• vom 28.08.2012, 18:14 Uhr

Österreich

Update: 28.08.2012, 21:49 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (1)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Finanzmarktökonom der Stadt Linz gegen deutschen Bawag-Gutachter

Linzer Franken-Affäre: Match der Privatgutachter eskaliert


Von Kid Möchel

  • Strafgutachter soll bis Mitte September seine Expertise dem Ankläger vorlegen.

Linz. Im Strafverfahren gegen den Ex-Finanzdirektor und den Finanzstadtrat der Stadt Linz rund um verlustträchtige Währungsspekulationen auf den Schweizer Franken, die die Bawag der Gemeinde angedient hat, zeichnet sich ein heftiger Schlagabtausch ab. Die Stadt Linz, die von Anwalt Lukas Aigner, Kanzlei Kraft & Winternitz, vertreten wird, hat als mutmaßliches Opfer im Ermittlungsverfahren ein Privatgutachten des Schweizer Finanzmarktökonomen Martin Janssen vorgelegt. Janssen widerlegt darin ein Privatgutachten des Frankfurter Universitätsprofessors Mark Wahrenburg, das die Bawag eingeholt hat. Vor Kurzem legte die Bawag-Anwältin Bettina Knötzl, Kanzlei Wolf Theiss, eine "Erwiderung", also ein Gegengutachten Wahrenburgs der Staatsanwaltschaft Linz vor. Wahrenburg wirft seinem Schweizer Kollegen darin "wissenschaftlich unhaltbare Ergebnisse und erhebliche Mängel" in der Expertise vor. Zugleich hauen sich die beiden Finanzwissenschaftler Janssen und Wahrenburg ihre unterschiedlichen Berechnungsmethoden um die Ohren.

Bawag und Stadt Linz liefern sich nach wie vor einen beinharten Schlagabtausch.

Bawag und Stadt Linz liefern sich nach wie vor einen beinharten Schlagabtausch.© APA/GEORG HOCHMUTH Bawag und Stadt Linz liefern sich nach wie vor einen beinharten Schlagabtausch.© APA/GEORG HOCHMUTH

Detail am Rande: Der von der Staatsanwaltschaft Linz im Strafverfahren bestellte Sachverständige Christian Imo soll bis Mitte September sein Opus vorlegen; das geht laut Insidern aus den von ihm gestellten Kostennoten hervor. Ob er darin die Privatgutachten berücksichtigten wird, ist unklar. Zur Erinnerung: Das Strafverfahren gegen die beiden Stadtfunktionäre dreht sich um den Verdacht der Untreue im Zusammenhang mit hochriskanten Zinswetten. Die Vorwürfe werden bestritten.

Vorwürfe gegen die Bawag
Auf dem Zivilrechtsweg hat die Stadt Linz die Bawag auf 25 Millionen Euro geklagt, die Bank konterte mit einer Widerklage in Höhe von rund 418 Millionen Euro.

Gutachter Janssen behauptet, dass die hochriskante Zinswette "Swap 4175" für Linz völlig ungeeignet war, weil diese "sehr einseitig zuungunsten der Stadt Linz" gestaltet und das Risiko unkontrollierbar sei. Im Mittelpunkt steht eine 195-Millionen-Franken-Anleihe, die mit der Wette abgesichert werden sollte.

Doch zum Währungsrisiko kommt auch ein Zinssatzrisiko, das auch vom Franken abhängig gemacht wurde. "Je mehr der Schweizer Franken aufwertet, desto höher ist der Zinssatz und das unbegrenzt", heißt es im Umfeld der Stadt. "Janssen sagt sinngemäß, das widerspricht allen Prinzipien einer vorsichtigen Kreditgestion, wenn ich alles auf eine Karte setze." Die Risikostreuung sei bei einer Stadt, die Steuergeld verwaltet, viel stärker zu berücksichtigen als bei einem privaten Unternehmen. Auch sei das Swap-Geschäft, das auf rund 20 Devisenoptionen basiert, weder marktüblich noch habe es das Fremdwährungsportfolio von Linz optimiert.

