Wien. (kle) Bei den Lohnverhandlungen der Metaller ist am Mittwochabend auch die zweite Runde ergebnislos zu Ende gegangen. In der Frage der Arbeitszeit hätten sich die Fronten verhärtet, hieß es, ein Ausweg sei derzeit nicht in Sicht. Am 5. Oktober soll weiterverhandelt werden. Wenn die Industrieseite dann nicht einlenkt, werde man Betriebsversammlungen einberufen, hieß es am Abend von Gewerkschaftsseite.
Zur auf dem Tisch liegenden Forderung nach fünf Prozent mehr Lohn und Gehalt haben die Arbeitgeber angeblich bisher noch kein Gegenangebot vorgelegt. Im vergangenen Jahr einigte man sich auf 4,2 Prozent mehr Geld. Dafür waren insgesamt vier Verhandlungsrunden notwendig, ab Runde 3 begleitet von Warnstreiks.
Ein interessantes Detail hat am Mittwoch abseits des großen Feilschens der Interessenverband für Anleger (IVA) ins Spiel gebracht. Laut seinen Erhebungen kam ein Vorstandsmitglied des Stahlkonzerns Voestalpine 2011 auf eine durchschnittliche Brutto-Gage von 2,13 Millionen Euro. Gleichauf mit den Vorständen des Anlagenbauers Andritz war ein Voestalpine-Vorstand gegenüber den Kollegen aller anderen in Wien börsenotierten Firmen somit am besten bezahlt (ohne Abfertigung/Abfindung). Spitzenfacharbeiter verdienen in der Metallerbranche dem Vernehmen nach jährlich bis zu 51.000 Euro brutto, aber nur mit Zulagen.
Laut IVA ließ sich die Voest ihre Vorstände im Vorjahr inklusive Abfertigungen/Abfindungen auch in Summe am meisten kosten - nämlich 20,1 Millionen Euro, fast doppelt so viel wie 2010. An zweiter Stelle rangiert der Energiekonzern OMV mit 13,9 Millionen Euro (plus 14 Prozent), gefolgt von Andritz mit 11,1 Millionen Euro (plus 14 Prozent).
Im Durchschnitt aller im Handelssegment Prime Market gelisteten Unternehmen beliefen sich die Vorstandskosten 2011 auf 3,9 Millionen, eine Steigerung um 15 Prozent. Wobei ein einzelnes Vorstandsmitglied mit rund 870.000 Euro neun Prozent mehr verdiente als im Jahr davor.
Lohnstückkosten gesunken
Das Fazit von IVA-Chef Wilhelm Rasinger: "Vorstände haben von den überraschend guten Ergebnissen 2011 mit einer überdurchschnittlichen Steigerung ihrer Bezüge profitiert." Allerdings bestehe mit einem Bruttojahresbezug von durchschnittlich gut 870.000 Euro "nach wie vor ein deutlicher Abstand zu vergleichbaren deutschen Unternehmen".
Kritisch äußert sich Rasinger indes zu den Aufsichtsratsvergütungen: Deren "Höhe korreliert nicht mit dem wirtschaftlichen Erfolg der Unternehmen". Im Schnitt verdienten Aufsichtsräte im Vorjahr 28.000 Euro (plus sieben Prozent), wobei ein einzelner Kontrollor bei der Erste Bank mit 83.000 Euro (plus 94 Prozent) am meisten kassierte. Mit 993.000 Euro Gesamtkosten war das Aufsichtsratsgremium der Ersten 2011 überhaupt das teuerste in Österreich.
Das Wifo gab am Mittwoch bekannt, dass die Lohnstückkosten in Österreich im vorigen Jahr um rund vier Prozent gesunken sind. Grund dafür sei die höhere Produktivität, so die Wirtschaftsforscher. Womit sich die internationale Wettbewerbsfähigkeit Österreichs verbessert haben dürfte.