Wien. (kle) Rudolf Kemler ist seiner Favoritenrolle gerecht geworden: Ihn hat der ÖIAG-Aufsichtsrat am Freitag zum neuen Chef der Staatsholding gekürt. Der 56-jährige IT-Manager Kemler - bis Ende Juli Österreich-Boss des US-Computer-Riesen Hewlett-Packard (HP) - folgt auf Markus Beyrer, der nach Brüssel als Generaldirektor des EU-Arbeitgeberverbandes "Businesseurope" wechselt.

Mit Kemler bleibt die ÖIAG-Vorstandsspitze weiter im Naheverhältnis zur Industriellenvereinigung (IV). Beyrer war vor seinem "Gastspiel" in der Staatsholding viele Jahre Generalsekretär der IV, Kemler ist Vorstand in der IV-Wien. Nicht zum Zug kam im Poker um den Posten des ÖIAG-Alleinvorstands der ehemalige steirische Wirtschaftslandesrat Herbert Paierl. Auch Ex-AUA-Vorstand Peter Malanik ging leer aus.
Finanzministerin Maria Fekter zeigte sich zufrieden mit der Entscheidung des ÖIAG-Aufsichtsrats. Kemler sei nun gefordert, ein Konzept über die künftige Ausrichtung der Holding (Post, Telekom, OMV) vorzulegen. Ein Gespräch mit ihm habe bereits stattgefunden, sagte Fekter zur Austria Presse Agentur.
Die Ministerin stellte aber auch klar, dass sie mit Paierl hätte leben können. Jetzt gehe es darum, die Staatsholding aus den medialen Schlagzeilen herauszuhalten. Zu der von der ÖVP in der Vergangenheit geforderten Eingliederung der ÖBB in die ÖIAG hielt Fekter fest, dass man jetzt einmal schauen müsse, was der austro-kanadische Milliardär Frank Stronach mit den ÖBB vorhabe. Wenn es ihm nur darum gehe, Förderungen abzuziehen, sei ein Verkauf an Stronach keine Option. Wenn er aber den Steuerzahler entlastet, müsse man sich das anschauen, so Fekter.
Aufwertung der Holding
Kemler wird mit 1. November Platz im Chefsessel der ÖIAG nehmen. Zu seinen Plänen meinte er: "Langfristig ist es mein Ziel, die ÖIAG im Dialog mit allen Stakeholdern strategisch aufzuwerten. Dazu gibt es verschiedene strategische Zukunftsoptionen, die ich konstruktiv und sachlich diskutieren werde. Ich möchte Brücken bauen und das Verbindende über das Trennende stellen."
Strategisch steht für Kemler die Aufwertung der ÖIAG an zentraler Stelle: "Eine starke ÖIAG gibt ihren Beteiligungen unternehmerische Verantwortung und entzieht sie dem direkten Einfluss der Tagespolitik.
ÖIAG-Präsident Peter Mitterbauer streute Kemler nach der Aufsichtsratssitzung Rosen: "Mit ihm konnten wir für die ÖIAG einen Vollblutmanager mit einem beeindruckenden, internationalen Werdegang gewinnen. Er ist ein Mann der Wirtschaft, der in seiner mehr als 35-jährigen Karriere als Geschäftsführer, Vorstand und Aufsichtsrat in einem breiten Spektrum an Branchen überzeugt hat. Neben seiner hervorragenden wirtschaftlichen Karriere hat er sich in verschiedenen Funktionen immer wieder intensiv für standortrelevante Initiativen engagiert."
Insgesamt gab es für den Posten des ÖIAG-Chefs 16 Bewerbungen, vier kamen in die engere Wahl. Beim Hearing war Kemler der Erstgereihte.
Kemler war zuletzt Chef von HP Österreich (ab 2008). Nach ersten Stationen in der Bankenwelt wechselte er zur IT-Firma Nixdorf (später Siemens-Nixdorf). Von 1998 bis 2000 war er als Senior Vice President bei GE Capital. Im Jahr 2000 wurde er Vorstandsvorsitzender des börsennotierten Wiener Technologieunternehmens "Stage1.cc". Von 2002 bis Anfang 2008 war Kemler Chef der Geschäftsführung von T-Systems Austria und Regionsverantwortlicher für Zentral- und Osteuropa. Kemler hat auch eine Reihe an Funktionen inne, zum Beispiel als Vizepräsident der Amerikanischen Handelskammer in Österreich und als Präsident der "Internetoffensive Österreich".