• vom 19.10.2012, 18:17 Uhr

Österreich

Update: 19.10.2012, 18:59 Uhr
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Lohnerhöhung für 120.000 Metaller deutlich über der Inflationsrate hat Signalwirkung für andere Branchen

Metaller-Abschluss ist Richtwert


Von Sophia Freynschlag

  • Flexiblere Arbeitszeiten auch im Handel ein Thema - erste KV-Runde am Mittwoch.

Per Handschlag besiegelt: Veit Schmid-Schmidsfelden, Arbeitgeber-Verhandler (l.), und Arbeitnehmervertreter Rainer Wimmer vereinbarten 3,0 bis 3,4 Prozent Lohnplus für 120.000 Metaller. - © APA/GEORG HOCHMUTH

Per Handschlag besiegelt: Veit Schmid-Schmidsfelden, Arbeitgeber-Verhandler (l.), und Arbeitnehmervertreter Rainer Wimmer vereinbarten 3,0 bis 3,4 Prozent Lohnplus für 120.000 Metaller. © APA/GEORG HOCHMUTH

Wien. Die Einigung in der Lohnrunde des größten Metaller-Fachverbandes, der Maschinen- und Metallwarenindustrie (FMMI), ist ein "Richtwert für andere Branchen", sagt Thomas Leoni vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo). Die Inflation von 2,7 Prozent wurde voll abgegolten, den Beschäftigten bleibt mehr Geld übrig. Das Lohn- und Gehaltsplus ab 1. November zwischen 3,0 für besser bezahlte Mitarbeiter und 3,4 Prozent beim Mindestlohn für Geringverdiener wertet der Arbeitsmarktexperte als einen "moderaten Abschluss": "Der Gewerkschaft war ein Abschluss wichtig, der sich auf andere Fachverbände übertragen lässt."

Die sechs Metaller-Fachverbände verhandeln heuer erstmals getrennt mit der Gewerkschaft. Wenige Stunden nach der Einigung am Freitagvormittag begannen um 14 Uhr die Kollektivvertrags (KV)-Verhandlungen für die Nichteisenmetaller. Die Chefverhandler der Arbeitnehmer waren trotz des 17-stündigen Verhandlungsmarathons dieselben: Rainer Wimmer und Karl Proyer. Am Montag folgen die Gießereien.

"Wir haben einen tragfähigen Kompromiss erreicht, der deutlich über der Inflationsrate liegt", sagt Mathias Beer von der Gewerkschaft Pro-Ge. Zuvor hatte die Gewerkschaft mit einem Streik gedroht, sollte es beim vierten Termin keinen Abschluss geben.

Wifo-Experte: Arbeitszeit für Ältere muss kürzer werden



Die Arbeitnehmervertreter haben sich mit weniger als den geforderten fünf Prozent mehr Lohn zufrieden gegeben, im Gegenzug wurde die von den Arbeitgebern geforderte Arbeitszeitflexibilisierung aus den Verhandlungen herausgenommen und wird nun in einer Expertengruppe besprochen. "Da diese Fragen für unsere Branche enorm wichtig sind, werden wir sie weiterhin forcieren", kündigt Arbeitgeber-Verhandler Veit Schmid-Schmidsfelden an.

Wifo-Experte Leoni hält Arbeitszeitflexibilisierung für ein wichtiges Zukunftsthema: "Wir brauchen eine Anpassung der Arbeitszeiten in Österreich. Bis ins höhere Alter arbeiten ist nur mit Arbeitszeitreduktion möglich."

Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung, bezeichnete das Ergebnis als "äußerst herausfordernd, aber gerade noch vertretbar". Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner teilte mit: "Die Tatsache, dass nach relativ kurzen Verhandlungen ein Abschluss erreicht wurde, wirkt sich auf die Entwicklung der Konjunktur im Herbst positiv aus."

Für die größte Beschäftigungsgruppe, die mehr als eine halbe Million Handelsangestellten, beginnen am Mittwoch die KV-Verhandlungen. Auch hier wird über flexiblere Arbeitszeiten diskutiert: Die Arbeitgeber finden es nicht mehr zeitgemäß, dass Handelsmitarbeiter laut KV nur an jedem zweiten Samstag arbeiten dürfen. In diesem Punkt will die Gewerkschaft entgegenkommen und "ein bisschen mehr an Wahlmöglichkeiten" gewähren.

Nicht gesprächsbereit sind die Arbeitnehmervertreter jedoch beim Wunsch der Arbeitgeber, Resturlaube auszuzahlen. Die Gewerkschaft fordert aber eine sechste Urlaubswoche, die Beschäftigte derzeit nur bekommen, wenn sie 25 Jahre durchgehend im selben Unternehmen arbeiten. Abzuwarten sei, wie stark die KV-Reform das Gehaltsplus für Handelsmitarbeiter beeinflussen werde, sagt Leoni. "Vor allem im Dienstleistungsbereich sind die Löhne in den vergangenen 10 bis 15 Jahren schwach gestiegen." Im Handel sei das Lohnniveau gering, der Mindestlohn liegt bei 1350 Euro. Die Forderung der Gewerkschaft geht "Richtung 1400 Euro". Die Zeiten, in denen der Handel als "Niedriglohnbranche" gilt, müssten endlich vorbei sein.

Gewerkschafter Proyer sieht den Kollektivvertrag unter Druck. "Gewisse Arbeitgeber haben es auf die Zerschlagung der Sozialpartnerschaft angelegt", meinte er kürzlich mit Blick auf die Metaller und auf den Journalisten-KV, der von den Arbeitgebern aufgekündigt wurde.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-10-19 18:23:08
Letzte Änderung am 2012-10-19 18:59:08


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