Wien. (kle) Paukenschlag beim Start der heurigen Metaller-Lohnrunde: Die Arbeitnehmervertreter haben am Mittwoch fünf Prozent mehr Lohn und Gehalt für alle rund 180.000 Beschäftigten der Branche gefordert. Damit ist die Latte überraschend hoch gelegt. Der Forderung – sie bezieht sich sowohl auf die Mindest- als auch auf die Ist-Löhne – liegt eine Inflationsrate von 2,8 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten sowie "kräftige" Gewinnsteigerungen der Unternehmen zugrunde.
Anders als bisher erfolgte die erste Verhandlungsrunde zwischen Gewerkschaft und Arbeitgebern diesmal bereits nach der Übergabe der Forderungen. Wie erwartet kam es zu keiner Einigung. Verhandelt wurde etwa drei Stunden. Seitens der Gewerkschaft hieß es dazu: "Eine mühselige Gschicht." Die Arbeitgeber betonten, dass die Forderung von fünf Prozent mehr Geld "nicht nachvollziehbar und schwer erfüllbar" sei. Zähe Verhandlungen zeichnen sich ab. Im Vorjahr waren vier Sitzungen notwendig gewesen, um zu einem Abschluss zu kommen.
Den Auftakt bei den heurigen Verhandlungen machte der Fachverband Maschinen- und Metallindustrie (FMMI). Erstmals finden diese nämlich nicht mit der gesamten Metallindustrie statt. Der FMMI, der mit Abstand größte Fachverband, ist im Frühjahr aus dem bisherigen Verbund ausgeschert – mit der Folge, dass die Gewerkschaft nolens volens nun mit jedem der sechs Fachverbände getrennt verhandeln muss.
Der nächste Termin für die Verhandlungen mit dem FMMI ist der 26. September. Kommt es da wieder zu keiner Einigung, ist ein weiterer Termin für den 5. Oktober geplant. Ab 15. Oktober sollen dann die Gespräche mit dem Berg- und Stahlbau beginnen.
Nach der Forderungsübergabe durch die Gewerkschaften Pro-Ge und GPA hatten die Arbeitgeber erklärt, es gehe ihnen nicht nur um die Höhe der Lohn- und Gehaltsabschlüsse, sondern auch um Rahmenbedingungen. "Nur an der Lohnschraube zu drehen ist zu wenig", sagte Christian Knill, Obmann des FMMI. Er will auch über eine weitere Flexibilisierung der Arbeitszeiten reden. Für die Gewerkschaft ist das ein rotes Tuch. Sie befürchtet, dass die Arbeitnehmer durch längere Durchrechnungszeiträume Überstundenzuschläge verlieren.
Gemeinsamer Abschluss?
Die beiden Chefverhandler auf Gewerkschaftsseite, Rainer Wimmer (Pro-Ge) und Karl Proyer (GPA), stellen sich auf "sehr schwierige Verhandlungen". Sie streben nicht nur die Beibehaltung eines einheitlichen Kollektivvertrags (KV) in allen sechs Metaller-Verbänden an, sondern auch einen gemeinsamen Lohn- und Gehaltsabschluss. "Wir haben in der Metallindustrie ein wirtschaftliches Rekordjahr 2011 hinter uns und erwarten ein sehr, sehr gutes Jahr 2012", sagen Wimmer und Proyer. "Da muss auch für die Arbeitnehmer etwas drinnen sein."
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