Wien.

Wie berichtet, hatte Backhausen am Mittwoch vergeblich auf die Einzahlung des Scheichs in Höhe von 2,85 Millionen Euro gewartet und musste daher den Insolvenzantrag stellen. Es sei eine Nervenschlacht gewesen, man habe sich monatelang um dieses Investment bemüht. Erst Ende September war der mehrheitliche Einstieg Al Jabers bei Backhausen - nach zweimaligem Verschieben - offiziell verkündet worden.
"Die Banken hatten keine Geduld mehr", sagte Backhausen am Donnerstag am Rande einer Pressekonferenz des Fachverbands der Textil-, Bekleidungs-, Schuh- und Lederindustrie, deren Präsident er ist, zu Journalisten. "Er steht nach wie vor zu uns", habe Al Jaber ihm versichert. Und: "Wenn er‘s ernst meint, dann wird er das Geld in den nächsten Tagen überweisen." Und wenn nicht? Backhausen: "Dann werden wir Gespräche mit anderen Investoren führen." Das habe man schon früher getan, bevor Al Jaber ins Spiel kam. Warum der Scheich nicht gezahlt hat, kann sich Backhausen nicht erklären: "Ich kann nicht für ihn sprechen."
Am Mittwochabend hatte die Sprecherin von Al Jabers Holding MBI International, Andrea King, in einer Aussendung versichert: "Wir stehen zu unserer Vereinbarung mit der Familie Backhausen." Die Banken hätten unnötig Druck gemacht.
Sorge um die Mitarbeiter
Dass Al Jaber in der Vergangenheit schon die AUA und Kneissl hängen gelassen haben soll, wollte Reinhard Backhausen nicht kommentieren. Er sorgt sich vor allem um die rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: "Manche sind schon in der dritten oder vierten Generation bei uns."
Das Unternehmen, dessen exquisite Stoffe Hotels, Schlösser, Theater- und Konzerthäuser im In- und Ausland zieren, hat seinen Stammsitz in Hoheneich im Waldviertel, die Verkaufszentrale befindet sich in Wien - in der Nähe von Al Jabers Grand Hotel.
Für heuer erwartet Backhausen zwölf Millionen Euro Umsatz. Der Exportanteil beträgt rund 70 Prozent. Klappt der Einstieg Al Jabers doch noch, erhofft sich das Traditionsunternehmen, das in sechster Generation geführt wird, einen kräftigen Schub bei den Exporten in den arabischen Raum. Derzeit beträgt der Anteil erst zwei bis drei Prozent.
Das Sanierungsverfahren
(kmö) Das Gericht in Krems hat für 31. Oktober die erste Gläubigerausschusssitzung anberaumt. Die Abstimmung über den angebotenen Sanierungsplan (30 Prozent Quote) findet bereits am 19. Dezember statt. Das sind 70 Tage nach Insolvenzeröffnung, 90 Tage beträgt die maximale Frist. "Das ist etwas ungewöhnlich bei so einem komplexen Verfahren", meint Gerhard Weinhofer von Creditreform. In der Zwischenzeit wird das operative Geschäft eigenständig weitergeführt, die Lieferanten müssen weiter liefern. Waren im Wert von 1,165 Millionen Euro liegen auf Lager. Bei Backhausen wird täglich eine Liquiditätsplanung erstellt. Setzt man im Oktober pro Tag rund 40.000 bis 50.000 Euro um, sind es in der Vorweihnachtszeit sogar 75.000 bis 95.000 Euro. Backhausen will den Fortbetrieb und die Masseforderungen aus dem laufenden Geschäft finanzieren. Die erforderliche Barquote und die restliche Sanierungsplanquote soll ein Investor aufbringen.