Risiko lässt sich beherrschen
Indes sagt Bawag-Gutachter Wahrenburg sinngemäß, die Risiken des Swaps hätten sich beherrschen lassen. "Er sagt, dieses Swap-Geschäft ist dann vernünftig, wenn man es mit einer Stop-Loss-Strategie unterlegt", erklärt ein Experte. Dazu setzt der Frankfurter Professor die Ausstiegsschwelle aus dem Swap bei 1,40 Franken pro Euro fest. Fazit: Die Zinslast reduziere sich "im Mittelwert der Zinskosten" erheblich. "Der Abschluss des Swaps hat nicht zu einer untragbaren Erhöhung der Risiken für Linz geführt, sofern die Stadt die Verluste mit einem Stop-Loss-Strategie begrenzt", meint Bawag-Gutachter Wahrenburg. "Die Risikowirkung des Swaps ist insgesamt nicht eindeutig bestimmbar, weil verschiedene Risikomaße eine Vergrößerung bzw. Verringerung der Risiken anzeigen." Aus dem Umfeld der Stadt Linz heißt es, dass diese Latte von 1,40 Franken pro Euro schon Anfang Juni 2010 erreicht wurde.

"Das ist kurios, diese Stop-Loss-Strategie zeigt nur, wie bescheuert es ist, ein solches Produkt zu nehmen. Denn für einen Ausstieg aus dem Swap hätte man zumindest 100 Millionen Euro Steuergeld in die Hand nehmen müssen", sagen Insider. "Laut einer Bawag-Bewertung wies der Swap schon am 31. Mai 2010 einen Negativwert von 99,6 Millionen Euro aus, Ende Juni minus 180,3 Millionen Euro."




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-08-28 18:20:08
Letzte Änderung am 2012-08-28 21:49:35


Beliebte Inhalte



  • FCC pocht angeblich auf neue Kredite und auf Haftungen der Republik.
  • weiter

Funktionieren die "Abenomics"? Japans Premier Shinzo Abe sieht seinen Kurs bestätigt. - epa
  • Lockere Notenbankpolitik ermöglicht höchsten Zuwachs aller Industriestaaten.
  • Wunderwaffe oder Strohfeuer?
  • weiter

Simpler Schotter oder gefährliche Preistreiber? Der Berg der Kleinstmünzen wird die Experten noch eine Zeitlang beschäftigen. - dpa/Boris Rössler
  • Abschaffung der kleinsten Cent-Münzen lassen Verbraucherschützer hellhörig werden.
  • weiter
  • 2
  • Update vor 38 Min.

Die Regierung hofft, die EU davon abzubringen, dass sie einen Zwangsverkäufer einsetzt. - apa/Techt
  • Kommunalkredit Austria: Verzicht auf neues Geschäft soll EU umstimmen.
  • weiter

Hübsche PCs, miese Zahlen... - Zahlen, Foto: Dell Die anhaltende Schwäche auf dem Markt für PCs hat Dell einen Gewinneinbruch um 79 Prozent beschert. Für das erste Quartal gab der US-Konzern am...weiter

"Bevor uns das Rohöl ausgeht, geht uns das Wasser aus" , ist Brabeck-Letmathe überzeugt. - dpa
  • Spitzenmanager über Europas Defizite und emotionale Debatten.
  • weiter

Der Pfad zum Nulldefizit dürfte durch die Kosten für die Hypo versperrt sein. - apa
  • Erst wurden Probleme mit Hypo oder Kommunalkredit auf die lange Bank geschoben, jetzt bricht Hektik aus.
  • weiter

Milliardenloch Banken: Wie viel die Steuerzahler noch nachwerfen müssen, ist offen. - fotolia
  • 4,8 Milliarden für Bankenhilfe könnten sich rasch um 2,5 Milliarden erhöhen.
  • weiter

Notenbank-Direktor Ittner: Seit 2002 erzielt Österreichs Volkswirtschaft Leistungsbilanzüberschüsse.
  • Leistungsbilanz für 2012 weist
  • 5,5 Milliarden Euro Überschuss aus.
  • weiter

Was sagt Karl-Heinz Rummenigge (L)  wohl zu Uli Hoeness (R)? Vielleicht - "Uli, deine Zeit ist abgelaufen". - APAweb/EPA/ANDREAS GEBERT
  • Angeblicher Deal: Freiheitsstrafe auf Bewährung und hohe Strafe
  • weiter




Werbung



Die Akte Hypo - Bild: APAweb

Firmenmonitor






Frankreich: Amandine Bourgeois - "L'enfer et moi"

Der Teil einer Installation des pakistanischen Künstlers von Imran Qureshi im Metropolitan Museum in New York. Die letzten Stufen werden noch eingekleidet, und dann kanns los gehen:

18. 5. 2013: Ein lesbisches Paar in Myanmar: Der "Internationale Tag gegen Homophobie" geriet weltweit zu einem bunten und eindringlichen Protest gegen Diskriminierung. Noch herrscht auf der Croisette vor dem Palais des Festivals in Cannes die Ruhe vor dem Sturm.

Werbung