• vom 25.09.2012, 20:36 Uhr

Österreich

Update: 26.09.2012, 08:55 Uhr
  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Lohnrunde: Die Metallergewerkschaften wollen wieder fünf Prozent plus

Kurzarbeit als Damoklesschwert


Von Simon Rosner und Katharina Schmidt

  • Fachverband: "Schwierig" zu erfüllen.
  • Kurzarbeit gegenüber dem Vorjahr wieder angestiegen, Ruf nach Reform.

Wien. Es geht wieder los. Sieben Stunden sind für die zweite Lohnverhandlungsrunde der Metaller veranschlagt, die heute, Mittwoch, in der Wirtschaftskammer in Wien über die Bühne gehen wird. Über Themen oder gar eine Stoßrichtung hielten sich am Dienstag sowohl Gewerkschaften als auch Arbeitgeber bedeckt.

Bei Großbetrieben wie der Voest könnten verschiedene Kollektivvertragsregelungen zur Anwendung kommen, wenn auch weiterhin getrennt verhandelt wird, befürchtet die Gewerkschaft. apa

Bei Großbetrieben wie der Voest könnten verschiedene Kollektivvertragsregelungen zur Anwendung kommen, wenn auch weiterhin getrennt verhandelt wird, befürchtet die Gewerkschaft. apa© APA/HANS KLAUS TECHT Bei Großbetrieben wie der Voest könnten verschiedene Kollektivvertragsregelungen zur Anwendung kommen, wenn auch weiterhin getrennt verhandelt wird, befürchtet die Gewerkschaft. apa© APA/HANS KLAUS TECHT

Klar ist die Ausgangslage: Bereits im Spätsommer hatte der Fachverband der Maschinen- und Metallwarenindustrie (FMMI) erklärt, man wolle diesmal nicht gemeinsam mit den fünf anderen Fachverbänden verhandeln. Der FMMI ist mit 120.000 Beschäftigten der größte Verband der Branche, die rund 180.000 Beschäftigte zählt. Die Maschinenbauer argumentieren ihr Ansinnen mit der unterschiedlichen Struktur der Verbände - so seien die im FMMI vereinten Firmen zu 90 Prozent Familienunternehmen, sehr stark exportorientiert und unterlägen anderen Zyklen als etwa die Eisen- und Stahlindustrie.

Seitens der Gewerkschaften befürchtet man indes eine Zersplitterung des Kollektivvertrags: Wenn alle sechs Fachverbände jedes Jahr unterschiedliche Lohnerhöhungen verhandeln und verschiedene Zusatzvereinbarungen treffen, komme es zwangsläufig zu einer Zersplitterung des Kollektivvertrags, heißt es aus der Produktionsgewerkschaft ProGe. FMMI-Obmann Christian Knill bestreitet das im Gespräch mit der "Wiener Zeitung": Der Kollektivvertrag bliebe in jedem Fall bestehen - dann eben nur mit sechs verschiedenen Anhängen.

Daneben haben Rainer Wimmer für die ProGe und Karl Proyer für die Angestelltengewerkschaft GPA beim ersten Verhandlungstermin vergangene Woche noch einen großen Brocken auf den Tisch gelegt: Sie forderten fünf Prozent mehr Lohn und Gehalt für alle Beschäftigten der Branche. Für Knill ist diese Forderung "nicht nachvollziehbar", da die Gesamtproduktivität sinke. "Wenn man die Beschäftigung im Land halten will, werden fünf Prozent schwierig sein."

Bereits vergangenen Mittwoch hat die Arbeitgeberseite einen Katalog mit Sachforderungen präsentiert, der laut Gewerkschaften aber zu unkonkret ist. Darin findet sich der Ruf nach einem "Beschäftigungs- und Standortsicherungspaket" - in der ProGE vermutet man, dass sich dahinter der Ruf nach mehr Arbeitszeitflexibilisierung verbirgt. Laut Knill, für den sein Stellvertreter Johannes Collini verhandeln wird, ist dies auch ein Thema. Es gehe darum, das, was jetzt schon in den Unternehmen auf diesem Gebiet passiert, auch kollektivvertraglich abzusichern. Details wollte er im Vorfeld aber nicht nennen.

Nächste Verhandlungsrunde am 5. Oktober geplant
Die Verhandlungen laufen am Mittwoch bis 17 Uhr, ein nächster Termin ist für den 5. Oktober anberaumt, am 15. wollen die Gewerkschaften schon mit den anderen Fachverbänden verhandeln. Ein Streik wie 2011 steht noch nicht im Raum: "Kampfmaßnahmen sind derzeit kein Thema", hieß es unisono. Sehr wohl Thema ist allerdings die Kurzarbeit.



Dieser Begriff könnte in den Kollektivvertragsverhandlungen ab und zu fallen, denn die schwere Krise der Jahre 2008 und 2009 ist noch gut im Gedächtnis, sie könnte die Beratungen als Schreckensszenario begleiten. Die jüngsten Arbeitslosenzahlen (plus 5,8 Prozent im Vergleich zu August 2011) sowie wenig optimistische Ausblicke der Wirtschaftsforscher sind für die Gewerkschaften kein ideales Fundament für die Verhandlungen, im August des Vorjahres waren nur 193 Beschäftigte für Kurzarbeit gemeldet, diesen August bereits 1663.

