
Wien. (sf) Der dritte Termin hielt: Nach zweimaliger Verschiebung stellten die Eigentümerfamilie Backhausen und der austro-saudische Investor, Scheich Mohamed Bin Issa Al Jaber, am Donnerstag ihre Strategie für den Textilhersteller vor. "Es ist ein emotionales Investment, um die Tradition der Firma weiterzuführen. Ich beteilige mich mehr aus Verantwortung gegenüber der Firmentradition als aus geschäftlichen Überlegungen", sagte Al Jaber.
Al Jaber übernimmt über die österreichische JJA Beteiligungsverwaltungs Gmbh die Mehrheit am Wiener Stoffproduzenten, die genaue Höhe der Beteiligung wurde nicht genannt. Über den Kaufpreis wurde ebenfalls Stillschweigen vereinbart.
2010 betrugen die Verbindlichkeiten gegenüber Banken laut Firmencompass rund drei Millionen Euro. Die gesamte Verschuldung belief sich auf 5,6 Millionen Euro. "Durch den Einstieg ist Backhausen schuldenfrei und verfügt über genügend Working Capital, um den Vertrieb auszubauen", sagte Reinhard Backhausen, der gemeinsam mit Bruder Herbert die Firma in der sechsten Generation führt. Backhausen beliefert Hotels und Fachhändler in 40 Ländern.
Nach Umsatzminus in Krise ab 2013 Gewinne angepeilt
Durch die Wirtschaftskrise und günstigere Konkurrenz aus Asien war der 1849 gegründete Betrieb ins Trudeln geraten, der Umsatz ging um zehn Prozent zurück. Als Reaktion wurden im Vorjahr Kosten reduziert und ein Partner gesucht. "Wir kannten Scheich Al Jaber, den Besitzer des Grand Hotels, als Kunden", sagt Backhausen. Al Jaber verfüge über ein großes internationales Netzwerk, besonders im arabischen Raum, das Backhausen nutzen könne - zudem besitze er 60 Top-Hotels. Der Deal soll dieser Tage abgeschlossen sein. Die Finanzierung sei durch Bankgarantien abgesichert.
Laut den letztverfügbaren Zahlen aus dem Jahr 2010 schrieb der Möbel- und Vorhangstoff-Produzent bei einem Umsatz von 11,98 Millionen Euro unter dem Strich einen Verlust von 647.000 Euro. Für heuer werden zwölf Millionen Euro Umsatz angepeilt. "Wir wollen dieses Jahr weitestgehend positiv abschließen und die nächsten Jahre Gewinne schreiben", sagt Backhausen.
Backhausen hält am Werk im Waldviertel fest
Die Stoffproduktion am Standort Hoheneich bei Gmünd, an dem 80 der mehr als 100 Mitarbeiter beschäftigt sind, soll ausgebaut werden. "Ich bin überzeugt, dass eine Textilproduktion in Österreich auch in Zukunft möglich ist, wenn man sich auf Nischen spezialisiert und auf Sonderwünsche eingeht", so Backhausen.