• vom 04.10.2012, 18:16 Uhr

Österreich

Update: 04.10.2012, 22:05 Uhr
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Darbender Risikokapitalmarkt bedroht innovative Betriebe



  • Im Gegensatz zu Europa sinken in Österreich die Volumina immer weiter.

Wien.



Es gab Zeiten, da reichte bereits eine vage Geschäftsidee in Verbindung mit einer Internetadresse, um großzügige Investitionen zu erhalten. Der Risikokapitalmarkt wuchs und wuchs, bis er im Jahr 2006 mit 112,3 Milliarden Euro in Europa seinen Höhepunkt erreichte. Es waren Gelder, die innovativen, wachstums- und technologieorientierten Klein- und Mittelbetrieben (KMU) die Finanzierung sicherten, da diesen aufgrund der Risiken die traditionelle Kreditfinanzierung kaum oder gar nicht zur Verfügung steht.

Mit der Krise brach dieser Markt in Europa völlig zusammen und erreichte seinen Tiefststand im Jahr 2009 mit 17,8 Milliarden Euro. Auch Österreichs Risikokapitalmarkt machte diese Entwicklung mit, das Volumen fiel von 508 Millionen im Jahr 2007 auf 286 Millionen Euro zwei Jahre später. Vor allem die Banken und Versicherungen sind als Fondsinvestoren ausgefallen.

Doch anders als in Europa, wo sich seit dem Krisenjahr 2009 wieder ein Aufwärtstrend zeigt, kommt der Risikokapitalmarkt in Österreich nicht von der Stelle. Und mehr noch: In den vergangenen zwei Jahren ist das Volumen weiter gefallen und beträgt nur noch 109 Millionen Euro, wie eine Studie des Austria Wirtschaftsservice und des Wirtschaftsministeriums zeigt.

Die Untersuchung kommt zum eindeutigen Ergebnis: "Dem österreichischen Venture-Capital-Segment gehen die notwendigen Mittel aus. Es sind daher dringend geeignete Maßnahmen zur Belebung der Frühphasenfinanzierung notwendig."

Vor der Krise kamen Banken und Versicherungen für fast 80 Prozent des Kapitals auf, bis 2009 hatte sich dieser Sektor dann praktisch zur Gänze zurückgezogen. Im Jahr 2011 haben die Banken wieder etwas Vertrauen gewonnen - sie machen derzeit etwa 23 Prozent der Gesamtsumme aus -, bei Versicherungen dagegen sind es nach wie vor null. Die öffentliche Hand sowie internationale Institutionen haben diese Ausfälle nur teilweise kompensieren können.

Bedarf ist ungebrochen groß
Betroffen von der anhaltend schwierigen Lage am Risikokapitalmarkt sind vor allem Frühphasenfinanzierungen. Aufgrund des hohen Risikos und geringer Performanceerfolge wollen viele Fondsinvestoren nicht mehr in Venture Capital investieren, der Bedarf allerdings ist ungebrochen. Die Krise hat laut Studie allgemein die Investitionsgeschwindigkeit verlangsamt. In Zukunft werde der Investitionsfokus der Risikoinvestoren eher auf reiferen Unternehmen liegen.

Die Studienautoren gehen auch davon aus, dass sich die Fundraisingsituation weiterhin schwierig gestalten wird. So hätten die meisten heimischen Fondsinvestoren keine nachhaltigen Investitionsprogramme für Risikokapital. Fondsinvestments seien vielfach einfach eingestellt worden. Internationale Investoren würden sich auch kaum für den unbekannten österreichischen Markt interessieren. Die meisten heimischen Risikokapitalfonds liegen unter 100 Millionen Euro und damit unter der magischen Grenze für internationale Engagements.

Darüber hinaus bestehen derzeit aber auch Unsicherheiten bei den Rahmenbedingungen für Risikokapital, etwa durch die europaweit in Umsetzung befindlichen neuen Regulierungen. "Es fehlt eine geeignete rechtliche Struktur für Risikokapitalfonds", heißt es in der Studie. Sie erachten es für dringend geboten, geeignete Maßnahmen zur Belebung der Frühphasenfinanzierung zu setzen. Sinnvoll wäre auch eine eigenständige Fondsstruktur für Risikokapital. Bei den Richtlinienumsetzungen sollte auf geringe administrative Kosten für kleine österreichische Risikokapitalgeber geachtet werden.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-10-04 18:23:08
Letzte Änderung am 2012-10-04 22:05:05


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