Wien. Diesmal ist es nicht Travniceks "Za wos brauch ma des?" Diesmal ist es schlimmer. Es sind die Parkplätze, an denen sich der sprichwörtliche Wiener Grant entzündet: Denn Daimlers weiße Smart-Wägelchen mit dem blauen Streifen dürfen überall parken, sie gehören schon kaum ein Dreivierteljahr nach dem Start von "Car2Go" ihrem Start wie selbstverständlich zum Wiener Straßenbild, zumindest in den inneren Bezirken.
Und demnächst kommen auch die Carsharing-Autos des US-Unternehmens Zipcar - das den Wiener Teilzeit-Auto-Pionier Denzeldrive übernommen hat - auf die Straße: Statt in privaten Garagen können die dann grün lackierten Wagen an zahlreichen Anmietstationen im öffentlichen Raum gemietet und zurückgegeben werden. Dass auch diese Parkplätze dann für die anderen Autofahrer "vernichtet" sind, stößt auf teils heftige Kritik.
Grant hin, Kritik her: Der Verzicht auf das eigene Auto, ohne dabei die individuelle Mobilität ganz aufzugeben, liegt ganz im Trend. Daimler Benz hat 2008 mit 300 Smart-Cityflitzern in Ulm einen Pilotversuch gestartet. Das Car2Go-Konzept: Die Autos stehen auf "normalen" Parkplätzen. Die Kunden buchen spontan und stellen den Teil-Pkw nach Ende der Fahrt irgendwo im "Geschäftsgebiet", das einen großen Teil der Stadt umfasst, wieder ab. Abgerechnet wird nach Minuten per Smartphone - und das wars auch schon: Um Parkgebühren, Auftanken, Versicherung und so weiter kümmert sich die Firma.
Bis 2011 wurde das Konzept auch in Großstädten wie Hamburg ausgerollt, in Amsterdam und dem kalifornischen San Diego sogar ausschließlich mit Elektroautos. "Wir planen innerhalb der nächsten fünf Jahre die Ausweitung von "Car2Go" auf bis zu fünfzig europäische und eine deutlich zweistellige Zahl amerikanischer Großstädte, hieß es Ende 2011 zum Start in Wien.
Schon knapp sieben Monate nach dem Start meldete "Car2Go" den "Meilenstein" von 300.000 Mieten und 20.000 registrierten Kunden für seine 500 Kleinwagen - "damit ist Wien einer unserer größten und am schnellsten wachsenden Standorte", hieß es anlässlich der Ausweitung des 80 Quadratkilometer großen Geschäftsgebiets ab 1. August 2012 auch auf Fahrten zum Flughafen Wien-Schwechat.
In der "maximalen Flexibilität" sieht Car2Go-Europa-Geschäftsführer Müller auch das Erfolgsgeheimnis des Mobilitätsangebots: "Unsere Mitglieder haben die Möglichkeit, unsere Autos überall und jederzeit auszuleihen, ohne Mietende oder Rückgabeort im Vorhinein festlegen zu müssen." Und sie können nach Ende der Fahrt überall parken - die Jahresgebühr für die Kurzparkzonen entrichtet die Firma direkt.
Bis Endes Jahres will auch Konkurrent "CarSharing" die Zahl seiner Autos auf 200 aufstocken - auf "sichtbaren" öffentlichen Standorten. Damit werde aber die Parkplatznot sogar gelindert, sagt Zipcar-Chef Christof Fuchs: Denn während ein "normales" Auto täglich nur eine von 24 Stunden genutzt wird, seien es bei Carsharing 35 Prozent der Tageszeit: "Jedes unserer Autos ersetzt 15 private Pkw."
Nun ist auch der Dritte im Bunde in Wien fix: Der Autovermieter "Easymotion" wird noch heuer mit einem eigenen Carsharing-Konzept an den Start gehen, das die Systeme der beiden Mitbewerber kombiniert, wie Geschäftsführer Gerhard Miklauz erklärte. Er wünscht sich übrigens fixe Car-Sharing-Stellplätze, die von allen Anbietern gemeinsam genutzt werden, ähnlich den Taxistandplätzen.
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