Wien. (kle) Vor allem für den Steuerzahler ist es zumindest ein kleiner Lichtblick. Nach teils hohen Verlusten in der Vergangenheit wollen die ÖBB schon heuer in die Gewinnzone fahren. Bahnchef Christian Kern: "Es läuft besser als erwartet." Für das Gesamtjahr 2012 stellt er einen Vorsteuergewinn von etwa 60 Millionen Euro in Aussicht.
Kern ist "positiv gestimmt", die ÖBB bis zum Jahresende in den schwarzen Zahlen halten zu können, obwohl der Güterverkehr gerade jetzt, im zweiten Halbjahr, unter der schwachen Konjunktur leidet und das vierte Quartal "brutal werden wird". Im ersten Halbjahr lag das Vorsteuerergebnis bei 79 Millionen Euro, wovon 17 Millionen auf positive Bewertungseffekte beim Forint entfielen.
Neues Fitnessprogramm
Weiter auf der Kostenbremse steht Kern in der Güterverkehrssparte Rail Cargo Austria (RCA). Hier will der ÖBB-Chef ein neues Restrukturierungsprogramm ausrollen, wie er am Freitag im Klub der Wirtschaftspublizisten ankündigte. Dabei soll geprüft werden, welche der über ganz Österreich verteilten Bedienstellen ökonomisch noch sinnvoll sind. Daneben will Kern Waggonparks zusammenlegen und Mitarbeiter abbauen. Um die RCA nachhaltig fit zu trimmen, will er aber auch investieren, und zwar in die Terminal-Infrastruktur.
Nach Informationen des "Standard" stehen in Österreich bis zu 140 Anschlussbahnen und Bedienstellen des einstmals aus 600 Umschlagplätzen für die Industrie bestehenden RCA-Netzes auf dem Prüfstand. Der Personalstand solle um rund 100 Mitarbeiter reduziert werden, so die Zeitung.
Kern wollte diese Zahlen am Freitag weder bestätigen noch dementieren, er sagte nur: "Weitere Einschnitte sind notwendig." Die neuen Pläne sollen am 30. Oktober im Aufsichtsrat der RCA beschlossen werden.
Ergebniswirksam werden diese Pläne erst in den nächsten Jahren. Kerns erklärtes Ziel: Bis 2015 sollen die ÖBB beim Vorsteuerergebnis in Richtung 200 Millionen Euro fahren. Das ist in etwa die Marke, ab der das Unternehmen seine Kapitalkosten verdient.
3000 Jobs seit 2010 abgebaut
Derzeit hat die Bahn insgesamt 40.300 Beschäftigte, um 3000 weniger als 2010. Laut Kern wurden heuer 600 Mitarbeiter ohne natürliche Fluktuation abgebaut, also durch Kündigung oder einvernehmliche Auflösung. Auch von den Pragmatisierten, die ungefähr zwei Drittel der ÖBB-Belegschaft in Österreich stellen, sind knapp 100 gegangen.
Als besonderer Pluspunkt gilt für die Staatsbahn derzeit der Personenverkehr, der trotz Konkurrenz durch die mehrheitlich private "Westbahn" wächst und heuer etwa die Hälfte zum erwarteten Konzernergebnis beisteuern wird. Höheres Fahrgastaufkommen also und mehr verkaufte Tickets - wobei laut Kern unter anderem auch die steigenden Treibstoffpreise eine Rolle spielen.
Eine weitere Verteuerung der Bahntickets ist vorerst nicht geplant. "Mit dem jetzigen Preisniveau sind wir zufrieden", so Kern. Die letzte Preiserhöhung bei den ÖBB gab es zur Jahresmitte.