Ob Österreich vor einer erneuten Kurzarbeitswelle steht, sei jedoch "schwer zu prognostizieren", sagt Gernot Mitter, Arbeitsmarktexperte der Arbeiterkammer. "Diese Zahlen sind nicht sehr signifikant." Beim Höchststand im April 2009 waren 37.652 Beschäftigte zur Kurzarbeit gemeldet. Anzeichen für solche Steigerungen sieht Mitter zwar nicht, "aber ausschließen kann man es natürlich nicht, wenn etwa die Syrienkrise den Erdölpreis hinauftreibt".

"Schwierig" zu erfüllen sein wird die Forderung der Gewerkschaft nach fünf Prozent für Christian Knill vom Maschinenbauerverband.

"Schwierig" zu erfüllen sein wird die Forderung der Gewerkschaft nach fünf Prozent für Christian Knill vom Maschinenbauerverband.© APA/HELMUT FOHRINGER "Schwierig" zu erfüllen sein wird die Forderung der Gewerkschaft nach fünf Prozent für Christian Knill vom Maschinenbauerverband.© APA/HELMUT FOHRINGER

Auch die Industriellenvereinigung (IV) sieht derzeit keine Indizien, dass die Kurzarbeit noch in diesem Jahr neue Höhenflüge erlebt. "Wir haben zwar mehr Arbeitslose, gleichzeitig aber noch immer steigende Beschäftigungszahlen", erklärt IV-Sprecher Helwig Aubauer. Es ist ein gar nicht so unlogisches Kuriosum, denn die große Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt zieht zusätzliche Arbeitskräfte an, und zwar mehr, als dann tatsächlich einen Job finden. Von "vollen Auftragsbüchern" und einem Belegschaftsstand von "100 Prozent" berichtet auch Max Angermeier, der Betriebsrat der Austria Metall AG.

Allerdings weist Angermeier auch auf den Rückgang von Leiharbeitskräften in den Betrieben hin, und diese gleichen in der Industrie einem Seismographen. Im August hat sich der negative Trend in der Leiharbeitsbranche verfestigt, um mehr als elf Prozent ist die Arbeitslosenrate in diesem Segment angestiegen. "Wenn die Arbeitslosigkeit bei Leiharbeit steigt und etwa Urlaube angebaut werden, zeugt das schon von einem Rückgang in der Sachgüterproduktion", sagt AK-Experte Mitter.




1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-09-25 20:42:12
Letzte Änderung am 2012-09-26 08:55:10


Beliebte Inhalte



Umbau verzögert sich: Erst 16 der 885 dayli-Filialen in Österreich wurden mit Bistro ausgestattet. - dayli
  • Der Rückzug des bonitätsstarken Miteigentümers gilt als negatives Signal.
  • weiter

  • FCC pocht angeblich auf neue Kredite und auf Haftungen der Republik.
  • weiter

  • Drastische Kurskorrektur - nach wochenlangen Börserekorden.
  • weiter

  • Nowotny pessimistisch - OeNB im Vorjahr mit höchstem Gewinn seit 2005.
  • weiter

  • Japans Exportrivalen in Deutschland verfolgen die Yen-Abwertung mit Skepsis.
  • weiter

"Bevor uns das Rohöl ausgeht, geht uns das Wasser aus" , ist Brabeck-Letmathe überzeugt. - dpa
  • Spitzenmanager über Europas Defizite und emotionale Debatten.
  • weiter

Notenbank-Direktor Ittner: Seit 2002 erzielt Österreichs Volkswirtschaft Leistungsbilanzüberschüsse.
  • Leistungsbilanz für 2012 weist
  • 5,5 Milliarden Euro Überschuss aus.
  • weiter

Keine Wachstumsimpulse für die heimische Produktion durch Aufträge aus dem Ausland.  (Symbolbild: Stahlarbeiter) - APA/HANS KLAUS TECHT
  • Letztes nennenswertes Quartalswachstum liegt schon ein Jahr zurück.
  • weiter

Stromstöße und Leistungsabfall: In der Austrian Power Grid (hier Bundespräsident Heinz Fischer bei einem Besuch 2012) werden Netzschwankungen ausgeglichen. - apa/BH/Tatic
  • Subventionen für erneuerbare Energien führen zu Marktverzerrung.
  • weiter

Hinhaltetaktik Österreich wartet mit dem Informationsaustausch auf die Schweiz - und die Schweiz wartet auf den Rest der Welt. - reu
  • Österreichs Forderungen sind legitim, zögern aber mögliche Verhandlungserfolge hinaus.
  • weiter




Werbung



Die Akte Hypo - Bild: APAweb

Firmenmonitor






Chondrocladia lyra, ein fleischfressender Schwamm, lebt über drei Kilometer tief im Pazifik vor der Küste von Kalifornien. Die Art wurde von der Universität von Arizona in Tempe (USA) für die Liste der skurrilsten Entdeckungen 2012 ausgewählt.

23.05.2013: Nach 28 Jahren stießen Biologen auf eine unbekannte Affenart in Afrika: die Lesula-Affen. Sie leben versteckt in der Lomami-Region in der Dem. Rep. Kongo und wurden nun von der Universität von Arizona für die Liste der skurrilsten Entdeckungen 2012 ausgewählt. Nach Sony (PlayStaion 4) und Nintendo (WiiU) hat nun auch Microsoft seine Vision der zukünftigen Spielkonsolenwelt vorgestellt. Kinect Group Program Manager Scott Evans demonstrierte bei der Präsentation der "Xbox One" gleich einmal den neuen Kinect-Sensor, der nun nicht mehr als Zubehör erhältlich sein wird, sondern fix im Lieferumfang enthalten sein wird.

Mailands "neubabylonischer" Hauptbahhnhof Frankreich: Amandine Bourgeois - "L'enfer et moi"

Werbung