Worum geht es bei den Kollektivvertragsverhandlungen?

Für die Unternehmer und Arbeitnehmer verhandeln die Sozialpartner - also die Fachverbände der Wirtschaftskammer und die Gewerkschaften - über das Jahr verteilt hunderte Kollektivverträge für einzelne Branchen und sogar Unternehmen. Darin sind nicht nur die Lohnerhöhungen festgelegt, oft werden auch die rechtlichen Rahmenbedingungen neu geregelt. So wird bei den Metallern seit Jahren über eine Arbeitszeitflexibilisierung gestritten. Die Abläufe sind seit Jahrzehnten ritualisiert und formalisiert - besonders die Gewerkschaftsseite reagiert auf Veränderungen höchst sensibel.
Warum haben die "Metaller" so große Bedeutung?
Die "Herbstlohnrunde" hat im Rahmen der Lohnverhandlungen einen Sonderstatus: Die Metaller machen traditionell den Auftakt und legen die Latte für andere Branchen. Aufgrund der schieren Größe haben auch die Verhandlungen des Handels (rund 450.000 Beschäftigte) und des Öffentlichen Dienstes (350.000 Beschäftigte) großes Gewicht. Die Metaller gelten als eine der schlagkräftigsten Gewerkschaftsorganisationen - deshalb die große Aufregung. Bisher bestand die KV-Gemeinschaft aus sechs Industrieverbänden: Maschinen und Metallwaren (mit Leitbetrieben wie Doppelmayr oder Andritz), Fahrzeugindustrie (Magna Steyr oder Opel Wien, das GM-Werk in Aspern), Bergwerke und Stahl (Voestalpine) sowie die kleineren Verbände Nichteisen-Metall, Gas- und Wärmeversorgung und Gießerei.
Wie kommt der Lohnabschluss zustande?
Dabei spielen mehrere Faktoren eine Rolle: die Inflation, also die Teuerungsrate, weil sie die reale Kaufkraft bestimmt. Der Wirtschaftsausblick und die Produktivität wiederum beeinflussen die künftige Auftragslage der Firmen und ihre internationale Wettbewerbslage. Zusammengefasst ist das in Österreich seit etwa 1972 in der sogenannten "Benya-Formel" (nach dem legendären Gewerkschafter Anton Benya). Die Lohnerhöhungen sollen sich demnach langfristig an der Inflationsrate und der Produktivitätssteigerung orientieren.
Haben die Lohnabschlüsse eine Bedeutung über die Landesgrenzen hinaus?
Ja - weil daran auch die Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft abhängt. Als eine Ursache der Eurokrise gelten starke Ungleichgewichte in der Lohnentwicklung nach der Euro-Einführung. Deutschland und Österreich werden kritisiert, weil sie eher zurückhaltend waren, also niedrigere Lohnsteigerungen beschlossen haben.
Die Exportprodukte wurden vergleichsweise günstiger, die Wettbewerbsfähigkeit ist gestiegen. Anders ist die Situation in Ländern wie Griechenland oder Spanien: Dort gab es größere Lohnzuwächse, dafür sind die Exporte eingebrochen. Die Handelsbilanz drehte stark ins Negative - hohe Defizite sind die Folge. (hes)
Wissen: Herbstlohnrunde