch mit Post-Partnerschaft - umgewandelt werden, Lebensmittel sollen rund acht Prozent zum Umsatz beisteuern. In ein bis zwei Monaten werde das konkrete Konzept vorgestellt. Die Schlecker-Eigenmarken werde es weiterhin geben, dafür gebe es einen Vertrag bis 2019. "Die Lieferanten stehen voll zu uns", so Haberleitner. Zur Finanzierung des Unternehmens "haben wir alles, was wir brauchen": Internationale Fonds und Stiftungen vermögender Privater seien an Bord. Bei der Bundeswettbewerbsbehörde wurde die Übernahme noch nicht angemeldet.

Komplettumbau nötig
"Sehr viele große Fragezeichen" sieht Wolfgang Richter, Geschäftsführer des Standortberaters Regioplan: "Schlecker hat häufig an jenen ländlichen Standorten neu eröffnet, wo der Nahversorger zugesperrt hat. Dorthin soll nun wieder ein Nahversorger kommen." Zudem sei die durchschnittliche Fläche von Schlecker-Filialen mit 130 Quadratmetern deutlich kleiner als die durchschnittliche Fläche im Lebensmittelhandel mit 520 Quadratmetern. Alle Standorte erhalten zu wollen, sei ein "ambitioniertes Unterfangen". "Der neue Eigentümer wird nicht umhinkommen, die Filialen komplett umzubauen und Kühlregale aufzustellen, wenn Milch und Wurst verkauft werden", so Richter. Zudem müssten die Geschäfte regelmäßig beliefert werden, wenn Brot ins Sortiment komme.

Die größten heimischen Kreditversicherer Prisma und Coface reagieren zurückhaltend: "Das Konzept wirft viele Fragen auf. Außerdem müssen wir wissen, wer als Investor dahinter steht", sagt Prisma-Chefin Bettina Selden. Zurzeit könne man die Bonität des Finanzinvestors nicht einschätzen. Daher werde Prisma derzeit auch keine Warenkreditversicherungen übernehmen. Ohne Versicherung müsste "daily" Lieferungen sofort bar bezahlen.

"Riesige Herausforderung"
Die unterlegenen Mitbieter reagieren überrascht auf die Entscheidung der deutschen Schlecker-Masseverwaltung: Die MTH-Gruppe um den österreichischen Industriellen Josef Taus, die nur 100 Filialen übernehmen wollte, sieht TAP 09 laut "Kurier" vor einer "riesigen logistischen Herausforderung", die nur zu schaffen sei, "wenn dahinter ein sehr reicher Mann oder ein anderes Handelsunternehmen steht". "Alle 900 Standorte zu übernehmen halte ich für gefährlich", erklärt auch der frühere dm-Manager Manfred Laaber, der selber rund 600 Filialen übernehmen wollte.

Kreativität muss "daily" auch online beweisen: "daily.at" gehört schon der Raiffeisen-Tochter Daily Service Tiefkühllogistik.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-08-01 18:12:17
Letzte Änderung am 2012-08-01 21:14:05


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