• vom 20.08.2012, 16:22 Uhr

Österreich

Update: 20.08.2012, 16:40 Uhr
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Behinderte sind überdurchschnittlich oft arbeitslos - Betroffene wollen kein Mitleid, sondern faire Jobchancen

"Wir brauchen keine Samthandschuhe"



  • Sozialministerium fördert Integration in Firmen mit 725 Millionen Euro bis 2016.

Ein Rollstuhl ist kein Hindernis für einen Bürojob.

Ein Rollstuhl ist kein Hindernis für einen Bürojob.© Gina Sanders - Fotolia Ein Rollstuhl ist kein Hindernis für einen Bürojob.© Gina Sanders - Fotolia

Wien. (sf) Von einem Tag auf den anderen im Rollstuhl sitzen - das ist Gregor Demblin, Mitgründer der Online-Jobplattform Career Moves, mit 18 Jahren nach einem Badeunfall passiert. "Da habe ich selbst erlebt, wie man sich fühlt, wenn man plötzlich mit Samthandschuhen angefasst wird, aber niemand einem Leistungsfähigkeit zutraut."

Behinderte sind noch nicht voll als Erwerbstätige integriert und konnten nicht von der verbesserten Situation am Arbeitsmarkt profitieren. Die Arbeitslosenquote bei Behinderten ist im Vorjahr um 0,3 Prozentpunkte auf 9,6 Prozent (6314 Personen) gestiegen, während sie bei nicht Beeinträchtigten um 0,2 Prozentpunkte auf 6,7 Prozent gefallen ist.

"Das Potenzial von Menschen mit Beeinträchtigungen wird derzeit zu wenig genutzt. Dabei vergeuden die Unternehmen wertvolle Ressourcen", sagt Johannes Kopf, Vorstand des Arbeitsmarktservice (AMS). Aufgrund der steigenden Anzahl an Über-60-Jährigen werde es künftig mehr potenzielle Arbeitnehmer mit Beeinträchtigungen geben, zudem drohe ein Mangel an Arbeits- und Fachkräften. Auch Sozialminister Rudolf Hundstorfer betont, dass aufgrund der demografischen Entwicklung Arbeitskräfte mit Beeinträchtigungen für Firmen immer wichtiger werden.

"Leistung, nicht Mitleid"
"Wir leisten viel Aufklärungsarbeit in den Betrieben. Manche Unternehmen fürchten, dass behinderte Mitarbeiter weniger leisten oder eine längere Eingewöhnungszeit benötigen", sagt Demblin. Auf der Job-Plattform Career Moves zeigen vier Symbole - durchgestrichene Treppe für Mobilität, durchgestrichener Notenschlüssel für Gehör oder Sprache, durchgestrichenes Auge für Sehvermögen, Rollstuhl für Behinderungen allgemein -, welche Einschränkungen Jobbewerber haben können. In den ersten drei Jahren wurden 3000 Stellen in 270 Unternehmen angeboten, etwa bei Ikea, McDonald’s, Bank Austria und Microsoft. Allein im ersten Halbjahr 2012 waren 1585 Stellen verfügbar, derzeit sind es 427 Jobs bei 48 Firmen.

"Bei uns zählt Leistung, nicht Mitleid. Es geht um Leistungsträger. Wir brauchen keine Samthandschuhe", sagt Demblin. Er fordert: "Menschen mit Behinderung müssen ernst genommen werden. Sie haben eine faire Chance am Arbeitsmarkt verdient." Auf der "Service für Unternehmen"-Tour des AMS durch 7000 Betriebe soll im kommenden Jahr die Einstellung Behinderter stärker thematisiert werden, kündigt Kopf an.

Mit 725 Millionen Euro fördert das Sozialministerium bis 2016 - mit Schwerpunkt ab 2014 - "integrative Arbeitsmarktmaßnahmen", ein Teil davon fließt in das Programm "Reha-Geld statt Invaliditätspension". Vorgesehen ist, dass Arbeitnehmer bis 50 Jahre nicht mehr krankheitsbedingt in Invaliditätspension gehen können, sondern ein Reha-Geld in ähnlicher Höhe erhalten sollen. Damit fallen die Betroffenen in die Kompetenz des AMS und sollen auf andere Berufe umgeschult werden, wodurch eine Invaliditätspension vermieden wird.

Die Umschulung von älteren Mitarbeitern wird auch bei den Wiener Stadtwerken eine größere Rolle spielen, sagt Generaldirektorin Gabriele Payr. "Früher waren körperliche oder psychologische Probleme von Schichtarbeitern oder Monteuren von Hochspannungsleitungen Grund für Frühpension. Jetzt wird für Mitarbeiter mit Beeinträchtigungen ein anderes Berufsbild gesucht."



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-08-20 16:29:05
Letzte Änderung am 2012-08-20 16:40:43


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