Graz.

"Wir haben laufend Investorengespräche und wollen diese bis Ende September abgeschlossen haben. Derzeit ist ein strategischer Investor aus Deutschland im Datenraum", bestätigt Scherbaum der "Wiener Zeitung". "Der, der die Firma übernimmt, bekommt sie, so wie sie liegt und steht, für einen Euro und gegen die Finanzierung des Sanierungsplans in angemessener Höhe." Nachsatz: "Oder aber wir verkaufen die Assets in eine Auffanggesellschaft und veräußern diese." In der ersten Variante, einem sogenannten Share-deal, würde der Käufer laut Franz Blantz und Markus Graf vom Alpenländischen Kreditorenverband (AKV) zumindest rund sechs Millionen Euro für die Sanierungsplanquote plus die Insolvenzverfahrenskosten von etwa 400.000 Euro aufbringen müssen. Scherbaum präferiert Variante eins, denn sie würde ein lebendiges Unternehmen samt vieler Arbeitsplätze erhalten. Im anderen Fall müssten laut Blantz mit rund 600 Lieferanten neue Vereinbarungen getroffen werden. Fakt ist auch: Scherbaum will eine Liquidation des Versandhauses auch aufgrund der damit verbundenen Vernichtung von Jobs und Vermögenswerten verhindern.
Doch die Sache hat noch einen gewaltigen Haken. Die Marke Neckermann hat der insolvente deutsche Mutterkonzern laut Scherbaum verpfändet. Dieses Problem muss aber gelöst werden. Zur Erinnerung: Im Pleitefall Quelle Linz hat der Mitbewerber Otto-Versand die Marke Quelle vom deutschen Insolvenzverwalter erstanden, und damit ein eigenständiges Überleben der Linzer unterbunden. In der Zwischenzeit hat Otto die Marke Quelle wiederbelebt.
Deal mit der Post
Indes hat der Grazer Insolvenzverwalter nicht nur den Segen des Gerichts für den Zwei-Millionen-Euro-Kontokorrent-Kreditrahmen bei der Raiffeisenlandesbank OÖ erhalten, sondern auch mit dem Vertriebspartner Post einen Deal ausgehandelt. Anstatt monatlich 600.000 Euro Kaution für die Vertriebskosten bereitstellen zu müssen, einigte man sich auf eine Bankgarantie in Höhe von 400.000 Euro. Zugleich begleicht Neckermann die Postrechnungen innerhalb von zwei Werktagen. Denn: ohne funktionierenden Vertrieb kein Umsatz.
Indes werkt Scherbaum mit dem Management an einer Umstellung des Einkaufs auf Direktbelieferung. Was in Sachen Haushalts- und Multimediageräte eher weniger kompliziert sein dürfte, wird im Hauptsegment Textilien (58 Prozent des Umsatzes) aufgrund der langen Einkaufsvorlaufzeiten etwas schwieriger werden.
Laut einer Hochrechnung des Sachverständigen Hans-Otto Hüppe wird Neckermann Österreich ab der Insolvenzeröffnung Ende Juli bis Jahresende netto rund 23,7 Millionen Euro umsetzen, und über das Gesamtjahr gesehen 39,52 Millionen Kundenforderungen aufgebaut haben; diese werden an ein Factoringinstitut zwecks Liquiditätsbeschaffung verkauft. Davon entfallen sieben Millionen Euro Forderungen auf die Fortführung. Die deutsche Valovis Bank kauft die neuen Forderungen um 70 Prozent des Wertes. Bis Jahresende beträgt das Finanzierungserfordernis von Neckermann Österreich zwischen 8,16 und 9,17 Millionen Euro.
Wien. Es ist entschieden: Die zum Meinl-Imperium gehörende Heidi Chocolat mit Sitz in Rumänien kauft den insolventen Wiener Schwedenbombenhersteller...weiter